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Salem Haben ranghöhere Männchen mehr Liebhaberinnen?

28.08.2012
Salem -  Am Affenberg Salem weiß keiner genau, welcher Affenvater zu welchen Affenkindern gehört. Das soll sich ändern: Bei einer Studie des Primatenzentrums Göttingen werden die Genproben der 200 Berberaffen getestet. Sowohl der Park als auch das Forschungsinstitut erhoffen sich Erkenntnisse über das Paarungsverhalten der Primaten.

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Haben die ranghohen Männchen der Berberaffen am Affenberg Salem mehr Nachwuchs als die unterlegenen? Oder nützen ihnen ihre Privilegien bei den Damen am Ende doch nichts? Um diese und weitere Fragen zu klären, kooperiert der Park für eine Studie mit dem Deutschen Primatenzentrum Göttingen (Niedersachsen). Die Gene von allen 200 Salemer Affen werden derzeit untersucht und untereinander verglichen. Somit kann festgestellt werden, welche Affenväter zu welchen Affenkindern gehören. 

Für Parkleiter Roland Hilgartner und seine Mitarbeiter ist die Frage nach der Vaterschaft äußerst spannend: „Wir kennen bislang nur die mütterliche Linie des Stammbaums, über die väterliche können wir nur anhand von Ähnlichkeiten spekulieren. Die Männchen sind nicht wählerisch und paaren sich mit mehreren Weibchen. Deshalb ist die Vaterschaft bislang unbekannt.“ Zwar gab es in den achtziger Jahren eine ähnliche Studie am Affenberg, damals allerdings nur mit den Jungtieren zweier Geburtssaisons. Mit der Analyse aller 200 Tiere ließe sich nun erstmals über eine Lebensspanne – rund 30 Jahre – nachvollziehen, wer zu wem gehört. Mit dem längeren Zeitraum erhöhe sich auch die Chance, Muster im Paarungsverhalten besser zu erkennen.

In diesem Zusammenhang hofft Hilgartner darauf, einer Feststellung aus der früheren Studie zu klären: „Damals hatte sich gezeigt, dass rangniedrige Männchen ebenso zum Zug kamen wie die ranghöheren und die Vaterschaften verteilt waren. Doch warum sollten sich die Männchen den Stress antun?“ Ranghohe Affenmänner stünden nämlich nachweislich mehr unter Stress als ihre unterlegenen Artgenossen. Die diesjährige Studie könnte zeigen, ob sich mit einem längeren Analysezeitraum die Feststellung bestätigt oder nicht. Ebenso interessiert den Parkleiter, ob ältere Männchen in der Paarungszeit im Herbst und frühen Winter „noch mitmischen“. „In der größten unserer drei Gruppen lebt der ehemalige Chef, er ist 21 Jahre alt. Es ist spannend, ob er noch immer Kinder zeugt“. meint Hilgartner.


Über Jahre wurden Proben gesammelt

Die vergangenen drei bis vier Jahre lang haben die Mitarbeiter des Affenbergs Kotproben für die Genetikanalyse gesammelt. „Manchmal mussten wir ein Tier tagelang im Auge behalten und dann im richtigen Moment hinterher rennen“, erzählt Hilgartner. Die gesamten 200 Proben werden derzeit im Primatenzentrum ausgewertet, die Laborarbeit ist bereits abgeschlossen. Die Gensequenzen miteinander zu vergleichen und die Väter zu ihren Kindern richtig zuzuordnen, beschreibt der Salemer Parkleiter als Puzzlespiel.

Für die Teilnahme an der Studie des Primatenzentrums Göttingen zahlt der Affenberg nichts. „Wir haben die Proben gesammelt und die Möglichkeit geboten, dieses Forschungsprojekt mit 200 Affen durchzuführen. In freier Wildbahn wäre diese Zahl utopisch“, sagt Hilgartner. Zudem seien Veröffentlichungen von Studienergebnissen in Fachzeitschriften „bares Geld wert“.

Ergebnisse erst in einigen Monaten

Der Salemer Park profitiert ebenso von der Ergebnissen. Hilgartner: „Wir legen großen Wert darauf, wissenschaftlich belegte Informationen aus solchen Forschungen an unsere Besucher weiterzugeben.“ Die Erkenntnisse der Studie könnten außerdem helfen, den Bestand der wildlebenden Affen in Nordafrika wieder zu stärken, denn die Population in freier Wildbahn gehe dramatisch zurück. Der Affenbergchef weiß: „Unsere Affen sind verhaltensähnlich zu ihren Artgenossen in Marokko oder Algerien, denn wir haben die weltweit größte Reserve auswilderungsfähiger Berberaffen. Die Ergebnisse der Studie sprechen somit auch für die Wildlebenden.“ Bis die Analyse der 200 Salemer Berberaffen-Genproben abgeschlossen ist, werden allerdings noch einige Monate vergehen. „Die Ergebnisse erhalten wir dann en bloc“, sagt Hilgarnter.
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