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Ravensburg Verein Kwizera: Kleine Kredite für Weg aus der Armut

Katrin Mugisha und ihr Verein Kwizera organisieren Mikrokredite für Frauen in Ruanda. Die Hilfe zur Selbsthilfe setzt nachhaltige Impulse.

Ruanda ist das dicht besiedeltste Land in Afrika, heutzutage aber nur selten in den Schlagzeilen. Besucher kommen meist wegen der vom Aussterben bedrohten Berggorillas, deren Rettung sich einst die Zoologin Diana Fossey widmete. Sigourney Weaver spielte später die Hauptrolle im mehrfach Oskar nominierten Film „Gorillas im Nebel.“ Sechs Jahre später blickte die Welt aber mit Erschrecken auf das kleine Land in Ostafrika. Rund eine Million Menschen fielen dem brutalen Völkermord an den Tutsi zum Opfer, bis heute sind viele Überlebende durch die grausamen Massaker traumatisiert. Immerhin: Auch wenn es zwischen Hutu und Tutsi bis heute Misstrauen gibt, politisch ist das Land stabil, Korruption wird hart bestraft und Bemühungen wie ein gebührenfreies Schulsystem unterscheiden Ruanda von anderen afrikanischen Ländern. Besonders interessant ist die Tatsache, dass rund 90 Prozent der Bevölkerung krankenversichert sind. Dieser Service kostet pro Jahr und Person nur 4 Euro.

Die positiven Impulse in Ruanda hat die in Horgenzell lebende Pharmaingenieurin Kathrin Mugisha bei einer Weltreise im Jahr 2009 sehr beeindruckt. „Ein Jahr später bin ich dann nochmals dorthin geflogen, ich war irgendwie fasziniert“, berichtet sie. Im Gepäck hatte sie viele Ideen und den Entschluss, einen Verein zur Unterstützung von Frauen in ruandischen Dörfern zu gründen.

Hilfe, sich selbst zu helfen

Kathrin Mugisha wollte allerdings nicht nur Spendengelder verteilen, sie wollte den Menschen helfen, eigene Strukturen aufzubauen. Dass sie ihren Verein Kwizera benannte – dieses Wort steht in der Landessprache für Hoffnung, Glaube und Selbstvertrauen – war mehr als Symbolik. In Entwicklungshilfeprojekten gelten so genannte Mikrokredite als probates Mittel zur Selbsthilfe. Bei Kwizera können Frauen sich mit einer Geschäftsidee für einen Kredit bewerben. Zusammen mit der vor Ort tätigen Studentenorganisation RVCP werden die Kredite dann vermittelt. Meist wird mit Beträgen zwischen 30 und 50 Euro gestartet, der Zinssatz liegt unabhängig von der Laufzeit bei zehn Prozent. Was zunächst hoch klingt, hat einen wichtigen Hintergrund. Die klaren Modalitäten fördern Zahlungsmoral und Selbstdisziplin, zudem kommen die Zinseinnahmen auf ein Gruppenkonto, dessen Inhalt für Investitionen wieder ausgeschüttet wird. Nimmt man als Maßstab, dass man für nur 5 Euro eine Ziege oder ein Schwein beschaffen und damit einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb gründen kann, haben die Frauen eine solide Grundlage. Mit den erwirtschafteten Einkünften lassen sich Krankenversicherungen, Medikamente und Kleidung bezahlen.

„Sie müssen nicht mehr betteln und können auch mal Dinge wie Salz oder Seife kaufen“, berichtet Kathrin Mugisha und ergänzt: „Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, aber auch Unternehmergeist werden spürbar gestärkt.“ 75 Frauen haben bereits einen oder mehrere Kredite erhalten, 4900 Euro wurden ausgeschüttet. In fünf Jahren konnten lediglich zwei Frauen ihren Kredit nicht zurückzahlen, weil sie in eine Notsituation gerieten. Gut kann sich Katrin Mugisha an eine Frau erinnern, die in der schwersten Zeit des Landes Opfer einer Massenvergewaltigung wurde. „Sie war unsere Powerfrau voller Elan, doch dann hat sie die Vergangenheit doch leider eingeholt.“ Zum Hilfsangebot von Kwizera gehört daher auch, in solchen Fällen eine Traumatherapie zu vermitteln.

Die Mittel für die Kredite sammelt der Verein durch Spenden und Verkäufe von Post- und Grußkarten sowie Selbstgebasteltem. Auch auf Weihnachts- und Flohmärkten waren Kathrin Mugisha und ihr Team zuletzt im Einsatz. Kurz vor dem Jahreswechsel ist sie mit ihrer Schwester und deren Freundin wieder nach Ruanda geflogen, um sich ein aktuelles Bild in den drei beteiligten Dörfern zu machen. Dabei möchten sie prüfen, ob die neue Idee einer kleinen Nähschule realisiert werden kann. Sollte das klappen, möchte der Verein die Kleidungsstücke dann für einen fairen Preis erwerben und hier in der Region verkaufen.

 

Der Verein

Der Verein wurde 2010 gegründet und finanziert die Vergabe von Mikrokrediten an Frauen in derzeit drei Dörfern im ostafrikanischen Ruanda. Mit dem Darlehen können sich Frauen ein eigenes Standbein schaffen, beispielsweise durch die Beschaffung und Haltung von Nutztieren. Mit den Einnahmen des eigenen kleinen Betriebes können die Frauen eigenverantwortlich ihren Lebensunterhalt bestreiten und fördern mit ihrem Unternehmertum das Selbstvertrauen von sich und ihrer Familie. Fast 5000 Euro wurden bereits an 149 Frauen verliehen, anfangs starten die Kredite in der Regel mit 50 Euro. Neben Spenden erzielt der Verein auch Einnahmen aus dem Verkauf von Post- und Grußkarten sowie selbst gebastelten Produkten auf Weihnachts- und Flohmärkten. Spendenkonto: Kwizera e.V., IBAN: DE45 4306 0967 7030 5926 00, GLS-Bank.

Informationen im Internet: www.kwizera.de

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