Der Ravensburger Stadtrat Rudi Hämmerle ist ehrenamtlicher Beirat in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg. Der gelernte Bankkaufmann ist selbständig.
Was macht ein Beirat? Welche Interessen vertritt er?
Der Beirat ist ein vom Kreisrat gewähltes Gremium, das im Gefängnis für die Interessen der Gefangenen, aber auch der Beamten, eintritt und als Sprachrohr gegenüber der Öffentlichkeit und der Stadt, in der das Gefängnis angesiedelt ist, fungiert.
Wie nehmen Sie in dieser Funktion Gewalt im Gefängnis wahr?
Gewalt im Gefängnis kommt leider immer Mal wieder vor. Extreme Fälle wie in Siegburg machen uns alle betroffen. Doch gehe ich davon aus, dass das Problem nicht so groß ist, wie man meinen könnte. Ich bin im siebten Jahr Beirat und habe von vier Gewalttaten mitbekommen. Von einer hohen Dunkelziffer gehe ich nicht aus, weil man uns Beiräte wie Anwälte im absoluten Vertrauen anschreiben und ansprechen kann, da wird nichts zensiert.
Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Gewalt einzudämmen?
Wir und die Anstalten insgesamt begegnen der Gewalt mit null Toleranz. Wenn Konflikte mit Gewalt ausgetragen werden, werden die Personen voneinander getrennt untergebracht. Doch müssen sich die Betroffenen mitteilen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Anstaltsleitung dann nicht reagiert hätte. Darüber hinaus haben wir etliche Sozialarbeiter, ehrenamtliche Betreuer und Seelsorger von der katholischen und der evangelischen Kirche, die sich intensiv mit den Leuten auseinandersetzen. An der Gefangenensozialarbeit liegt es nicht. Wenn jemand Gewalt erfährt, kann er um Hilfe rufen. Doch kann man die Leute nicht zwingen, Hilfe zu holen.
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