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19.02.2013  |  von  |  0 Kommentare

Ravensburg/Langenargen Mordfall Peter Hilber: So verlief der erste Prozesstag

Ravensburg/Langenargen -  Vor der 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg hat am Dienstag der Mordprozess gegen Tanja B., die Ehefrau des im April 2012 ermordeten Peter Hilber, und ihren Geliebten begonnen. Lesen Sie im Live-Ticker nach, wie der erste Verhandlungstag verlaufen ist.

Der Mordfall Peter Hilber wird ab dem 19. Februar am Landgericht Ravensburg verhandelt.  Bild: Santini/Montage: Pavlicek



Peter Hilber (40) wurde am 20. oder 21. April 2012 zunächst betäubt. Dann zertrümmerte man ihm mit 14 Schlägen den Schädel und erdrosselte den Schwerverletzten. Zwei Tage später entdeckte ein Polizist die fast nackte Leiche Hilbers, in den Abgrund geworfen wie Müll, in einem Geröllfeld neben der Alpenstraße, die von Pfunds in Tirol nach Samnaun führt. Am Dienstag hat vor der 1. Großen Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg unter Vorsitz von Richter Jürgen Hutterer der Prozess gegen Tanja B. (39), die Ehefrau des Ermordeten, und deren Geliebten Christoph M. (43) begonnen.

Mordfall Peter Hilber: Der Prozessauftakt im Live-Ticker

++ 16.23 Uhr ++ Der Vorsitzende Richter beendet den Verhandlungstag. Am Freitag, 22. Februar, geht es weiter. Dann werden die Polizeibeamten gehört, die die Angeklagten im Laufe der Ermittlungen vernommen haben. Die Zuschauer verlassen den Raum. Tanja B. und Christoph M. werden abgeführt.


++ 16.15 Uhr ++ Der Verteidiger des Angeklagten, Gerd Prokop, stellt erste Fragen an den Zeugen. Er erkundigt sich nach einer Skypenachricht, die sein Mandant an Tanja B. geschickt haben soll: "Habe alles erledigt und bekommen. Habe PH dabei und fahre nach A." Nach heutigen Vermutungen der Kriminalpolizei handelt es sich bei PH um Peter Hilber. Weiter befragt er den Zeugen unter anderem nach den Maßen der angeblichen Transportkiste. Dies hat zuvor auch der Anwalt der Angeklagten getan. Die Kiste sei mit Malervlies ausgelegt gewesen. Eine Untersuchung, ob sich Vlies-Spuren am Körper des Toten befanden, steht noch aus.


++ 16 Uhr ++ Die Verhandlung geht weiter. Die Zuschauerreihen haben sich inzwischen überwiegend geleert. Die Richter und Schöffinnen sind weiterhin aufmerksam bei der Sache. Das Wort hat jetzt Staatsanwalt Hussels.


++ 15.35 Uhr ++ Eine ehemalige Bekannte des Angeklagten hat ihn im Rahmen der Vernehmungen als "Lügenbaron von Münchhausen" bezeichnet. Bei einer Befragung zu einer Autofahrt hat er angegeben, 50 Kilometer gefahren zu sein. Anhand einer Tankfüllung ist klar: Es fehlen mehrere hundert Kilometer. Das Gericht macht eine kurze Pause.


++ 15.20 Uhr ++ Der Angeklagte Christoph M. wird verdächtigt, eine Holzkiste gefertigt zu haben, in der Peter Hilber nach Tirol gebracht wurde. In einem Zimmereibetrieb wurde er dem Leiter der Ermittlungen zufolge dabei beobachtet, wie er eine solche Kiste herstellte. Die Kriminalpolizei ließ die Kiste von dem Unternehmen aus der Erinnerung heraus nachbauen. In einem Experiment fanden die Beamten heraus, dass ein großer Mensch problemlos in eine solche Kiste passt. Ein Video von diesem Experiment wurde dem Gericht übergeben. Die Kiste des Angeklagten wurde bislang nicht gefunden. Weiter ist die Rede von Internetrecherchen des Angeklagten und vermeintlichen Sichtungen des Vermissten Peter Hilber. Bei letzteren habe es sich um Verwechselungen gehandelt.


