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Meersburg Helmut Mooshammer nach 28 Jahren wieder in "Nero lässt grüßen"

Helmut Mooshammer hat im Vineum Bodensee in Meersburg Künstler-Kaiser Nero gespielt. Schon vor 28 Jahren hatte er bei der Premiere des Walser-Stückes "Nero lässt grüßen" die Figur verkörpert.

Viele der Zuschauer im Veranstaltungsraum des Vineum Bodensee waren wohl bereits 1989 bei der Premiere des Stückes "Nero lässt grüßen" von Martin Walser dabei. Der hatte das Stück seinerzeit extra für das Sommertheater Meersburg geschrieben, dessen Mitinitiator er 1985 gewesen war. In dem Monodram spielte damals wie heute Helmut Mooshammer den römischen Kaiser, der sich – auf der Flucht vor seinen Mördern aus Rom – als verkannter Künstler und nicht, wie sonst meist dargestellt, als blutrünstiger und irrer Machtmensch präsentiert.

In einer Mischung aus Angst und Hybris – "Oder ist dies meine letzte Nacht? Todesursache: Todesangst", aber auch "Wo ich nicht bin, ist Provinz" – flieht er mit seinen drei letzten Vertrauten in Richtung Alexandria, wo er hofft, als Sänger ein neues Leben führen zu können. Tagsüber verstecken sie sich in Sandgruben. Ihrem Ziel näher kommen sie nur "barfuß, nachts und querfeldein". Für Rom und dessen mächtige Bewohner hat der Kaiser nur Spott übrig. "Es ist der Stolz des römischen Senats, das teuerste Bordell der Welt zu sein", kommentiert es dessen Bestechlichkeit. Und fast verallgemeinernd fügt er hinzu: "Je angesehener einer ist, desto verächtlicher ist er: Das muss man in den Schulen lehren. Die Welt wird in Rom zur Schule gehen, die Lüge zu lernen." Kaiser sei er nur wider Willen und seiner ehrgeizigen Mutter Julia Agrippina zuliebe geworden. Die aber hätte ihm den größten Schimpf zugefügt, den man einem Sänger nur zufügen könne: "Meine Stimme sei dumpf und klein."

Gerade in diesen Momenten, in denen er den verletzlichen, zweifelnden Künstler spielte, überzeugte Mooshammer besonders. Durchgehend auf einem Stuhl sitzend deutete er mit sparsamen Mitteln an, wie einsam und angeschlagen dieser einst Mächtige nun war: ein kleines Zucken im Gesicht, das Reiben der Hände, ein verzweifelter Blick, vor allem aber eine Stimme, mit der er die ganze Bandbreite dieser von Martin Walser uminterpretierten Figur darstellte. Nero, der Todessehnsüchtige. Nero, der Grausame. Nero, der größenwahnsinnige Künstler. Nero, der Angst vor dem Tod hat. Diesen Eindruck aber will er der Nachwelt nicht gönnen. Deshalb sollen seine Begleiter in Rom erzählen, er sei lachend gestorben, singend, angstfrei. Anhaltender Applaus des Publikums belohnte Mooshammer für seine exzellente Lesung.

Im anschließenden Gespräch mit Franz Schwarzbauer, dem früheren Meersburger Kulturamtsleiter, erinnerten beide an die Erstaufführung des Stückes in der Hämmerle-Halle. Er sei "mumifiziert mit Quark, Gips, Bandagen und einem Wintermantel" gewesen, und das bei hochsommerlichen Temperaturen. "Eines Tages kam Herr Walser vorbei und fand das wohl alles Kokolores." Er hätte es besser gefunden, wenn Mooshammer einfach da gesessen hätte, "so wie ich es heute Abend gemacht habe". Nach 28 Jahren aber sei das jetzt "ein neues Lesen gewesen". Dabei habe er festgestellt, dass das Stück durch die neuesten Entwicklungen heute viel politischer sei als damals und auf neue Art hochaktuell. An Meersburg hat er gute Erinnerungen. "Ich habe hier viele schöne Sachen gemacht."

Das sei ein damals typischer Ansatz gewesen, "Theater in neue Räume zu bringen. Das war ein ehrgeiziges und nicht billiges Projekt, das aber nicht an den Bürgern vorbei geplant, sondern von einer Bürgerinitiative unterstützt wurde. Diese Menschen waren Freunde des Theaters. Diese Liebe, die in Meersburg für das Theater da war, war für beide Seiten gut". Aussichtslos findet Mooshammer auch die aktuelle Lage nicht. "Es gibt keinen Parkplatz, der nicht Platz genug hätte, um ein Zelt darauf zu stellen und Theater zu spielen."

 

Zur Person

Helmut Mooshammer wurde im Jahr 1955 in Österreich geboren. Nach einer Schauspielausbildung in Linz ging er zunächst an die Städtischen Bühnen Münster, ehe er von 1987 bis 1991 ein Engagement am Stadttheater Konstanz annahm, in dessen Verlauf er auch am Sommertheater Meersburg – unter anderem in der Rolle des Nero – auftrat. Über das Staatstheater Kassel und das Schauspielhaus Düsseldorf führte ihn sein Weg von 2000 bis 2009 schließlich an das berühmte Hamburger Thalia Theater. Seit 2009 ist Helmut Mooshammer am Deutschen Theater in Berlin engagiert.

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