Überlingen Rektoren lehnen Oberstufe in Salem ab

Diskussion um die geplante Ergänzung der Gemeinschaftsschule mit einer Gymnasialen Oberstufe: Realschul- und Gymnasial-Rektoren sowie CDU- und FDP-Politiker lehnen die Pläne ab. Rektor Emil Bauscher weist die Kritik zurück.

Sie eint die Kritik an der beantragten gymnasialen Oberstufe der Gemeinschaftsschule Salem: An der Realschule Überlingen haben sich die Rektoren verschiedener Gymnasien und Realschulen aus Überlingen und Umgebung, Kreisräte, Gemeinderatsmitglieder sowie der Landtagsabgeordnete der CDU, Karl-Wilhelm Röhm, zum Meinungsaustausch getroffen. Nach ihrer Ansicht könne sich der geplante Ausbau der Gemeinschaftsschule in Salem negativ auf die Schulen in der Region auswirken. Das Treffen kam auf Einladung von Karin Broszat, Realschulrektorin in Überlingen und Vorsitzende im Realschullehrerverband Baden-Württemberg, zustande.

Veronika Elflein (Realschule Markdorf) weist darauf hin, dass die Existenz der Gemeinschaftsschule in Salem nicht als Konkurrenz zu sehen sei, auch dafür gebe es ein Schülerklientel. Eine Oberstufe berühre aber unmittelbar die beruflichen Gymnasien, die seit Jahrzehnten Realschüler übernehmen. Thomas Plösser (Realschule Wilhelmsdorf) bedauert, dass in Salem eine erfolgreiche Realschule bewusst an die Wand gefahren worden sei. Das sei zum Leidwesen vieler Lehrer, Eltern und Schüler geschehen, so Plösser. Hans Weber (Gymnasium Überlingen) sieht die für eine Oberstufe notwendige Schülerquote mit dem entsprechenden Leistungsniveau in Salem noch nicht erreicht. Hier werde zudem „unlauter an Stellschrauben“ gedreht, indem 15 Prozent der Schüler aus allen umliegenden Realschulen als Interessenten mit eingerechnet würden.

Für Hans Peter Wetzel (Kreistag, ehemaliger FDP-Landtagsabgeordneter) ist eine Oberstufe in Salem so unnötig „wie ein Kropf“, die Region sei sehr gut aufgestellt mit beruflichen Gymnasien. Liliane Frank (Justus von Liebig Schule) fordert für die Zukunft vergleichbare Abschlüsse zur Mittleren Reife für alle Schularten. Abgängern von Gemeinschaftsschulen würden derzeit Vorteile eingeräumt.

Karl-Wilhelm Röhm (Landtagsabgeordneter der CDU) versicherte, dass der Prozess vom Kultusministerium genau beobachtet werde, vor allem was die Einhaltung der Kriterien für die Einrichtung einer Oberstufe angehe und in Salem sehe er derzeit die Vorgaben nicht erfüllt. Die Gemeinschaftsschulen stünden allgemein noch auf dem Prüfstand. Alle in der Runde waren sich einig, dass Schule und Gemeinde Salem bei der Schulentwicklung keinen einseitigen Kurs fahren solle, der an realen Gegebenheiten vorbei führe und auf Spekulationen beruhe.

 

Emil Bauscher ist Rektor an der Gemeinschaftsschule Salem. Wie bewertet er die vorgebrachte Kritik?

Emil Bauscher. Archivbild: Bast
Emil Bauscher. Archivbild: Bast | Bild: Eva-Maria Bast

Wurden Sie zu dem Treffen der Rektoren eingeladen und falls ja, hätten Sie überhaupt Interesse daran gehabt, teilzunehmen?

