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Meersburg Schülerinnen des Droste-Hülshoff-Gymnasiums beleuchten das „Glück“ kritisch

Schülerinnen beleuchten eine zentrale Menschheitsfrage in einem Seminarkurs, der nun in die Abiturnote einfließt.

Was genau ist Glück? Dieser Frage gingen acht Mädchen zwischen 17 und 19 Jahren des Seminarkurses am Droste-Hülshoff-Gymnasium unter Leitung des Lehrers und Theaterpädagogen Hans-Detlef Jenß nach. Ein dreiviertel Jahr lang stellten sie sich der Herausforderung, das eigene Glück zu erforschen und zu hinterfragen. Vergangene Woche präsentierten sie das Ergebnis des Projekts in Form einer Collage im Theatersaal der Schule.

Die Frage nach einem glücklichen Leben ist eine der ältesten überhaupt. Schon die Philosophen der Antike zerbrachen sich darüber die Köpfe und fanden dabei – ebenso wie die Meersburger Schülerinnen – allerlei widersprüchliche Antworten. Kann man Glück überhaupt definieren, mit Worten festmachen? Die Kursteilnehmerinnen tasteten sich an ihr eigenes, ganz persönliches Glück heran. Acht verschiedene Charaktere, acht unterschiedliche Herangehensweisen. Sie alle erzählen ihre persönliche Geschichte vor dem Hintergrund eines Wettbewerbs, dessen Intention die Suche nach dem glücklichsten Mädchen ist. Da ist Belinda, die Attraktive, dargestellt von Petruta Faghiura, die keinen Freund haben will, der sie für dumm hält, nur weil sie gut aussieht. Diana Maier alias Amelie sinniert über Kreativität, Georgina (Anna Stürzenhofecker) verhüllt ihren Körper und wäre lieber ein Junge. Kordula, der Punk, gespielt von Antonia Romer, schildert ihre Version der Schöpfungsgeschichte, bringt eine Göttin ins Spiel, von der bis dato die Menschen nichts ahnten. Dörte (Deborah Hund) hält ein flammendes Plädoyer fürs Kuscheln mit Freund Max, der unbequemerweise mittendrin immer einschläft.

Maike Koch sprintet in der Rolle der Samantha im neongelben Shirt wie gehetzt durch die Zuschauerreihen und beichtet ihren ureigenen Albtraum vom Glück. Gesine (Julia Weiß) fehlen die Erinnerungen. Aus Angst, dass ihr eigenes Leben in Vergessenheit gerät, schreibt sie alles auf. Und geht fortan nicht mehr aus dem Haus, um nicht noch mehr zu erleben, da sie sonst mit dem Schreiben nicht mehr nachkommt. Roxanne (Alina Schell) fühlt sich manipuliert und hinterfragt, wie sehr sie selbst es zulässt, dass Andere sie verändern.

Fragmente, bewusst geschaffen und aneinandergereiht, die die Zuschauer nachdenklich stimmen oder auch zum Lachen bringen, wie bei Dörtes Geschichte über ihren Freund Max. Die Stärke der Darsteller lag in ihrer deutlichen, präzisen und akzentuierten Deklamation, wofür das begeisterte Publikum minutenlang applaudiert.

Überglücklich fielen sich die Schülerinnen nach der Aufführung in die Arme. „So gut wie heute lief es noch nie“, strahlt Deborah Hund. Und Petruta Faghiura nickt zustimmend: „Es war fantastisch, alles hat gestimmt.“ Antonia Romer gewährt derweil Einblicke in die Probenarbeit: „Beim Theaterspielen ist man einfach ganz bei sich. Wenn man in eine andere Rolle schlüpft, erfährt man mehr über sich selbst. Es ist schade, dass die Zeit nun vorbei ist. Wir sind alle zu einer großen Familie zusammengewachsen. “ Diana Maier gesteht, dass sie eine ganz neue Seite an sich entdeckt habe: „Ich konnte bei manchen Szenen richtig aggressiv reagieren, was ich zuvor noch nie so extrem erlebt habe. Es waren zugleich erschreckende wie auch schöne Erfahrungen, da man mit den anderen zusammen an seine Grenzen geht.“

Das Droste-Gymnasium bietet den Seminarkurs in der Jahrgangsstufe 1 als einjährigen Kurs mit drei Wochenstunden an. Er ermöglicht eine intensive Einübung in studien- und arbeitsvorbereitenden Methoden. Neben dem Schwerpunkt „Darstellendes Spiel“ gibt es einen gesellschaftswissenschaftlichen Bereich, der von Geschichtslehrer Boris Schuck betreut wird. Schuck war zudem beim Theaterprojekt zusammen mit Jenß´ Sohn Dennis für die Technik zuständig. Die Präsentation auf der Bühne wird beurteilt und fließt zu einem Viertel in die endgültige Abiturnote ein. Für Hans-Detlef Jenß war es die letzte Aufführung eines Kurses. Er verlässt die Schule.

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