Owingen 1250 bunte Eier und 39 Meter Girlanden
1250 ausgeblasene Hühnereier zieren den Dorfbrunnen in Owingen-Taisersdorf, der sich zum 17. Mal im Ostergewand präsentiert. Viele fleißige Hände haben mitgeholfen. Bilder: Kleinstück
1250 Ostereier, bunt bemalt und größtenteils verziert, schmücken den über 20 Jahre alten Brunnen im Owinger Teilort Taisersdorf. Auch der Brunnentrog ist mit sattem Grün und farbenfrohen Eiern reich geschmückt, zwei mit Eiern verzierte Birken rahmen den Brunnen ein. Längst ist es zur Tradition geworden, dass zahlreiche fleißige Hände den Brunnen zur Osterzeit mit ausgeblasenen Hühnereiern, Birken, Reisig, Buchs und Zierrat dekorativ verschönern – in diesem Jahr bereits zum 17. Mal. Die Idee stammt von dem Ehepaar Herbert Felix und Anne Joos, die dieses Brauchtum Anfang der 90-er Jahre aus der fränkischen Schweiz mitbrachten: Dort hätten die Bauern ihre Brunnen auf dem Feld geschmückt. Im Verlauf der Jahre haben sich sogar die alteingesessenen Taisersdorfer mit diesem Brauchtum angefreundet und unterstützen die Idee mit Rat und Tat.
Rund 20 Helferinnen waren seit Aschermittwoch eifrig mit den Vorbereitungen beschäftigt. Die Dekoration steht in jedem Jahr unter einem anderen Motto. Dieses Jahr heißt es „Frohe Ostern im Linzgau“. Zuvor stand das Osterbrunnen-Motto auch schon unter dem Zeichen des Steinbocks, der im Wappen von Taisersdorf zu finden ist. Auch strahlende Sonnen und Sterne sowie ein Regenbogen zierten den Brunnen schon. Im kommenden Jahr wird es anlässlich des Heiligen Jakobsjahres ein Jakobsbrunnen sein, weil Taisersdorf am Rande des deutschen Jakobweges liegt, wie die Helferinnen bereits verrieten.
1250 Hühnereier haben die Frauen in diesem Jahr für den Brunnen verwendet. Ein Großteil stammt noch aus früheren Jahren. Fünf Prozent der ausgeblasenen Eier gehen in jedem Jahr allerdings in die Brüche. Etwa 170 Eier sind in diesem Jahr neu bemalt worden. Insbesondere für die Schrift des Mottos sind orangefarbige Eier vonnöten. „Denn bei mehrfach verzierten Eiern hätte man die Schrift gar nicht richtig lesen können“, weiß Herbert F. Joos. Nach seinem maßstabsgetreuen Plan haben fleißige Hände die Eier an eine 39 Meter lange Schnur gebunden und geflochten. „Das ist so viel wie noch nie“, sagt Joos. Die ausgeblasenen Hühnereier stammen im Übrigen vom gegenüberliegenden Gasthof „Schwanen“. Sie sind in der Küche des Gasthauses für die Herstellung von Spätzle verwendet worden.
Die eifrige Arbeit rund um den Dorfbrunnen macht die Begeisterung der Helfer deutlich. „Alle hatten zuvor sehr viel Freude am Eiermalen“, erläutert Joos weiter. Das bestätigt Ulrike Möller aus Owingen. Sie ist seit 15 Jahren mit dabei. „Es ist ein schöner Brauch. Man trifft Leute, die man schon lange nicht mehr gesehen hat“, sagt sie. Und weiter: „Es ist einfach schön, dass man in Gemeinschaft ist.“ Das sieht auch Petra Lohr aus Taisersdorf so. „Das Malen zusammen mit anderen macht einfach Spaß“, hebt sie hervor. „Es entsteht dabei eine schöne Kameradschaft“, fügt Gertrud Schmidt aus Großschönach hinzu, die im ersten Jahr noch die Eier lieferte und sich seitdem in jedem Jahr künstlerisch betätigt. Angelika Thiel aus Taisersdorf, seit acht Jahren fleißige Eierbemalerin, unterstreicht die Kreativität, die die Helferinnen jedes Mal aufs Neue auszeichneten.
Außerdem findet sie es „einfach schön“, dass das Dorf durch den Brunnen zum Magneten werde. „Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen sich von dem Osterbrunnen angezogen fühlen“, sagt Angelika Thiel und sie stellt damit die soziale Komponente des Brunnens in den Vordergrund. Tatsächlich ist der Ruf des Taisersdorfer Brunnens fast legendär. Besucher kommen jedes Jahr von weit her, um den Eierschmuck zu bewundern. Das wird auch in den kommenden Tagen nicht anders sein. Das Kunstwerk lässt sich noch bis 14 Tage nach Ostern bewundern.
