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Salem Mehr als 7200 „Helden für Lucas“

Die genaue Zahl der Menschen, die sich in Salem am Sonntag typisieren lassen, steht noch nicht fest. Die Zahl überwältigt und berührt die Helfer allerdings zutiefst, es sind Tausende.

"Solche Massen nicht erwartet"

Eine beeindruckend große Zahl an Menschen stellte sich gestern in Salem an, um sich für Lucas und letztlich viele andere Leukämiekranke typisieren zu lassen.
Eine beeindruckend große Zahl an Menschen stellte sich gestern in Salem an, um sich für Lucas und letztlich viele andere Leukämiekranke typisieren zu lassen. | Bild: Bilder: Schober

Salem – Eine so überwältigende Hilfsbereitschaft für den an Leukämie erkrankten zweijährigen Lucas Tylla aus Salem-Mimmenhausen hätte keiner erwartet. Etwa 7200 Menschen beteiligten sich an der Typisierungsaktion, die die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) am Sonntag im Salemer Bildungszentrum durchführte, um für den todkranken Jungen einen geeigneten Stammzellspender zu finden.

Christof Tylla, Lucas' Vater, standen wieder einmal, wie so oft, seit er um den lebensbedrohlichen Gesundheitszustand seines Söhnchens weiß, die Tränen in den Augen. Doch gestern waren es Tränen der Freude und des Glücks. „Ich habe die halbe Nacht wach gelegen und gebetet, dass sich auch möglichst viele Leute an der Typisierungsaktion beteiligen mögen“, verriet er gestern dem SÜDKURIER gegenüber. „Dass es nun so viele geworden sind – ich kann's nicht fassen. Und ich möchte ihnen allen danke sagen – danke, danke, danke!“ Und nun hoffen alle, die sich so sehr ins Zeug gelegt haben, um die Typisierungsaktion zu organisieren, zu forcieren und zu Spenden aufzurufen, um die Aktion zu finanzieren, dass sich ein genetischer Zwilling findet, der mit seiner Stammzellspende Lucas' Leben retten kann.

Die Blutproben werden jetzt daraufhin untersucht, ob sich ein potenzieller Stammzellspender finden lässt, der Lucas Leben retten könnte. Mit einer so großen Resonanz auf den Aufruf, sich typisieren zu lassen, hatte niemand gerechnet. „Ich kann es nicht fassen“, sagte Lucas' Vater, Christof Tylla, gestern beim Anblick der vielen Menschen. Aus den Autokennzeichen zu schließen, kamen die Freiwilligen von weit über den Grenzen von Salem und des Bodenseekreises hinaus. „Eine so überwältigende Welle der Hilfsbereitschaft hätte auch ich nie und nimmer erwartet“, sagte Martina Wanner von der gemeinnützigen Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). An die 400 Helferinnen und Helfer, darunter viele Krankenschwestern, Arzthelferinnen und auch ein Stab von örtlichen Ärzten, haben dafür gesorgt, dass der Ansturm problemlos bewältigt werden konnte. Zu denen, die sich typisieren ließen, zählte auch der aus Salem stammende Ex-Handballweltmeister Markus Baur. Er hatte zusammen mit dem Salemer Bürgermeister Manfred Härle die Schirmherrschaft für die Aktion übernommen. Jede Blutprobe wird jetzt einer Laboruntersuchung unterzogen, auf der Suche nach einem geeigneten Stammzellspender. Bis die Ergebnisse vorliegen, dauert es etwa vier Wochen. Zur Finanzierung sind bisher über 100 000 Euro an Spenden eingegangen. Dieser Betrag reicht aber noch nicht aus. Wanner: „Wir sind auf weitere Spenden angewiesen.“

Offiziell war der Beginn der Typisierungsaktion auf zehn Uhr festgesetzt. Doch die Ersten, die sich das Blut abnehmen lassen wollten, standen schon um acht vor der Tür des Salemer Bildungszentrums. Allen voran die Narrengruppe „Seegrendl“ aus Friedrichshafen, die sich nicht nur typisieren ließ, ehe sie sich mit dem Bus nach Scheidegg zu einem Narrenumzug aufmachte, sondern gleich auch noch einen Spendenscheck über stattliche 5111,11 Euro mitbrachte. Auch andere Narrengruppen, darunter auch viele aus Salem, ließen sich vor den gestrigen Sonntagsumzügen noch schnell typisieren. Es gab keine Narrengruppe, die ohne eine Spende kam.

Auch viele der anderen Menschen, die sich gestern typisieren ließen, ließen sich nicht nur das Blut abnehmen, sondern legten auch gleich einen Fünfziger auf den Tisch. So viel kostet die Laboruntersuchung für jede einzelne Blutuntersuchung. Die gläserne Spendenbox war voll mit 50- und 20-Euro-Scheinen. Ein erklecklicher Betrag kam auch durch den Kuchen- und Kaffeeverkauf zusammen. Die über 100 Kuchen, die Frauen aus Salem gebacken hatten, waren schon am frühen Nachmittag verputzt. Die Jugendlichen der Handballspielgemeinschaft Mimmenhausen-Mühlhofen hatten ein Glücksrad aufgestellt und machten mit Eintrittsgutscheinen auf die Insel Mainau, zum Seepark Pfullendorf oder mit Freifahrscheinen für die Pfänderbahn Geld für die Typisierungsaktion locker. Die Touristiker aus dem Bodenseeraum haben Gutscheine im Wert von über 5000 Euro gespendet. Bis Freitagabend sind nach Angaben von Martina Wanner von der DKMS 100 000 Euro auf den Spendenkonten eingegangen.

„Ich würde alles wieder so machen“, sagte Lucas' Onkel Matthias Kaczmarek, der die Typisierungsaktion ins Laufen brachte. „Nur würde ich mich dann um eine größere Halle kümmern.“

Informationen, auch zur Anmeldung zur Typisierung:

www.helden-fuer-lucas.de

post@dkms.de

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