Salem Salem im Garrett-Fieber

Er kam, spielte und eroberte die Herzen seiner Fans im Flug: David Garrett begeistert 9000 Zuhörer in Salem

Autos drängeln sich dicht an dicht, ein paar Wohnmobils stehen am Rande der Parkplätze und dazwischen vespern vor dem großen Ereignis noch schnell ein paar Hungrige vor dem Schloss in der milden Abendsonne. Mit Ungeduld erwartet, setzt David Garrett, international renommierter Geiger, mit seiner Rock Symphonies Tour 2011 den Reigen Salemer Sommer-Open-Airs fort.

Nach dem akademischen Viertel geht plötzlich ein Ruck durch die Menge. Aus Richtung Stockacher Tor kommend, bahnt sich der Musiker lustig fiedelnd einen Weg durchs Publikum, zum Greifen nah, in Jeans, mit Bartstoppeln, die langen Haare im Nacken zusammengebunden unter dem kecken Hut. Auf der Bühne erwarten ihn seine beiden Bands, die E-Gitarrensolisten mit dem Schlagzeuger sowie ein 35-köpfiges Orchester mit Streichern, Hörnern, Querflöten und einem Pianisten.

"Hallo Salem, darf ich Euch einen echten Rockstar vorstellen?". Garrett meint den Komponisten Beethoven und beginnt mit dessen 5. Sinfonie: "tatatata - tatatata", volle Lautstärke. Jetzt ist der Musiker Garret in seinem Element. Auf der 300 Jahre alten Stradivari, Millionen wert, musiziert sich der 31-jährige Deutsch-Amerikaner durch sein "Rock Symphonies"-Album", den "Bolero" von Maurice Ravel, "Live & Let Die" von Paul McCartney, "Ladies’ Answer", eine Rockballade aus den 80-Jahren, dann wieder Brahms’ "Ungarische Tänze" oder ein Stück von Antonio Vivaldi, um gleich darauf beim Michael Jackson Medley einen blitzschnellen Bogen zu führen. Der Spagat zwischen Klassik und Pop gelingt dem 31-jährigen Wahl-Berliner mühelos.

Wenn er, angestrahlt von grellbunten Scheinwerfern inmitten von Feuerfontänen und Klangbildern auf drei Leinwänden, seinen Bogen über die Saiten springen lässt und die Töne aus seiner Violine perlen, fröhlich und spritzig, schnell und immer schneller, dann ist das schon ein grandioses Live-Erlebnis. Die rund 9.000 Zuschauer wiegen sich im Rhythmus seiner Musik und sind fasziniert, spenden brausenden Applaus, weniger bei den Klassikstücken, doch umso mehr bei Rock und Pop. Obwohl die Älteren sich die Waage halten mit den Jüngeren in der bis weit nach hinten in Richtung Münster reichenden Arena. Garrett sucht Publikumskontakt, ist sich seiner Ausstrahlung und Charisma bewusst, kommt kurz herunter zum Publikum, verbreitet sein Lächeln und ist schon wieder auf der Bühne.

Auch nach der Pause nur disziplinierte Fans, keine nach vorne stürmenden jungen Mädchen, keine Blumengeschosse für Garrett, nur Freude, Bravorufe und viel dankbarer Applaus. Der "schnellste Geiger", wie er von sich selbst sagt, spielt nonstop Klassik, Rock und Pop, schmeichelt mit den Variationen von Rachmaninoff das Ohr, um abrupt "zu seinem Lieblingsrock "Kashmir" überzuwechseln, dann wieder "Hey Jude" oder Zorba's Dance, ein intensives Wechselbad der Gefühle. Man vergibt ihm dabei seine kleinen Geschichtchen aus seinem Leben, die er munter dazwischenstreut.

Und wie er da als Zugabe und bereits ziemlich erschöpft am Schluß den Czardas geigt und ihm in der späten mondlosen Nacht auch noch ein paar obere Geigentöne wegrutschen, da wird es trotzdem klar: Er ist ein Superstar.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Einzigartige Geschenke von Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Salem
Salem
Salem
Salem
Salem
Salem
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren