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Salem „Wir müssen lauter werden“

Einmal im Jahr ist Bethlehem in aller Munde. Zumindest bei den Christen dieser Welt.

Einmal im Jahr ist Bethlehem in aller Munde. Zumindest bei den Christen dieser Welt. Doch wer heute einen Blick auf Bilder des biblisch überlieferten Geburtsorts Jesu und dessen Umgebung wirft, dem bleibt das Wort „Friede auf Erden“ fast im Halse stecken. Regelrecht eingemauert, hinter Checkpoints mit schwer bewaffneten israelischen Soldaten, die den Zugang von Jerusalem in das im Süden angrenzende Westjordanland kontrollieren, liegen Krippenplatz und Geburtskirche.

„In diesem Jahr fällt es mir schwer an Weihnachten zu denken“, sagt die Salemerin Renate Khurdok. Und weiter: „Wenn von Bethlehem gesungen oder gesprochen wird, denke ich nicht an das Kripplein, in dem Jesus liegt, sondern an die Stadt im Westjordanland, die umgeben ist von Mauern und Soldaten.“

Wer als Deutscher nach Bethlehem reisen will, muss zunächst über Tel Aviv eine Reise nach Jerusalem unternehmen. Dann führt ein schmaler Spalt durch die acht Meter hohe Mauer. Wenn der Deutsche früher einmal Palästinenser war, kann es sein, dass ihm die Einreise verweigert wird und er zunächst nach Jordanien weiter fliegen muss, um auf dem Landweg in seine ehemalige Heimat zu kommen.

Mehrfach hat Renate Khurdok Palästina bereist. Zunächst als ihre Tochter dort studierte, die heute bei den Vereinten Nationen in New York tätig ist. Später auch alleine. Was sie dort erlebte, die persönlichen Erfahrungen, die sie machte, hatte sie nicht nur veranlasst ein Buch darüber zu schreiben, das 2009 unter dem Titel „Palästina – Ein Reisebericht“ erschien. Schon zuvor hatte sie die Aktionsgruppe „Salam und Shalom in Salem“ gegründet. Den versöhnlichen Ansatz spiegelt schon der Name wider. „Doch man muss das Unrecht aussprechen und benennen, das Israel den Palästinensern angetan hat und antut“, sagt Khurdok. Die Menschenwürde der Palästinenser werde mit Füßen getreten. „Wir müssen lauter werden“, hatte sich die Salemerin gesagt.

Das liegt fünf Jahre zurück, die Gruppe ist gewachsen. Mittlerweile musste der Kreis der Interessierten mit seinen Treffen in den Alten Bahnhof von Stefansfeld umziehen. Für Renate Khurdok zeigt dies, dass „Bedarf besteht an direkten und unverfälschten Informationen über diesen Dauer-Krisenherd“. Gleich zu Beginn des neuen Jahres will Renate Khurdok daran anknüpfen – mit dem Film „Hip Hop und Kalschnikow“ (am 18. Januar im Ciné-Greth), bei dem die Autoren Stefanie Landgraf und Johannes Gulde persönlich anwesend sein werden. Mit dem Film „Wir wollen keine Feinde sein“ will die Gruppe den Weg in die Schulen suchen. Ende Januar ist zudem ein Konzert mit dem israelischen Jazzmusiker Jilad Atzmon vorgesehen.

Nur eine Vision hat die Salemerin, wie man überhaupt zu einem „Frieden auf Erden“ in Palästina kommen könnte. Zunächst sei ein Schuldbekenntnis beziehungsweise Entschuldigung erforderlich, dann eine gewisse Entschädigung – wie auch immer, dann müsse am Ende die Vergebung stehen. Doch von dieser friedlichen Verständigung scheint Israel weiter entfernt denn je, nachdem erst in diesen Tagen wieder neue jüdische Siedlungen im palästinensischen Westjordanland beschlossen und bestätigt wurden.

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