++ 14.55 Uhr ++ Das Lumineszenzverfahren, das Blutspuren sichtbar machen kann, brachte die Ferienwohnung in Langenargen als Tatort ins Spiel. Es handelte sich um Blut von Peter Hilber, so der Kriminalbeamte. 14 Mal wurde mit einem Gegenstand auf Hilber eingeschlagen. Es seien Abwehrspuren an einer Hand festgestellt worden. Die Beamten vermuten in Langenargen "den Anfang der Tat". Denn es gibt Verletzungen, die sich der Getötete laut Obduktionsbericht nicht am Auffindeort zugezogen haben kann. Für die Ermittlungen haben Kollegen aus Deutschland, Italien und Österreich zusammen gearbeitet.


++ 14.48 Uhr ++ Insgesamt 600 Seiten Skypeprotokolle wurden im Zuge der Ermittlungen untersucht, außerdem ein Geschäftscomputer und ein privater PC des Angeklagten. "Nur, wenn er tot ist, haben wir Ruhe", verliest Richter Hutterer aus der Ermittlungsakte.


++ 14.45 Uhr ++ "Es gab Bilder und Videos, die unsere Aufmerksamkeit erregt haben", führt der Kriminalbeamte aus. Insbesondere die Auswertung eines der "Beziehungshandys" habe zum Tatverdacht gegen die beiden Angeklagten geführt. Zum Einsatz kamen anschließend verdeckte Ermittlungen, die richterlich genehmigt waren. Anhand der Auswertung der Prepaid-Handys konnten dem Zeugen zufolge Vorgänge am Tatwochenende nachvollzogen werden. Der Polizei liegen jedoch nur Verbindungsprotokolle vor. Tanja B. habe gesagt, dass sie das Handy weggeworfen habe.


++ 14.35 Uhr ++ "Sandro" steht ein weiteres Mal im Mittelpunkt der Befragung. Mit einem Phantombild nach der Beschreibung von Tanja B. war nach dem Mann gesucht worden. Es gab keine Hinweise, dass es ihn gibt oder er jemals in den Ferienwohnungen der Hilbers gewesen sein soll.


Weitere Informationen
++ 14.30 Uhr ++ Ein Opfer der Mafia, Spuren ins Homosexuellenmilieu, Gläubiger oder ein Täter aus dem Familienumfeld? Die Kriminalpolizei ermittelte in viele Richtungen. Die meisten Spuren verliefen sich während der Untersuchungen aber.


++ 14.25 Uhr ++ Es wird geschäftlich: Tanja B. und ihr Mann Peter Hilber wollten ihre Unternehmergesellschaft (UG)  laut Protokoll in eine GmbH umwandeln. Die beiden Angeklagten sollen 2011 ebenfalls eine geschäftliche Beziehung angestrebt haben. Richter Hutterer spricht über ein Konto, das der Angeklagte eingerichtet haben soll. Die 39-Jährige  hatte Nutzungsrechte.


++ 14.10 ++ Der Verteidiger von Tanja B., Markus Lehmann, befragt den Polizeibeamten. Er fragt vor allem nach Äußerungen seiner Mandantin bezüglich der Vermögenswerte des Getöteten. Seiner Meinung nach hört es sich nicht danach an, dass die Angeklagte konkrete finanzielle Erwartungen gehabt hätte.


++ 14 Uhr ++ Erster Staatsanwalt Martin Hussels ergreift das Wort. Er fragt nach der Kleidung von Peter Hilber und "Sandro". Dieser sei schick gekleidet gewesen.


++ 13.55 Uhr ++ Die Befragung des leitenden Hauptkommissars konzentriert sich jetzt auf Details der Untersuchungsakte. Unter anderem geht es um eine Trennung der Angeklagten von ihrem Geliebten und die möglichen Gründen dafür.


