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Ravensburg Das Bild kombiniert unzählige Blicke

20.10.2011


Der Hemdkragen ist etwas gelockert, der Blick offen und interessiert, geradezu eindringlich. So schaut der ehemalige Ravensburger Oberbürgermeister Hermann Vogler aus dem Bild, das seit vergangener Woche in einer Reihe mit den ehemaligen Oberhäuptern der Stadt im kleinen Sitzungssaal des Rathauses hängt.

Ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, hätten Ravensburg geprägt. „Aber alle haben den gleichen Rahmen“, sagte Voglers Nachfolger Dr. Daniel Rapp und wies darauf hin, dass die Lücke zwischen Voglers Porträt und der Galerie nur zur leichteren Enthüllung geschaffen worden sei. Gemeinsam mit Künstlerin Kathrin Landa – sie ist in Ravensburg aufgewachsen – zog Dr. Rapp den roten Samtstoff vom Gemälde.

Jupp Eisele hat die in Berlin und Leipzig lebende Kathrin Landa empfohlen. „Sie malt moderne Ikonen unserer Zeit“, sagte der ehemalige Kunstlehrer über die junge Künstlerin, die er 2004 im Ravensburger Kunstverein kennengelernt hat. In ihren Bildern werde das Wesen des Menschen körperlich sichtbar. Auch Voglers Porträt sei ein dichtes Bild, ein Gefüge, bei dem alle Teile zusammenhängen, ein Spiegel mit tiefen Schichten. „Anders als die Momentaufnahme einer Fotografie kombiniert das Bild unzählige Blicke auf das Modell“, erläuterte Jupp Eisele. Neben dem Porträt Karl Wäschles, gemalt von dessen Sohn Raimund, sei Voglers Porträt nun, seiner Meinung nach, das zweite mit wirklich künstlerischem Wert. Bewundernswert sei, wie sich Vogler auf das Abenteuer Porträtmalen eingelassen habe.

Dafür fuhr der ehemalige OB zwei Mal nach Leipzig, um Kathrin Landa in ihrem Atelier Modell zu sitzen. „Er hat sich auf den Prozess eingelassen und Neugierde gezeigt“, erzählte die Künstlerin, die bereits den ehemaligen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee porträtiert hat. Als sehr bereichernd habe sie die Gespräche zwischen den Sitzungen empfunden. „Ich habe versucht, Hermann Voglers Charakter möglichst ganzheitlich, wenn auch subjektiv, darzustellen.“ Durchaus bewusst sei ihr, dass das Porträt einer Person des öffentlichen Lebens Befindlichkeiten auslösen könne. So sei sie erleichtert gewesen, als sie von Vogler selbst eine positive Rückmeldung bekommen habe.

„Für mich war es kein Risiko, sondern ein Glücksfall, dass wir uns für Kathrin Landa als Malerin des Porträts entschieden haben“, erläuterte Vogler seine Sicht der Dinge und dankte Jupp Eisele für den Tipp. Anfangs habe er nach dem Motto: „Jetzt wirst du da gemalt“ durchaus ein unsicheres Gefühl gehabt. „Aber beim ersten Treffen war klar, dass die Chemie zwischen uns stimmt.“ So sei er froh, dass er sich für das Porträt Zeit genommen habe. „Sie haben mir ein Angesicht gegeben, mit dem ich mehr als gut leben kann“, dankte Hermann Vogler der Künstlerin.

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