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Salem "Das Denken ist ausgestorben"

26.06.2008
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Näher am Himalajagebirge als an seinem Schulort Salem und dem Bodensee hat Jonas Rosenbrück, Elftklässler an der Schule Schloss Salem, einen Text verfasst, der ihm einen ersten Preis eingebracht hat. In Indien stieß er beim Surfen im Internet zufällig auf den Wettbewerb "Deutschland 2020: Geschrumpft?!" des Bundesverbands junger Medienmacher.

Salem - Im Rahmen eines Schüleraustauschs hielt sich Jonas, einer der beiden Schulsprecher in Salem, im März/April für sechs Wochen an der The Doon School, dem besten Internat in Indien, auf. Wie Jonas seinen Wechsel nach Salem vor knapp zwei Jahren als "Herausforderung" ansah, so nennt er den "Aufenthalt in Indien eine tolle Erfahrung mit dem Leben in einer anderen Kultur, spannend und bereichernd." Mit Wirtschaft und Politik beschreibt er seine persönliche berufliche Zukunft. Dazu passte der Wettbewerbstitel zur Zukunftsvision im Zusammenleben von jungen und älteren Menschen im Jahr 2020. Das Thema reizte Jonas: "Ich bin Journalist für eine große Tageszeitung aus dem Süden des Landes, seit dem 1.2.2020", steigt er mit der Selbstvorstellung ein. Nach ersten Erfahrungen im Beruf stieß er "vorgestern" auf eine Wettbewerbsausschreibung des Journalisten-Verbands zum Thema "Deutschland im Jahr 2071". Der heute 17-Jährige wird dann 80 sein, kann aber "so viele Ansätze von dem Geschriebenen schon jetzt im Jahre 2020 erkennen" und stellt die Frage: "Was ist, wenn es wirklich so kommt?" In acht Szenen lernt der Leser die Welt von Young, dem 27-jährigen "Hochleister", und daneben die des 80-jährigen ehemaligen Geschichtslehrers Altenhohenwürt kennen. Young, bestens gekleidet,gegeltes Haar, großrahmige, schwarze Brille. Im Hochleisterarbeitskomplex wünscht man sich "einen produktiven, guten Morgen!" und taxiert die Mitmenschen nach ihrem Rang in der Wertschöpfungsskala. Young selbst ist CEO bei "SeniorFood" ohne persönlichen Kontakt zu einem Senior: "Die Senioren tauchen in meinen Gedanken nur als Zahlenkolonnen auf."

Das Leben im "Ort des Alters G3" macht "Altenhohenwürt" krank. Kein Weimar oder Dresden mehr, dafür "Orte des Alters", wie die Zentralregierung definiert. Die Zifferkategorie weist auf die finanzielle Kapazität hin. "Alles wird nummeriert oder mit grässlichen Namen bezeichnet. Das Denken ist ausgestorben."

"Alles begann mit der Globalisierung 2009: Nach dem Zusammenbruch der Finanzsysteme drohte der Kapitalismus seine eigenen Kinder aufzufressen. Daher musste alles wegrationalisiert werden, was nicht effizient genug war. Es begann sich eine Elite herauszubilden, die vollkommen den Kontakt zum Rest der Gesellschaft verloren hatte und für die Gewinnmaximierung der Lebensinhalt war", schreibt Jonas. "Es macht mir Angst", so der junge Journalist, "es könnte wirklich so kommen, vielleicht nur in Teilen, vielleicht in anderer Form. Es erscheint mir aus der Sicht des Jahres 2020 so realistisch" Altenhohenwürt blieb als Ausweg nur der Suizid. Jonas Rosenbrück aber fasst zusammen: "Ich weiß nur, dass es nicht so sein soll. Wir sollten uns daran machen, unsere Zukunft zu gestalten."

Der preisgekrönte Text im Internet:

www.suedkurier.de/rosenbrueck

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