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Salem Open Air unter Freunden: Max Herre und Milow begeistern Salem

Auf dem Salem Open Air vereint Max Herre und das Kahedi Orchestra alte Freundeskreise – und Milow beste Freundinnen. Am Ende ist es die perfekte Sommernacht.

Was haben ein Belgier und ein Schwabe gemeinsam? Wenig würde man meinen, nicht mal Dialekt-Witze oder kulinarische Vergleiche wollen so richtig passen. Doch an diesem Wochenende verband den Belgier Milow und den Schwaben Max Herre etwas Großes: Die Bühne von Schloss Salem. Max Herre kam mit einem ganzen Orchester und Rap-Perlen aus zwei Jahrzehnten, Milow einen Tag später mit seiner Gitarre und melancholischem Folk. Beide komponierten je ein unvergessliches Sommernachts-Konzert.



Für Max Herre ist der Auftritt in Salem ein Heimspiel. Nicht nur, weil der Stuttgarter sich sichtlich freut, zurück in seiner schwäbischen Heimat zu sein. Sondern auch, weil er mit alten Freunden, oder besser: seinem alten Freundeskreis auf der Bühne steht:   Mit Afrob, Joy Denalane, Megaloh. Vereint hat sie MTV und die „Unplugged“-Reihe. Mit einem 20-köpfigen Orchester und alten Rap-Weggefährten  hat Max Herre  eine Platte aufgenommen, auf der die Verstärker ausgestöpselt und die Songs umso mehr Seele haben. Die typische Studioatmosphäre der Unplugged-Reihe ist geblieben: Die Salemer Bühne ist an diesem Abend ein heimeliges Wohnzimmer, mit Karo-Tapete, Teppich, warmen Licht und: einer Wanduhr, deren Zeiger still stehen. So fühlt es sich auch an, wenn man die kleinen und großen Rap-Perlen des Freundeskreis-Frühwerks wieder live hört: Als ob die Zeit still gestanden wäre und es die letzten 17 Jahre nie gegeben hätte. Es ist wieder 1997, das Jahr, in dem Max Herre gerade seinen ersten Plattenvertrag unterschreibt und Stuttgart binnen weniger Releases  zur Hauptstadt des Hip Hop macht.



Direkt aus dem Schoß dieser Ära serviert Max Herre feine Hip-Hop-Häppchen für alle Kopfnicker und Melancholisten des 0711-Raps: „Esperanto“ kommt mit einem neuen Afrobeat und im Dreiergespann mit Afrob und Megaloh erklärt er, was „Rap ist“: „16 Takte die dein Leben verändern“. Vor allem die Takte von „A-N-N-A“ veränderten Max Herres Leben. Begleitet von Streichern und einer Harfe sorgte die Unplugged-Version in Salem für den größten Gänsehautmoment. Und plötzlich war es in eben diesem Moment nicht mehr 1999, als vor der Bühne die Smartphones im Takt mitleuchten. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber das beste daraus neu vertonen. Das haben Max Herre und sein Freundeskreis an diesem Abend eindrucksvoll gezeigt. 

 

Mehr als ein knuffiger Belgier

Der Freundeskreis geht, die Freundinnen kommen: Keine 24 Stunden später füllt sich der Schlossplatz wieder. Zum Konzert von Milow kommen vor allem Frauen. Das mag daran liegen, dass Milow im Radio gerne als Schmusesänger mit einer „Jetzt was fürs Herz“- Musik anmoderiert wird.  Wer trotzdem auf dem Konzert in Salem war, musste fest stellen: Milow ist mehr als ein knuffiger Belgier ohne Haare und mit Gitarre. Er ist einer der besten Singer-/Songwriter im aktuellen Popbusiness, der sich erfrischenderweise nicht darum schert, den Trends seines Genres hinterherzurennen und einfach an seinem eigenen Stil feilt. 



Vor allem aber passte die Musik von Milow zur Atmosphäre am Salemer Schloss. In royaler Umgebung erwartet man ja auch keine E-Gitarren und grölende Rocker. Man erwartet sanftes. Leichtes. Nachdenkliches. Und das kann Milow. Seine Melodien sind eingängig, aber nicht einfältig. Die Texte sind nachdenklich, manchmal melancholisch, aber nie depressiv. Songs wie „Cowboys Pirates Musketeers“ und dessen Kindheitserinnerungen an den Sommer  harmonierten mit  den 25 Grad auf dem Schlossplatz.  Mit Gitarrist und Tom Vanstiphout wurde es beim Intro zu „she might be“ schneller und tanzbarer, zu „We must be crazy“ leuchteten neben den Smartphones auch die Wunderkerzen. Auch Milow selbst machte noch ein Foto vom Salemer Publikum, das nicht nur die musikalischen Kompetenzen des Belgiers schätzte. Eine Besucherin formulierte es beim letzten Song des Abends, dem 50-Cent-Cover „Ayo Technology“, so: „Den Honig, der ihm in dem Video dazu von der Backe läuft, hätte ich auch gerne abgeleckt.“



 

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Open-Air-Konzerte auf Schloss Salem: Lionel Richie, Pink und James Blunt - sie alle waren bereits auf Schloss Salem zu sehen. 2016 stehen Simply Red, Cro, Rolando Villazon und die amerikanische Folk-Sängerin Joan Baez auf der Bühne des Salem Open Air. Alle Berichte und Bilder zu den Open-Air-Konzerten auf Schloss Salem im SÜDKURIER-Themenpaket.
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