Salem Salem-Akademie für Abiturienten ohne Orientierung
Hier, in Überlingen-Härlen, wo die Oberstufe des exklusiven Salem-Internats unterrichtet wird, ist die „Salem-Akademie“ geplant. Ausdrücklich auch für Externe. Bild: Archiv-dpa
– Die Abiturienten werden immer jünger. Künftig werden schon Minderjährige an die Hochschulen gelassen – und wirken dort vielleicht genauso verloren wie ein Häschen im Hundezwinger. Manchem Jung-Studenten fehlt es an der nötigen Reife, den für ihn passenden akademischen Weg zu finden. Und so wechselten heute schon 33 bis 37 Prozent der Studierenden im Lauf des Studiums das Fach oder brechen ihr Studium ganz ab, sagte gestern der Vorstandsvorsitzende der Schule Schloss Salem, Robert Leicht. Dem werde der Trägerverein der Internatschule mit der Gründung einer „Salem-Akademie“ begegnen. „Bedarf ist da.“ An der Akademie können sich ab Semesterbeginn 2013/14 Abiturienten auf ihr Studium vorbereiten. Ein Jahr lang, eingebunden in das Internat, am Standort Überlingen-Härlen, wo bisher Oberstufenschüler beherbergt waren.
Die Schlossschule reagiert damit auf eine Bildungspolitik, in der die Kinder immer früher eingeschult und immer früher mit Abitur entlassen werden. In einer Art Studium Generale sollen sich die Abiturienten an der „Salem-Akademie“ in ihrer Persönlichkeit weiterbilden, sie sollen einen grundsätzlichen Überblick über die Studienrichtungen erhalten und Klarheit über ihre Zukunftspläne. Salem sei das erste Internat, das so ein Angebot macht. Es richte sich „vor allem an Schüler, die nicht in Salem zur Schule gingen“, sagte Robert Leicht.
Die private Vollpensions-Akademie wird vermutlich ein kostspieliges Unternehmen, sofern man nicht in den Genuss eines Stipendiums kommt. Welche Summen genau bezahlt werden müssen, könne man heute noch nicht sagen, antwortete Leicht. Er gehe aber davon aus, dass es die Eltern netto günstiger kommt, wenn ihr Kind später und damit zielgerichteter und motivierter das Studium beginnt.
Auf dem Stundenplan der „Salem-Akademie“, so lautet der Plan, steht die methodische Vorbereitung auf das wissenschaftliche Lernen und Arbeiten. Auf dem Stundenplan steht eine intensive Berufsberatung. Außerdem projektorientiertes Studieren. Und nicht zuletzt der Appell zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung – im Sinne des Schulgründers Kurt Hahn. Im Aufnahmeverfahren werde darauf geachtet, dass nur motivierte Abiturienten zu Kollegiaten werden – und keine Partygänger. Robert Leicht: „Hier wird schon dafür gesorgt, dass die abends müde sind.“ Ein Zertifikat werde letztlich darüber Auskunft geben, ob einer „ein lausiger Schüler“ war oder er nun weiß, wie er seine Zukunft meistert.
Mit dem Aufbau der Akademie am Standort Härlen in Überlingen ist ein Umzug der Oberstufenschüler verbunden. Sie sollen am Standort Spetzgart konzentriert werden. Möglicherweise in verringerter Zahl bei gleich bleibender Personalstärke, wie Salem-Geschäftsführer Christian Niederhofer sagte.
Langfristige Strategie der Schule ist es, bei zurückgehender Schülerzahl die Kapazitäten dennoch auszulasten und so die Zukunft der weltberühmten Schule zu sichern. Denn demographisch bedingt, aber auch durch Konkurrenz staatlicher Ganztagsschulen, einer Debatte um die Reformpädagogik sowie einer globalen Konkurrenz hat Salem gegen einen Rückgang der Schülerzahlen anzukämpfen. Wie Geschäftsführerin Brigitte Mergenthaler-Walter betonte, plane die Schlossschule dennoch und gerade deshalb nicht, jeden aufzunehmen, sondern „verantwortlich“ nur jene, die in der Lage sind, auf einem hohen Sprachniveau die deutsche oder englische Hochschulreife zu erwerben.
Gerhard Teufel, bislang Generalsekretär der Studienstiftung des deutschen Volkes, wird ab Juli 2012 die Leitung der Akademie übernehmen. Bernd Westermeyer, der künftige Gesamtleiter der Schule Schloss Salem, der am 1. August seinen Dienst antritt, widmet sich der Leitung der Internatschule.
