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Meersburg Junge Künstler Laura Haase, Rainer Leyk und Timo Sacher erhalten Preise

Der Förderpreis für gegenständliche Kunst des Bodenseekreises wurde von Landrat Lothar Wölfle verliehen.

Zum zweiten Mal wurde der Förderpreis für gegenständliche Kunst des Bodenseekreises von Landrat Lothar Wölfle an junge Künstler verliehen. „(Un-)Ding! Jung und gegenständlich“ ist die aktuelle Ausstellung im Roten Haus am Schlossplatz betitelt. Anders als 2010 wurden in diesem Jahr zwei Preise, jeweils mit 2000 Euro dotiert, von der Jury vergeben.

Als Preisträgerin im Bereich Zeichnung wurde Laura Haase (Brandenburg an der Havel) von der fünfköpfigen Jury ausgewählt, den Preis im Bereich Malerei erhielt Rainer Leyk (Heilbronn). Zudem bot sich dem Publikum während der Ausstellung die Möglichkeit, für ihren ganz persönlichen Favoriten abzustimmen, der ebenfalls mit einem Preis in Höhe von 1000 Euro ausgezeichnet wurde. Hier entschied Timo Sacher (Stuttgart) mit seinem großformatigen Werk „All I want is a good home and a wife and a children and some food to feed them every night“ ein Kopf-an-Kopf-Rennen unter vier Bewerbern für sich.

Heike Frommer, Leiterin der Galerie Bodenseekreis, würdigte in ihrer Laudatio im Spiegelsaal des Neuen Schlosses das große zeichnerische Vermögen, mit dem Laura Haase die Jury überzeugt habe. Das Porträt ihrer Großmutter Ingeborg besteche nicht nur mit handwerklicher Brillanz, sondern lebe vor allem durch die Intensität im Ausdruck, einer psychologischen Tiefe, die einer sehr genauen Beobachtungs- und Auffassungsgabe entspringe. In der Arbeit wird ein großes Interesse für den Porträtierten spürbar, die Nähe zu ihm, die Neugier auf das Wesen eines Menschen und auf die Veränderungen, die in ihm vorgehen. „Laura Haase hat dieses alte Gesicht mit Akribie und großem Feingefühl studiert“, so Frommer. An der Aquarelltechnik, sagt Haase, interessiere sie das zeichnerische ebenso wie das malerische Element. „Doch diese Technik“, betont Frommer, „erfordert eine große Geschicklichkeit. Im Gegensatz zur Öl- oder Acrylmalerei muss hier jeder Strich auf Anhieb sitzen, Korrekturen sind schwer oder gar nicht zu machen. Beim Porträtieren entsteht kein Gemälde, sondern eine Pinselzeichnung. Das zeichnerische Element steht schon während der Entstehung des Porträts im Vordergrund.“

Rainer Leyk, Preisträger im Bereich Malerei, täuscht mit den Arbeiten aus seiner Serie „Ohne Titel“ den Blick des Betrachters. Leyk spielt mit dem Medium der Fotografie und dem der Malerei, setzt die Bildebenen strukturell und farblich in Gegensatz zueinander. Der Hintergrund, ein lichter Sommerwald, sieht aus wie ein Foto, ist jedoch mit Pinsel und Öl gemalt. Das Spiel der Blätter im Wind scheint der Künstler hinter Glas gelegt zu haben, um die Front mit einer dicken Farbschicht zu beschmieren. Doch nichts ist, wie es scheint. Die dicke Farbschicht ist nicht dick, obwohl sie im Auge des Betrachters wie ein Relief hervor zu springen scheint. Geht man dicht ans Bild heran, stellt man verblüfft fest, dass die Oberfläche völlig plan ist. Für den Wald wählte Leyk eine fotografische Vorlage, die er ohne Abwandlung mittels Ölmalerei auf die Leinwand brachte. „Die scheinbar spontanen Farbspuren sind kein Prozess des partiellen Überdeckens von Fotografie“, so Leyk, „sondern bilden ein Ergebnis nach einer systematischen Vorgehensweise im Bildfindungsprozess.“

„Innerhalb des Kunstwerks entsteht so eine Polarität, die das ausmacht, was den Betrachter ein zweites und ein drittes Mal hinschauen lässt“, resümierte Laudatorin Heike Frommer. „Man kann nicht glauben, was man sieht und genau das ist es, was an Leyks Arbeiten fasziniert.“ Die Jury war von Rainer Leyks handwerklichem Können überzeugt. Seine Malerei lasse Illusionen entstehen, die malerische Technik sei ausgefeilt und präzise. Zudem überzeuge die gelungene Verbindung zweier optisch konträrer Bildinhalte und die Originalität der Bilder. Publikumsfavorit Timo Sacher fügte unzählige einzelne Kartonstücke zu einem großformatigen Kunstwerk zusammen. Zu sehen sind Baumstämme, zwischen denen sich der Himmel in unterschiedlichen Tönen spannt. Im Vordergrund liegt ein totes Wildschwein, dahinter ein Jäger in der Hocke, seine rechte Hand stützt er auf ein Gewehr. Der Verwendung von Kartonstücken als Malunterlage haftet ganz bewusst etwas Provisorisches an. Neben Acrylfarbe hat der Künstler Sprühlack verwendet. „Auf Karton habe ich gemalt, weil es ein Wegwerfprodukt unserer Zeit ist“, so Sacher. „Träumerische Bildwelten gebannt auf Abfallprodukten rufen den interessanten Widerspruch dieser Arbeit hervor.“ Heike Frommer bemerkt, dass Sacher zu den wenigen Künstlern in der Ausstellung gehöre, die sich kritisch mit der Umwelt auseinander gesetzt haben.

Publikumsfavorit Timo Sacher vor seinem  Werk „All I want is a good home and a wife and a children and some food to feed them every night”, Acryl, Sprühlack auf Karton.
Publikumsfavorit Timo Sacher vor seinem Werk „All I want is a good home and a wife and a children and some food to feed them every night”, Acryl, Sprühlack auf Karton. | Bild: Klaas

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