Meersburg Napoleon macht Theater

Das Meersburger Droste-Hülshoff-Gymnasium feiert den deutsch-französischen Tag. Auf die zweisprachige Aufführung des Karlsruher Xenia-Theaters folgt ein frankophones Mittagessen.

Napoleon nervt. Er ist gar nicht eingeladen zu der „Phantasiereise durch Frankreich“, auf die das Karlsruher Xenia-Theater am deutsch-französischen Tag am Droste-Hülshoff-Gymnasium die Sechst- und Siebtklässler mitnimmt. Aber natürlich taucht der kleine Korse wiederholt auf. War doch klar, das Stück heißt schließlich „Impossible n'est pas français“, sinngemäß: „Das Wort unmöglich existiert im Französischen nicht“ und diese Aussage geht auf Napoleon zurück.

Neben diesem Ungebetenen schmücken aber noch jede Menge geladene Gäste die Show, die dem Theater als Rahmenhandlung dient: von Ludwig XIV. über Antoine de Saint-Exupéry bis hin zu einer bretonischen Fischerin, Sängerin Patricia Kaas und einer Rapperin aus den Pariser Vorstädten. All diese Personen plus Sherlock Holmes als zweiten unerwarteten Besucher verkörpert das Energiebündel Nathalie Cellier, die auch das Stück geschrieben hat. Unterstützt wird sie von Techniker Peter Zengerle und ihrem Partner Peter Steiner. Dieser interviewt als Moderator Marcel seine Gäste, macht nebenher ein bisschen Landeskunde und holt auch immer wieder Schüler auf die Bühne.

Die Tatsache, dass das Stück zweisprachig angelegt ist, nimmt den Kindern Hemmungen. Amélie weiß zum Beispiel, wie man Crêpes backt. Zwar fällt ihr das französische Wort für Mehl nicht ein, aber wozu hat man Schulkameraden, die „farine“ einsagen.

Als Marcel nach „Patricia Kaas'“ umjubeltem Weltpremieren-Chanson fragt, ob die Schüler noch andere französische Stars kennen, nennt Oskar Franck Ribéry. Sein Lieblingsspieler sei aber – „sag jetzt bloß nichts Falsches“, rufen seine Freunde – Mario Götze.

Ludwig XIV. findet sich in dieser modernen Welt sowieso nicht mehr zurecht, er kennt keine Fußballer, vermisst seinen Hofstaat und hat das Wort „sozialistisch“ noch nie gehört. Marcel muss ihm schonend beibringen, dass er ja auch schon seit 1715 tot sei. Ganz schön lebendig ist dagegen Rapperin „Princesse“, die mittels ihrer Musik aus dem Ghetto herauskommen will. Sie kritisiert die Reichen, in ihren Songs ist viel von „violence“ die Rede. Doch sie macht auch Werbung für „ruban vert“, das grüne Band, eine französische Aktion gegen Gewalt, etwa im schulischen Bereich. Sechstklässler Jakob ist ebenfalls dafür. Ob er auch Musik mache, fragt „Princesse“. Ja, Jazz. „Un intellelo“, meint die Rapperin anerkennend.

Die rund einstündige Tour durch unterschiedliche Epochen, Regionen und soziale Milieus gefällt den Schülern, sie spenden reichlich Beifall und einige sagen Cellier persönlich: „Das hat Spaß gemacht.“

Die Idee zu dem deutsch-französischen Theaterteam entstand 2001. Mit dem Abi-Stück „Antéchrista“ war es bereits mehrfach am Droste-Gymi. Letzteres feiert mit dem deutsch-französischen Tag jedes Jahr am 22. Januar die Unterzeichnung des Elysée-Vertrags 1963. Dazu gibt es im voll besetzten Speisesaal immer ein frankophones Mahl, dieses Jahr tunesisches Couscous und karibisches Dessert.

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