Ravensburg In der Komödie "Alonso" tut Hundemund Wahrheit kund

Wie ein mexikanischer Nachthund heimliche Bettgeschichten aufmischt, zeigt das Theater Ravensburg mit der Komödie "Alonso" von Stefan Vögel.

Öffne nie der Wahrheit die Tür, denn du weißt nicht, ob du mit ihr leben kannst. Aber was, wenn die Wahrheit sich als Hund verkleidet und es nur eine Silbe braucht, sie auszusprechen: wau!? Auf dieses Verhängnis kommt doch keiner!

Alonso jedenfalls hat eine feine Nase für zwischenmenschliche Verlogenheiten, vornehmlich für sexuelle Untreue. Wenn er sie erschnüffelt, macht er Meldung. Alonso ist ein mexikanischer Nackthund, und Trixi hat ihn in der Tierhandlung ihrer Freundin Rebekka gekauft. Weil Trixi (Jutta Klawuhn) eine neue Aufgabe brauche, wie Rebekka (Ina Fritsche) findet, seitdem ihr Sohn aus dem Haus ist; zudem zeigt die Ehe mit Leo (Alex Niess) arge Entnervungserscheinungen. Ein Kauf mit Folgen, denn Trixi geht mit Rebekkas Mann ins Bett, dem Germanistikprofessor Rainer (Marco Ricciardo). Und sie ist nicht die einzige Kirsche, die Rainer sich aus nachbarlichen Gärten angelt. Das Unglück nimmt seinen Lauf...

„Alonso“ ist eine geradlinige Komödie des viel gespielten Vorarlbergers Stefan Vögel und die erste Inszenierung von Tobias Bernhardt fürs Theater Ravensburg. Eine schnörkellose Arbeit, die sich auf das Spiel der Darsteller konzentriert, im gelungenen Bühnenbild von Werner Klaus: Es verbindet die gesetzte bürgerliche Mittelklasse der Wohnung von Leo und Trixi unmerklich mit dem exotischen Flair, das durch Alonso Einzug hält: Die extremen Wandschrägen erinnern an Hausmauern, die sich an ein steiles Gebirge schmiegen – warum nicht die Anden – und ihre beige-orangefarbener Anstrich lässt an etwas Südamerikanisches denken – an Mexiko.

In Ina Fritsche hat das Ensemble eine neue Gastschauspielerin gefunden, die man sich öfter zu sehen wünscht: als Professorengattin Rebekka spielt sie die Brüche ihrer Rolle ausgezeichnet heraus. Rebekka ist ein naives Landei, das weit oberhalb der eigenen geistigen Fähigkeiten geheiratet hat und bei der man nie sicher ist, ob die aufgepuschte Hübschheit nun ins Elegante oder in den billigen Boutiquenzauber des Kunstfasersortiments driftet. Ein Kompliment also auch an Kostümbildnerin Mechthild Scheinpflug. Als Rebekka hinter Rainers Untreue kommt, verwandelt sie sich in das lustigste heulende Elend, das sich denken lässt. Und ihre hochgradige Zickigkeit gegenüber Nebenbuhlerin Trixi soll hochherrschaftlich wirken, zeigt aber nur, dass die angeheiratete Standesfassade wesentlich schlechter sitzt als ihr knappes Oberteil. „Bauchfrei macht noch keinen Eisprung!“, revanchiert sich Trixi bei der ungewollt kinderlosen Ex-Freundin.

Aber auch Jutta Klawuhn spielt ihre Rolle als Trixi angemessen verrutscht. Schon ihre aus der Form geratene Langweilerinnenfrisur deutet an, dass das Ehekorsett mit Leo ihr schon lange nicht mehr passt. Klawuhns komödiantisches Können gipfelt in jenem kurzen Moment, als Rainer kurz davor ist, ihr gemeinsames Techtelmechtel zu beichten – zur Salzsäule erstarrt, wäre sie am liebsten unsichtbar und trägt ihre Heimlichkeiten wie einen Sprengstoffgürtel um die Hüften, den Rainer mit jedem weiteren Wort zünden kann.

Und Rainer? Der schrumpft zum Zwölf-Uhr-Schatten seines großspurigen Selbstbewusstseins. Was umso schöner ist, als Marco Ricciardo seine Rolle als Professor mit einem saturierten Standesbewusstsein ausstattet und verbal schon mal in die schlüpfrigste Schublade greift, weil er sich rhetorisch in den höchsten Höhen zu Hause weiß. Rainer ist ein Geistesfechter, die in einer ironischen Distanz zu den Fähigkeiten steht, in denen er sich sonnt. Dazwischen keimt die Frage, wer er denn nun eigentlich ist – und seine aufgeflogene Untreue gibt eine reichlich eingedampfte Antwort.

Alex Niess legt den Leo, Trixis gehörnten Ehemann, als Gegenteil zu Rainer an. An der Oberfläche wirkt er als leicht lächerlicher Bürohengst, gespielt mit Loriotscher Doppelbödigkeit. Darunter liegt aber eine Stärke, die sich erst herausschält, als die Fassaden rundum in Scherben gehen. So liegt das eigentliche Vergnügen dieses Abends weniger in der konventionellen Handlung als in der Kluft zwischen Schein und Sein. Sie gibt jedem Schauspieler auf seine Weise Gelegenheit zu zeigen, was er kann.


Weitere Vorstellungen am 24. und 25. März, am 14. und 15. April, am 12. und 19. Mai, sowie am 2., 3. und 9. Juni, jeweils 20 Uhr. Eintritt 21,15 Euro, Kartenreservierung unter Telefon 07 51/2 33 64.

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