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Ravensburg Herman de vries zeigt Oberschwaben in allen Farbtönungen

Im Kunstmuseum Ravensburg stellt der Künstler einen Zyklus von 29 Erdausreibungen aus, die eigens für diese Ausstellung angefertigt wurden.

Über die Jahrzehnte hat herman de vries etwa 8000 Erdproben aus der ganzen Welt gesammelt und sie auf Papier zu Farbfeldern ausgerieben. Aus Oberschwaben gab es in seinem "Erdmuseum" bislang keine Proben – bis der Bauunternehmer Hans-Jörg Reisch und das Kunstmuseum Ravensburg den inzwischen fast 86-jährigen Niederländer zu einem oberschwäbischen Zyklus anregten. Nun liegt das Ergebnis vor: 29 Blätter in verschiedenen Tönungen, vom fast verschwindenden Gelb bis zum moorigen Schwarzbraun. Zwischen Ulm und Friedrichshafen, Beuron und Wangen wurden Erden gesammelt. Zum ersten Mal nahm der etwas gebrechlich gewordene Künstler die Grabungen an den Orten nicht selbst vor, sondern ließ sich doe Erden liefern – von Menschen, die mit den jeweiligen Orten in besonderer Verbindung stehen.

Herman de vries betrachtet die Beschäftigung mit den Erdausreibungen als sachliche Arbeit, in der er selbst keine Gefühle transportieren möchte. Gerade diesen Aspekt tragen nun aber die vielen beteiligten "Erdsammler" bei: durch sie erhalten herman de vries' Erdausreibungen Gesichter, Geschichten, Emotionen. Und all das wird sichtbar, weil der Künstler Kristof Georgen zu jeder Probenentnahme einen vierminütigen Film gedreht hat. Zwei Stunden Filmmatrial kommen zusammen, die den Ausreibungen in der kleinen Ausstellung gegenübergestellt werden. Ulms ehemaliger Oberbürgermeister Ivo Gönner wählt als Ort der Bodenentnahme das Gelände der ehemaligen Hochschule für Gestaltung, als Sinnbild für den künstlerischen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg. Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand gräbt in der Manzeller Bucht, wo der erste Zeppelin gebaut wurde.

Biberachs Baubürgermeister Christian Kuhlmann entnimmt den Boden einer Baustelle, die einst mit Schutt aufgefüllt worden war – entsprechend ziegelgelb fällt dann die Erdausreibung aus. Auch alter Waldbestand, Wiesen und Flussufer sind unter den Orten – sie sind so vielseitig wie die Erdtönungen. Sie filmisch präsent zu haben, gibt den Ausreibungen mehr bei als nur einen Fußnotenapparat.

Herman de vries' Umgang mit der Natur war und ist für die Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg von zentraler Bedeutung. Ihre Materialien – Blätter, Halme, Hölzer, Steine oder eben Erden – werden von ihm nicht als Mittel benutzt, um seine Kunst hervorzubringen, sondern seine Kunst verfolgt die Aufgabe, die Natur zu zeigen. "Natur ist sich selbst genug und soll dem Menschen auch genug sein", lautet einer seiner Glaubenssätze. De vries möchte die Wirklichkeit "sichtbar und erfahrbar machen", sagt er in einem Gespräch mit Nicole Fritz, der Direktorin des Kunstmuseums Ravensburg. Was der Mensch nicht wahrnimmt, dringt eben auch nicht in sein Denken.

Bis 11. Juni im Kunstmuseum Ravensburg (Burgstraße 9). Geöffnet Di-So 11-18 Uhr, Do 11-19 Uhr.

 

 

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