Zu diesem Treffen wurden leider weder ich, noch andere Schulleiter der Gemeinschaftsschulen eingeladen. Bei Durchsicht der Teilnehmerliste fällt mir auf, dass auch nur politische Mandatsträger anwesend waren, die von der ersten Stunde an die Einführung der Gemeinschaftsschule vehement abgelehnt haben. Ich frage mich, warum im Sinne einer offenen und sachlichen Diskussion nicht politische Mandatsträger anderer Parteien dazu gebeten wurden? Unter diesem Aspekt gilt es, die Ergebnisse dieser Sitzung einzuordnen.

In der Diskussion wurde behauptet, dass die Gemeinschaftsschule Salem die offiziellen Vorgaben zur Einrichtung einer Oberstufe wie Vierzügigkeit nicht erfülle. Wie errechnen Sie die notwendige Schülerzahl und wann ist die Einrichtung einer Oberstufe geplant?

Die Einstellung und die Haltung gegenüber der Gemeinschaftsschule ist eine durchaus persönliche Sache. Dennoch kommt man an Fakten und bestehenden Tatsachen, vor allem im Rahmen einer öffentlichen Verlautbarung nicht vorbei. Die Schülerzahlen der Gemeinschaftsschule Salem für das Schuljahr 2017/2018 sehen nach dem derzeitigen Stand wie folgt aus: 5. Klassenstufe 98 Schüler, 6. Klassenstufe 77 Schüler (hier fehlen noch 7 Schüler zur Vierzügigkeit), 7. Klassenstufe 103 Schüler, 8. Klassenstufe 87 Schüler. Die Oberstufe könnte im Schuljahr 2020/2021 starten.

Ihre Gemeinschaftsschule wurde in diesem Schuljahr als besonders erfolgreiche Schule ausgezeichnet, viele Eltern sind mit den Leistungen und der Konzeption durchaus zufrieden. Würde Ihnen die Kundschaft weglaufen, wenn Sie es nicht schaffen, eine Oberstufe einzurichten?

Ich bin kein Prophet. Fakt ist, dass von Elternseite aus das Interesse an der Gemeinschaftsschule und deren pädagogischer Konzeption vorhanden ist und sich viele Eltern die Einführung einer Oberstufe in Salem wünschen.

Sehen Sie eine Gefährdung in der Belegung weiterführender Gymnasien in der Region, falls man in Salem Abitur ablegen kann?

Immer wieder liest man davon, dass die Privatschulen derzeit einen großen Zulauf an Schülern zu verzeichnen haben und die Eltern eine Alternative zu den bestehenden Schularten suchen. Die Eltern entscheiden sich bewusst für eine Schulart. Die Gemeinschaftsschule stellt dabei in dem bestehenden Schulsystem für die Eltern in der Tat eine Alternative dar.

Die Schließung der Realschule in Salem wird immer noch bei vielen Betroffenen als gewaltsamer Akt angesehen, verbunden mit vollmundigen Versprechungen. Wie stellen Sie sich dazu?

Die Gemeinschaftsschule Salem ist sicherlich unter sehr schwierigen Bedingungen entstanden. Den Vorwurf, vollmundige Versprechungen gemacht zu haben, die nicht erfüllt wurden, kann man bei realistischer Betrachtungsweise nur machen, wenn man sämtliche Fakten und nicht zu leugnende Tatsachen ignoriert. Die in nur drei Jahren erreichten Erfolge und die konstant hohen Anmeldezahlen sprechen hier eine doch sehr deutliche Sprache. Der erste Preis im bundesweiten Wettbewerb „Legasthenie und Dyskalkuliefreundliche Schule“, der Landessieg 2017 im Wettbewerb „Starke Schule“ und der 5. Platz unter 520 Schulen in der Bundesausscheidung in Berlin im selben Wettbewerb wurden der Schule nicht verliehen, weil sie nicht in die Tat umgesetzt hätte, was im pädagogischen Konzept versprochen wurde. Im Übrigen, so meine Recherche, hat noch keine Schule aus dem Schulamtsbezirk Markdorf den Landessieg errungen und ist in der Bundesentscheidung unter den top zehn gewesen. Diese Leistung wurde auch von Kultusministerin Eisenmann anerkannt und sehr gelobt.

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