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Meersburg Trickfilm-Oscar für Meersburgerin

Shoko Hara und Paul Brenner überzeugen beim Uranium Film-Festival in Rio. Auszeichnung für Trickfilm über Fukushima-Folgen

Die Meersburgerin Shoko Hara und der gebürtige Tübinger Paul Brenner haben mit ihrem Trickfilm „Abita“ ihren ersten „Oscar“ gewonnen: den „Yellow Oscar“ des Uranium Film-Festivals im brasilianischen Rio de Janeiro.

Der knapp vier Minuten lange Trick-film zeigt die Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima auf ein kleines Mädchen – eines von rund 360 000 Kindern, die von den Folgen des Gaus betroffen sind und seither nicht mehr unbeschwert im Freien spielen können. Der Film war die Bachelorarbeit von Hara und Brenner, begleitet von einer rund 100 Seiten starken Thesis, mit der sie ihren Abschluss als Mediendesigner an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg machten.

„Abita“ wurde unter anderem bereits auch auf dem Backup-Festival in Weimar ausgezeichnet, er lief auf der Nippon Connection in Frankfurt, dem größten europäischen Festival für japanischen Film, und „Abita“ hat's auch auf die BW-Rolle geschafft, die Liste der besten Filme aus Baden-Württemberg.

„Aber der Oscar des Uranium Film-Festivals ist für uns natürlich der wich-tigste Preis“, sagen Hara und Brenner beim SÜDKURIER-Interview in Meersburg. Selbst konnten sie allerdings nicht nach Rio reisen. „Abita ist ein sehr poetischer und ausgezeichnet produzierter Animationsfilm“, begründete Leo Ribeiro, brasilianischer Trickfilmer und Mitglied der Festivaljury, die Auszeichnung.

„Das Uranium Film-Festival war von Anfang an unser Ziel“, sagt Brenner. Doch davor standen erst mal fünf Monate Arbeit für die Bachelorarbeit. Unter anderem fertigten beide von Hand 5000 Tuschezeichnungen. Hara, die 1988 in Okayama auf die Welt und mit zehn Jahren nach Meersburg kam, weihte den gleichaltrigen Brenner in die Kunst der japanischen Sumi-e-Malerei ein, die sie von ihrer Oma gelernt hat. Während Hara die Mädchenfigur entwarf, malte Brenner vor allem die Landschaftsszenen.

Hara ist stolz auf ihr Heimatland Japan und von dem Unglück zutiefst erschüttert. Brenner: „Die Menschen prägen sich die Katastrophenbilder ein, wir aber wollten künstlerisch darstellen, was es für die betroffenen Menschen heißt.“ Hara ergänzt, Kindergärten in der Region Fukushima bauten die Natur im Innern nach, weil es für die Kleinen zu gefährlich sei, draußen zu spielen. „Aber so kann man nichts mehr entdecken“ und die Natur spiele für Japaner eine große Rolle.

Der zweite Teil der Arbeit bestand in der digitalen Umsetzung, der 3D-Charakteranimation. Gemeinsam schrieben die beiden auch das Drehbuch, dem viele Recherchen vorangingen. So untersuchten sie die Medienberichterstattung über Fukushima und stellten etwa fest, dass diese sich zuvorderst mit den Auswirkungen für Deutschland beschäftigte und das Reaktorunglück nach etwa sechs Wochen kaum noch in den Nachrichten auftauchte. Trotz des Aufwands sind die beiden froh über ihre Arbeit, die dann auch mit Eins benotet wurde. Brenner: „Es geschieht viel zu selten, dass man sich theoretisch mit etwas beschäftigt, bevor es ans Gestalterische geht.“

Beide studieren an der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigshafen Motion Design, 2015 wollen sie ihr Diplom in der Tasche haben. Brenner, der in seiner Freizeit bereits für eine Werbeagentur arbeitet, kann sich diese Arbeit auch für die Zukunft vorstellen, Hara nicht. „Das wäre schrecklich.“ Sie gesteht lächelnd: „Ich will später von der Förderung leben und Trickfilme machen, vielleicht auch in einem Trickfilmstudio arbeiten, aber nicht für ein großes, kommerzielles.“

Paul wirft ein: „So unterschiedlich sind unsere Vorstellungen nicht. De-sign findet nicht allein in der Werbung statt, man kann damit auch Werte transportieren“, etwa durch Werbefilme für soziale Organisationen. Derzeit tüfteln Hara und Brenner gemeinsam für eine Semesterarbeit an einem Musikvideo für die Electro-Indie-Band „I am poet“.

Hara: „Ich bin gespannt, wo's uns beide mal hinführt.“ Hara will nach ihrem Diplom erst einmal ein Jahr aussetzen und mit Tieren arbeiten, vielleicht in einem Tierheim. Nach dem Fototermin auf der Terrasse des Droste-Hülshoff-Gymnasiums, wo sie 2008 ihr Abi machte, sagt sie: „Jetzt sage ich noch meinen alten Lehrern guten Tag.“


„Yellow Oscar“

Das internationale Uranium Film-Festival, das die „Yellow Oscars“ verleiht, gibt es seit 2011. Es ist weltweit das einzige Festival, das sich ausschließlich dem Komplex Atomkraft und Radioaktivität widmet. Dabei spannt sich die Bandbreite der Themen laut eigenen Angaben „von Einstein bis Fukushima“. Das Festival wolle zur Aufklärung über atomare Gefahren beitragen und „neue unabhängige Produktionen“ zu diesem Thema anregen. Dieses Jahr wurden sechs „Yellow Oscars“ vergeben. Das Uranium Film-Festival ist ein Projekt der kulturellen Nichtregierungsorganisation „Yellow Archives“ (Gelbes Archiv) mit Sitz in Rio de Janeiro. Dort findet das Festival jährlich im Frühjahr statt und geht danach auch in andere Städte, 2013 ist es vom 26. bis 29. September in München. (flo)

Den Film von Hara und Brenner kann man im Internet anschauen:

www.uraniumfilmfestival.orgwww.shokohara.de

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