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Haslachmühle Wenn Hände eine Geschichte erzählen

25.03.2009
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Menschen mit Hör-Sprachbehinderung und zusätzlicher geistiger Behinderung brauchen eine intensive und spezielle Förderung im Bereich der Kommunikation. Rund 150 Pädagogen und Therapeuten aus Süddeutschland und dem benachbarten Ausland haben sich beim Fachtag der Zieglerschen Behindertenhilfe in der Haslachmühle bei Horgenzell zum Thema „Mit Gebärden kommunizieren“ in Vorträgen und Workshops umfassend informiert.

Haslachmühle – Gebärdensprachen unterscheiden sich – ganz wie gesprochene Sprachen auch – von Land zu Land. Auch im deutschsprachigen Raum und in Deutschland selbst gibt es Unterschiede. Und dann, so beklagte sich Christa aus Ludwigsburg zu Beginn der Workshops, tauchen da auch noch in der Neuauflage des Nachschlagewerks „Schau doch meine Hände an“ plötzlich veränderte Gebärden auf, die die alten, gewohnten ablösen sollen.

Petra Bongartz-Demelt, Sonderschullehrerin und Leiterin des Schulkindergartens Haslachmühle der Zieglerschen Behindertenhilfe, machte deutlich, dass Angleichungen der vereinfachten Gebärdensprache in Deutschland immer wieder angestrebt werden. Und Menschen, die mit Mühe die, alten‘ Gebärden gelernt hätten, würden selbstverständlich auch nicht mehr „umerzogen“. Fast ein bisschen so wie bei der Rechtschreibreform. „Unsere Kinder bekommen natürlich die neuen Gebärden beigebracht“, sagte Petra Bongartz-Demelt, die gemeinsam mit Erzieherin Roswitha Österle einen von 13 Workshops des von Dorothea Christ (Leiterin der Beratungsstelle) und Pit Niermann (Direktor der Heimsonderschule) organisierten Fachtags „Unterstützte Kommunikation“ leitete.

„Unsere Kinder“ – das sind Mädchen und Buben des Schulkindergartens der Heimsonderschule Haslachmühle, die in enger Kooperation mit Regelkindergartengruppen in Wilhelmsdorf (Kindergarten Friedensstraße), Altshausen (Kindergarten S. Ulrika) und Ravensburg (Johannes-Kindergarten) integrativ betreut werden. „Dabei geben wir den Kindern die nötige Förderung und ermöglichen ihnen gleichzeitig den Kontakt zu Gleichaltrigen ohne Behinderung“, erläuterte Roswitha Österle das Konzept.

Einen Einblick in Methodik und Didaktik dieser Arbeit bot der Workshop „Ich bin da und du bist da“. 17 Frauen und ein Mann konnten ganz praktische Erfahrungen mit Gebärdenkommunikation sammeln und sich mit der Fragestellung auseinandersetzen: Wie können sich Kinder, die über kaum oder eine nur schwer verständliche Lautsprache verfügen, im gemeinsamen Spiel ihre Bedürfnisse äußern und verstanden werden? Da musste ein Handzeichen gesucht werden, das einen persönlich kennzeichnet, da wurden mit Hilfe von Gebärdenbüchern Bildergeschichten und Lieder dargestellt oder Präpositionen erläutert – stets gesprochen, aber mit Gebärden visualisiert.

Und immer wieder wird – neben den Unterschiedlichkeiten der Gesten – auch das Tempo, wie Gebärden gezeigt oder vermittelt werden, thematisiert. „Wir sollten die Gebärden langsam anbieten, damit sie die Kinder auch verstehen“, sagte eine Workshop-Teilnehmerin aus Mühlhausen-Ehingen. Was zum einen Sinn macht, beispielsweise bei Gebeten, zum anderen aber auch die Schüler selbst entscheiden. „Die Kinder geben das Tempo vor“, weiß Roswitha Österle aus der Praxis und ihre Kollegin Petra Bongartz-Demelt ergänzt: „Jedes Kind hat seine individuelle Ausführungsweise.“ Eben ganz wie bei gesprochenen Mitteilungen auch.

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