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Salem Neujahrsempfang kommt einer Liebeserklärung an Salem gleich

Bürgermeister Manfred Härle verweist auf Wachstumspotenzial in der Gemeinde. Und darauf, dass trotz Investitionen in die Neue Mitte Salem schuldenfrei bleibe.

Trotz tief verschneiter Straßen und Gehwege kamen am Sonntag Vormittag mehr als 500 Bürgerinnen und Bürger zum Neujahrsempfang von Bürgermeister Manfred Härle in den Prinz-Max-Saal nach Neufrach. In einer über einstündigen Ansprache gab er einen umfassenden Überblick über die vielen Dinge, die im vergangenen Jahr gelaufen sind, und über die Vorhaben, die 2016 auf der Agenda stehen.

Hinter den Salemern liegt ein insgesamt sehr schönes Jahr mit etlichen gesellschaftlichen und kulturellen Höhepunkten. Es war aber auch gepflastert mit kommunalpolitischen Weichenstellungen und der Realisierung zukunftsgerichteter Vorhaben. Der bunte Bilderrückblick, der während Härles Rede über die Leinwand lief, vermittelte das Bild von einer liebens- und lebenswerten Gemeinde. Dazu passte die Melodie „Perdido“, ein Liebeslied, mit dem die Musikschullehrercombo unter Leitung von Hans-Peter Tress den Neujahrsempfang eröffnete.

Als Bürgermeister Härle in seinem neuen Vollbart-Look ans Rednerpult trat, rieb sich so mancher Salemer erst einmal die Augen. Auch Härles Kreistagskollege, Frickingens Alt-Bürgermeister Joachim Böttinger, ist die sprießende Barttracht nicht entgangen. „Die Konkurrenz schläft nicht“, flüsterte Böttinger, selbst Vollbartträger, seinem Nebensitzer Peter Allgaier, Härles Amtsvorgänger, schmunzelnd ins Ohr. Unter den Gästen befand sich auch Salems allererster Bürgermeister Werner Kesenheimer. Weiter begrüßte Härle Prinz Michael von Baden, Vertreter der Schulen und der Kirchen sowie vier Landtagskandidaten des Bodenseekreises, Martin Hahn (Grüne), Susanne Schwaderer (CDU), Dieter Stauber (SPD) und Klaus Hoher (FDP). An sie gerichtet, sagte Härle: „Ich würde mir wünschen, Sie würden alle in den Landtag einziehen.“ Dann wäre der Bodenseekreis gut vertreten.

Eingangs seiner Rede warf Härle kurz einen Blick auf die „große Politik“ mit ihren zahlreichen Herausforderungen, erklärte dann jedoch: „Ich möchte heute aber den Fokus nicht auf die Bundes- und Landespolitik, sondern auf die Kommunalpolitik richten.“ Dann widmete er rund 20 Minuten seiner Rede dem Flüchtlingsthema, das alle drei Politikebenen berührt.

Kommunalpolitisch konnte Härle sowohl im Rückblick als auch mit seinem Ausblick mit einigen Pfunden aufwarten. Er erinnerte an die nahezu vollendete Ortskernsanierung des Teilorts Beuren, an die Anlegung eines neuen Spielplatzes in Tüfingen und an die Ansiedlung neuer Betriebe im Neufracher Gewerbegebiet.

„Salem ist eine Gemeinde mit Wachstumspotenzial“, erklärte Härle und verwies darauf, dass die Gemeinde kurz vor dem Jahreswechsel noch weitere zehn Hektar zur Weiterentwicklung des Neufracher Gewerbegebiets Ost erworben hat. Aber auch neue Wohnbauflächen (in Stefansfeld, in Neufrach und in der Neuen Mitte) sind im Werden. Bis 2030 rechne der Regionalverband, ohne Flüchtlinge, in Salem mit einem Bevölkerungszuwachs von rund 1400 Einwohnern. Als größtes Vorhaben des kommenden Jahres nannte Härle die Neue Mitte. Beifall erhielt er für seine Zusicherung, dass die Gemeinde trotz dieser hohen Investitionen schuldenfrei bleiben werde.

 

Bürgermeister Manfred Härle zur Flüchtlingsthematik: „Vor dieser Aufgabe dürfen wir uns nicht wegducken“

In der Neujahrsansprache von Bürgermeister Manfred Härle nahm das Flüchtlingsthema viel Raum ein. Damit begann und schloss er seine Rede. „Während EU-Nehmerländer wie Ungarn ihre Grenzen dicht machen und Polen die Aufnahme von Flüchtlingen verweigert, versuchen wir den notleidenden und bedürftigen Menschen zu helfen.“ Der Flüchtlingsstrom bedeute aber auch eine immense Herausforderung für alle.

Im Weiteren ging Härle auch auf die Flüchtlingssituation in Salem ein. Aktuell seien in der Gemeinde 103 Flüchtlinge registriert und gemeldet. Nach wie vor ist es Härles erklärtes Ziel, die zugewiesenen Asylbewerber möglichst dezentral und in kleineren Einheiten unterzubringen. Eine Bereitstellung von Sporthallen oder Dorfgemeinschaftshäusern schließt Härle zum augenblicklichen Zeitpunkt aus. Allerdings komme die Gemeinde nun an ihre Kapazitätsgrenze, räumte Härle ein. Der Wohnungsmarkt sei leergefegt, und eine Entspannung der Flüchtlingsströme sei nicht in Sicht. Ein Unterbringungsproblem sieht Härle vor allem dann heraufziehen, wenn anerkannte Asylbewerber nach noch geltender Gesetzeslage ihre Familienangehörigen nachholen. Damit erhöhe sich die Anzahl der Flüchtlinge um den Faktor drei bis vier. „Ich weiß nicht, woher wir den dafür erforderlichen Wohnraum dann noch nehmen sollen“, sagte Härle und fügte hinzu: „Ganz zu schweigen von den Problemen bei der Integration dieser Menschen in den Arbeitsmarkt, in unser Bildungs- und Rechtssystem, das den Flüchtlingen ja völlig fremd ist.“

Am Ende seiner Rede gab Härle den Besuchern des Neujahrsempfangs aber auch mit, die gegebene Herausforderung anzunehmen. Denn es sei unser aller Aufgabe, diesen Menschen, die aus einer völlig anderen Kultur kämen und denen unsere Lebensweise und Sprache fremd seien, in unsere Gesellschaft zu integrieren. „Vor dieser Aufgabe dürfen wir uns nicht wegducken“, betonte Härle und dankte dabei dem ehrenamtlichen Helferkreis, den Kirchengemeinden, den Vereinen und allen jenen stillen Helfern, die sich um die Flüchtlinge kümmern. (er)

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