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05.05.2012  |  von  |  0 Kommentare

Owingen Verdienstorden des Landes für Ornithologen Peter Berthold

Owingen -  Seine ersten Naturschutzaktionen hat Peter Berthold schon 1957 in Nagold vollbracht, wo er als 18-Jähriger brütende Eisvögel vor dem Bagger rettete und mit Erfolg die Missstände auf einem Falkenhof anprangerte. Zehn Jahre griff er zum Mittel der Amtsanmaßung, um den Butzensee bei Bodelshausen im Kreis Tübingen vor dem bewahrte, als Erddeponie zu enden.



Daran knüpfte Berthold quasi am Ende seiner Berufslaufbahn wieder an, die ihn zu einem der weltweit anerkanntesten Ornithologen gemacht hatte. Er motivierte die Heinz-Sielmann-Stiftung zum Engagement für den Biotopverbund Bodensee und entwickelte mit dem Sielmann-Weiher vor der eigenen Haustür in Billafingen einen ersten Mosaikstein. „Heute bin ich rund 40 Stunden pro Woche ehrenamtlich für die Stiftung tätig“, sagte Peter Berthold.

Das Engagement für Arten- und Naturschutz über Jahrzehnte hinweg war Anlass für Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, den Billafinger mit dem Verdienstorden des Landes auszuzeichnen, der höchsten und sparsam vergebenen Ehrung. Kretschmann verwies insbesondere auf die Arbeit des Ornithologen an der „Roten Liste“ der gefährdeten Vogelarten.

„Auch als Gemeinde sind wir etwas stolz und gratulieren herzlich“, erklärte Bürgermeister Henrik Wengert. Er konnte Berthold schon zu der Ehrung in das Ludwigsburger Schloss begleiten, würdigte die Auszeichnung im heimischen Rathaus allerdings noch einmal. Angesichts der bewusst begrenzten Zahl der vergebenen Verdienstorden sei diese Ehrung weit mehr wert als ein Bundesverdienstkreuz, betonte Wengert. Der Bürgermeister freute sich, dass Owingen nicht zuletzt durch Bertholds Engagement mit dem Weiher in Billafingen eine Attraktion bekommen habe, die Einheimische wie Touristen gleichermaßen anziehe.

Unterfüttert war das Engagement im Naturschutz stets durch seine wissenschaftliche Arbeit an der Vogelwarte des Max-Planck-Instituts Seewiesen in Radolfzell-Möggingen. Doch selbst in diesem Rahmen engagierte sich Berthold weit über das Berufliche hinaus. Anfang der 1970er Jahre legte er sich mit der chemischen Industrie an, zeigte die negativen Folgen von DDT und Dioxinen für den Bruterfolg vor allem bei Greifvögeln auf und machte sich bei der Max-Planck-Gesellschaft gar nicht beliebt.

Insbesondere Nobelpreisträger Konrad Lorenz als prominentem Fürsprecher hatte er es damals zu verdanken, dass seine Karriere als Wissenschaftler keinen entscheidenden Knick bekam. So aber sollte der gebürtige Sachse, der mit 14 Jahren auf die Schwäbische Alb gekommen war, zu einem der wichtigsten Vogelzugforscher weltweit werden. Seine wissenschaftliche Arbeit – das ist entscheidend für die Auszeichnung – verband er mit Engagement und Erkenntnisgewinn für den Naturschutz. Im Rahmen der Feldforschung führte er über Jahrzehnte eine „Volkszählung bei Vögeln“ durch, wies deren schleichenden Rückgang nach und war mit Hans-Günther Bauer Autor des wichtigsten Standardwerks zu Bestand und Gefährdung der Brutvögel Mitteleuropas (1996). Dass man mit pragmatischen Mitteln erfolgreich gegensteuern kann, beweist Peter Berthold im Biotopverbund Bodensee. Mit dem Walpertsweiler Weiher bei Bonndorf füllt sich demnächst ein weiterer Baustein, der zudem kulturhistorische Bedeutung hat.

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