++13.45 Uhr ++ Die Verhandlung am Landgericht Ravensburg im Mordfall Hilber geht weiter. Der Zuschauerraum ist erneut gefüllt. Einer der beisitzenden Richter befragt den Kriminalhauptkommissar. Es geht um Widersprüche in den verschiedenen Vernehmungen der Angeklagten. Die 39-Jährige habe sich insgesamt fünfmal zu dem Fall geäußert. Die Vernehmungen wurden von mehreren Beamten geführt.


++ 12.05 Uhr ++ "Man zog von Ferienwohnung zu Ferienwohnung wie die Nomaden", so Richter Hutterer. Trotz des eigenen Handels und Vermögenswerten - im Raum steht ein Betrag um die 600.000 Euro - soll die Familie vornehmlich vom Gehalt der Angeklagten gelebt haben. Dies geht aus dem Dialog zwischen dem Richter und dem Ermittlungsleiter hervor. Der Getötete habe keinen festen Arbeitsplatz gehabt, sein Handel sei nicht gut gelaufen. Die Verhandlung wird nach der Mittagspause um 13.30 Uhr fortgesetzt.


++ 11.55 Uhr ++ Die Beziehung der 39-Jährigen zu dem Angeklagten sei im Aufbau gewesen. Hilber habe Mafiosi zu beiden geschickt, um sie einzuschüchtern. Es sei nicht nur zu Drohungen, sondern auch zu konkreten Handlungen gekommen, um die Beziehung zu unterbinden. Trotzdem ist an anderer Stelle die Rede von einer einvernehmlichen Trennung. Hilber habe ins Ausland gehen wollen. Richter Hutterer befragt den Kriminalhauptkommissar immer wieder zu unterschiedlichen Punkten in der Untersuchungsakte. Die ersten Zuschauer verlassen den Gerichtssaal.


++ 11.50 Uhr ++ Richter Hutterer fragt, ob die Angeklagte auf die Beamten den Eindruck machte, zu glauben, dass ihr Mann noch lebt.


++ 11.35 Uhr ++ Die Beziehung zwischen Tanja B. und ihrem Ehemann steht im Mittelpunkt. Die Angeklagte hat eine Tochter mit einem anderen Mann, die Hilber wie sein eigenes Kind behandelt haben soll. Zusammen haben sie einen Sohn. Während der Untersuchungshaft hat die Angeklagte ein weiteres Kind zur Welt gebracht. Die 39-Jährige habe die Beziehung als unglücklich beschrieben. Einmal muss die Scheidung eingereicht worden sein. Diese wurde allerdings nicht weiterverfolgt. Beide Partner seien ihrer Wege gegangen. Sie hatten laut Tanja B. unterschiedliche Partnerschaften. Peter Hilber habe auch Interesse an Männern gehabt. Im Zuge dieser Ereignisse habe Tanja B. den Angeklagten im Sommer 2011 kennengelernt. Hilber sei trotz der Vereinbarung zwischen den Partnern eifersüchtig gewesen.


++ 11.20 Uhr ++ Die Angeklagte hat laut Bericht selbst die Kriminalpolizei kontaktiert und gesagt, dass es sich bei der in Tirol gefundenen Leiche um ihren Mann handeln könnte. Ihre Mutter hatte sie wohl auf Nachrichten in einem italienischen Internetportal über den Leichenfund hingewiesen. Schnell war klar, dass es sich um Peter Hilber handelt.


++ 11.15 Uhr ++ Der Richter und der Kriminalhauptkommissar sprechen weiter über die Vermisstenanzeige und die spätere Vernehmung im Rahmen der Vermisstenanzeige. Tanja B. gab dem Zeugen zufolge an, davon auszugehen, dass ihr Mann noch lebt.


++ 11.05 Uhr ++ Richter Hutterer stellt mehrere Nachfragen zu der Beziehung zwischen dem Getöteten und "Sandro". Die Angeklagte gab dem Zeugen zufolge an, dass sich die Männer gekannt haben müssen. Ihr Mann sei nervös gewesen.


