Salem -
Mit einem Trommelwirbel auf einem alten Ölfass stimmt Albrecht Fendrich in der Bibliothek des Salemer Schlosses auf die dritte Runde des internationalen Kunstprojekts „Salem2Salem“ ein. Fendrich ist bildender Künstler, macht aber auch Musik und verkörpert damit ideal die Idee des Projekts: grenzenloser Kulturaustausch – über Kontinente hinweg aber auch über künstlerische Sparten sowie sprachliche und kulturelle Barrieren.„Beim dritten Mal ist's Tradition“, meint lächelnd Joachim Kruschwitz, Erster Landesbeamter, der bei der Eröffnung den Landrat vertritt.
Bei der Eröffnung der dritten Auflage des internationalen Kunstprojekts „Salem2Salem“ sorgte etwa das Justin-Morrissey-Quartett (benannt nach Bandleader Justin Morrissey, links) für kulturübergreifende Unterhaltung.
Bild: Floetemeyer
Charisse Phillips, aus Frankfurt angereiste stellvertretende US-Generalkonsulin greift das sofort auf: „Es ist jetzt Tradition und wir müssen dafür sorgen, dass sie weitergeht.“ Sie ist begeistert von dem Kulturaustausch, dieser Form der „direkten Diplomatie“. Salem am Bodensee mit seiner „einzigartigen Strahlkraft“ ist auch dem Land Baden-Württemberg lieb und teuer, wie Cornelia Ruppert vom Finanzministerium bekräftigt. Rund 47 Millionen Euro werde das Land hier in den nächsten 20 Jahren investieren. Schon die Wirkung der Zisterzienser, die Salem gründeten, habe weit über die Region hinausgereicht. „In diesem Kontext sehen wir Salem, als Ort der Begegnung.“
Stefan Feucht, Leiter des Kulturamts Bodenseekreis, stellt den Katalog zu den ersten Begegnungen des „Salem2Salem“-Projekts 2010 und 2011 vor. Er erinnert an die Anfänge des Projekts 2009, als eine Delegation der amerikanischen Künstlervereinigung Salem Art Works erstmals den Bodensee besuchte, 2010 trafen sich 36 Künstler im deutschen Salem, 2011, schwärmt Feucht, arbeiteten 24 Leute in den Scheunen einer Farm bei Salem, New York. Von Anfang an seien die Musiker eine treibende Kraft gewesen. Und für den Sound des international besetzten Justin-Morissey-Quartetts, das bei der Eröffnung spielt, ist auch keine Übersetzungshilfe nötig. „Feels like home“, heißt eines ihrer Stücke, man fühlt sich eben wie daheim. Uli Kieckbusch hat einen neuen „Salem2Salem“-Song komponiert. „Ich weiß jetzt was passiert, wenn das Salemer Schlossgespenst den New Yorker Blues trifft“, scherzt Feucht.
Anthony Cafritz wiederum, Direktor von Salem Art Works, die treibende Kraft auf US-Seite, zieht Feucht ein bisschen auf: „Wir haben Scheunen, ihr habt Schlösser.“ Cafritz hat dem Kulturamt einen Scheck über 20 000 Dollar, gestiftet von Barbara und Bill Carris, mitgebracht.
Dass das Geld für das Projekt gut angelegt ist, beweist auch die Lesung teilnehmender Künstler: Katrin Seglitz aus Ravensburg grübelt humorvoll über deutsch-englische Sprachprobleme. Wie etwa übersetzt man „Heilandsak“? Alice Duncan stellt den deutsch-amerikanischen Maler Rufus Grider vor. Philipp Schönthaler fährt mit den Besuchern literarisch per Schwarzwaldbahn an den Bodensee. Jürgen Weing überlegt: „Was haben die Künstler gemeinsam?“ – „Gemeinsame Mahlzeiten!“ Und so serviert er ein dadaistisches „Frühes Stück.“
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