Ravensburg Ermittler sehen Zukunft mit Besorgnis
Karl-Josef Diehl, Erster Staatsanwalt und Pressesprecher (links) und der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Heister beim Vorstellen der Jahresbilanz der Ermittlungsbehörde. Bild: Enderle
Für die 70 Bediensteten, darunter 22 Staatsanwälte, war dies ein enormes Pensum, dennoch ist der leitende Oberstaatsanwalt Herbert Heister zufrieden mit der Arbeit seiner Behörde. „Unsere Dezernenten haben die Verfahren zügig mit einer Laufzeit von durchschnittlich 45 Tagen abgearbeitet“, erklärte er beim Jahrespressegespräch am Donnerstag. Lediglich 88 Verfahren hingen länger als ein Jahr in der Zeitschleife, weil insbesondere Wirtschaftskriminalität mit komplexen Vorgängen, Amtshilfeersuchen im Ausland und anderen Widrigkeiten für längere Abläufe sorgen.
Trotz einer leichten Steigerung der Verfahrenszahlen gehöre der württembergische Teil des Landes zu den sichersten Regionen in ganz Deutschland. „Im letzten Jahr hatten wir pro 10 000 Einwohner 450 Beschuldigte, in Hamburg, Berlin oder Bremen ist dieser Anteil doppelt so hoch“, berichtete er. Keinen Hehl macht Herbert Heister allerdings daraus, dass die Arbeit immer zeitaufwändiger werde. Allein für die Sitzungsvertretung in den acht zum Bezirk gehörenden Amtsgerichten sowie am Landgericht mussten die Staats- und Amtsanwälte 5945 Stunden einplanen. „Das ist die Arbeitszeit von Vollzeit-Dezernenten“, konkretisierte der Behördenleiter.
Dass die hiesigen Justizbehörden gute Ermittlungsarbeit leisten und den Großteil der Täter dingfest machen, ist seit Jahren bekannt. Ob das in Zukunft so bleibt, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Mit großer Sorge beobachtet die Staatsanwaltschaft Ravensburg nämlich über die immer konkreter werdenden Pläne der grün-roten Landesregierung zur Polizeistrukturreform. Der Region droht der Umstand, dass durch Straffung auf nur noch zwölf Polizeipräsidien im Land die Führungszentrale und damit auch Einheiten der Kriminalpolizei aus dem Bereich Bodensee-Oberschwaben beispielsweise nach Ulm oder Konstanz abwanden würden. „Kriminalbeamte hätten für Tatorte in unserem Bereich dann Fahrstrecken von rund 100 Kilometern, das hätte Einflüsse auf den Erfolg der Ermittlungsarbeit“, zeigte sich Herbert Heister unzufrieden mit den Plänen der Regierung.
Auch 2011 hatte die Staatsanwaltschaft wieder einige spektakuläre Verfahren anhängig, deren Ermittlungen zum Teil noch laufen. So stand neben diversen Raubüberfällen und versuchten Morden der Betrugsfall mit einem Gesamtschaden von rund zwei Millionen Euro durch einen nach Südostasien geflüchteten Bauträger genauso im öffentlichen Interesse, wie der Verdacht der Insolvenzverschleppung gegen drei zur Bodan-Werft-Gruppe gehörende Unternehmen.
Im vergangenen Jahr war Oberstaatsanwalt Herbert Heister sogar selbst zum Opfer geworden. In seiner knapp bemessenen Freizeit wollte er sich beim Solitär-Spielen auf dem i-Phone etwas Entspannung suchen, tappte dabei allerdings durch einen getarnten Werbebanner in eine Abo-Falle und entdeckte auf der nächsten Telefonrechnung Beträge von 19,95 Euro monatlich. „Internetkriminalität ist immer komplexer geworden, deshalb werden hier unsere Mitarbeiter auch besonders geschult“, sagte Heister.