++ 10.50 Uhr ++ Es wird von vergeblichen Versuchen der Angeklagten und der Familie des Getöteten berichtet, Hilber zu erreichen. Einige Tage nach Aufgabe der Vermisstenanzeige fand eine weitere Vernehmung statt.


++ 10.45 Uhr ++ Der Kriminalhauptkommissar berichtet von der Vermisstenanzeige der Angeklagten. Tanja B. schilderte, dass ihr Mann mit einem Mann namens "Sandro" verschwunden sein. Hilber habe zu ihr gesagt, dass dieser "Sandro" der Mafia angehört. Der Vorsitzende Richter fordert den Beamten auf, genau zu unterscheiden, was die Angeklagte wem gegenüber ausgesagt habe.


++ 10.35 Uhr ++ Die Verhandlung wird fortgesetzt. Richter Hutterer ruft den Kriminalhauptkommissar, der die Ermittlungen in diesem Fall leitete, in den Zeugenstand. Der Ermittlungsbericht umfasst über 130 Seiten, Ausgangspunkt war die Vermisstenanzeige, die die Angeklagte aufgegeben hatte.


++ 10.30 Uhr ++ Der Gerichtssaal füllt sich wieder. Mehrere Zuschauer und Medienvertreter verfolgen die Verhandlung stehend.


++ 10.15 Uhr ++ Die Staatsanwaltschaft, im Prozess vertreten durch Martin Hussels, geht davon aus, dass Tanja B. Angst hatte, das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn im Falle einer Scheidung an ihren Mann zu verlieren. Die Staatsanwaltschaft glaubt zudem, dass die Angeklagten die Geschäfte des Getöteten weiterführen und Vermögenswerte übernehmen wollten. Die Zuschauer im Gerichtssaal beschreiben die möglichen Motive in der Pause als "lauter Eitelkeiten".


++ 10.05 Uhr ++ Die Angeklagten lernten sich laut Anklageschrift im Internet kennen – auf der Suche nach einer sexuellen Beziehung. Daraus wurde laut Staatsanwaltschaft Liebe. Sie sollen mehrere Mordpläne entwickelt und wieder verworfen haben und sich schließlich auf den rekonstruierten Tatverlauf geeinigt haben.


++ 9.20 Uhr ++ Die Verhandlung wurde unterbrochen und soll gegen 10.30 Uhr fortgesetzt werden. Es wird noch auf einen Sachverständigen gewartet.


++ 9.15 Uhr ++ Die beiden Angeklagten sollen heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt haben. Die Staatsanwaltschaft geht zudem von Habgier aus. Die 39-Jährige möchte sich nicht zu ihrer Person und dem Vorwurf  äußern. Auch der angeklagte 43-Jährige lehnt dies für den Moment ab.


++ 9.10 Uhr ++ Der Sohn der Angeklagten und des Getöteten ist über einen Vormund Kläger. Die Angeklagten nehmen die Verlesung der Anklageschrift scheinbar emotionslos hin. Der Gerichtssaal füllt sich immer weiter.


++ 9.05 Uhr ++ Die Angeklagten betreten den Gerichtssaal. Sie wirken trotz großen Medieninteresses gefasst.


++ 9 Uhr ++ Der Verhandlungssaal am Landgericht Ravensburg ist voll. Neben vielen Pressevertretern - darunter zwei Kamerateams - sind etliche weitere Zuhörer vor Ort.


Nach Informationen des SÜDKURIER hat die Angeklagte während ihrer Untersuchungshaft im Dezember ein Kind geboren, das derzeit bei Pflegeeltern lebt. Kindsvater soll der wegen Mordes mitangeklagte Schreinermeister Christoph M. aus dem Landkreis Ravensburg sein. Beide wurden Mitte Mai 2012 verhaftet. Tanja B. hat bereits einen sechsjährigen Sohn aus ihrer Ehe mit Peter Hilber. Das Kind lebt bei Verwandten in Südtirol.

Alle Hintergründe zum Mordfall Hilber finden Sie hier.
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