Ravensburg Prozess-Marathon gegen Kopf der „Rentner-Gang“

Ein 61-Jähriger steht ab Dienstag vor dem Landgericht Ravensburg. Dem Mann wird Anlagebetrug vorgeworfen. Die Schadenssumme soll mehrere Millionen Euro betragen.

Die Millionen sind futsch. Mehr als 200 gutgläubige und naive Anleger sind geprellt worden. Der 61-jährige Kopf der so genannten "Rentner-Gang" aus dem nördlichen Oberschwaben steht ab Dienstag vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Ravensburg. Der Vorwurf lautet lapidar auf Betrug. Für das Verfahren gibt es 19 Termine bis in den Oktober hinein. Es wäre der längste und aufwändigste Prozess der vergangenen Jahre.

Bereits zweimal sollte dem Angeklagten 2013 und 2014 der Prozess wegen Anlagebetrugs gemacht werden. Aber der Anwalt des Mannes entschuldigte seinen Mandanten wegen Krankheit und „körperlicher Einschränkungen“. Die Ravensburger Staatsanwaltschaft erwirkte daraufhin einen internationalen Haftbefehl und im März dieses Jahres wurde der Gesuchte auf dem Prager Flughafen bei der Einreise aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew festgenommen und sitzt seitdem in der Justizvollzugsanstalt Hinzistobel in Ravensburg. Wie finanziell klamm der Angeklagte mittlerweile sein muss, zeigt sich auch daran: Beschäftigte er früher renommierte Anwälte, wurde ihm jetzt ein aus der Staatskasse bezahlter Pflichtverteidiger zugeteilt, der Ravensburger Richard Glaubach, ein erfahrener Strafverteidiger.

Zu den Tatvorwürfen erklärte die Erste Staatsanwältin Christine Weiss in einem Interview mit dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net: „Das sind lauter Anlagebetrügereien. Der hat Geld eingesammelt mit dem Versprechen, mehr daraus zu machen. Dann war es halt weg.“

Die Schadenssumme soll mehrere Millionen Euro betragen. Den Anlegern aus ganz Deutschland soll der Angeklagte in den Jahren von 2003 bis 2005 garantierte Renditen von 2,4 bis 5 Prozent pro Tag und eine Verdopplung ihres Kapitals innerhalb von drei Monaten versprochen haben: Die Rückzahlung werde vertraglich zugesagt. So sammelte der Mann von den Anlegern Beträge im vier- bis sechsstelligen Bereich ein. Firmen mit Phantasienamen im In- und Ausland wurden benutzt.

Der Fall hat das Landgericht Ravensburg bereits vor zwei Jahren beschäftigt. Damals wurde gegen drei Senioren und eine Seniorin im Alter zwischen 60 und 78 Jahren wegen Anlagebetrugs und Beihilfe in mehr als 200 Fällen verhandelt. Der jetzt in Prag Festgenommene aber fehlte. Die von Medien plakativ als „Rentner-Gang“ bezeichneten Mitangeklagten legten damals Geständnisse ab und wurden zu Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt. Zur Entschuldigung sagte die fast 80-jährige Mitangeklagte, sie habe gegen ihr „Bauchgefühl“ gehandelt.

Ob es in dem am Dienstag beginnenden Prozess zu einem Geständnis und abgekürzten Verfahren kommt, ist völlig offen. „Es wird wohl zunächst weitschweifige Erklärungen geben“, war zu hören. Elf Zeugen sollen zum Fall aussagen.

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