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Meersburg Gymnasiasten diskutieren über Rassismus

Miguel Prieto-Valle vom Deutsch-Amerikanischen Institut spricht vor Schülern in Meersburg über das Thema Rassismus

„Sieht mich hier jemand als Weißen?“, fragt Miguel Prieto-Valle vom Deutsch-Amerikanischen Institut Tübingen. Die Zwölftklässler im Theatersaal des Droste-Hülshoff-Gymnasiums schütteln den Kopf. Man sieht dem US-Amerikaner den Latino-Anteil unter seinen Vorfahren deutlich an. Prieto-Valle referiert auf Einladung von Oberstudienrätin Elke Walle auf Englisch über „Rassenkonflikte in einer multikulturellen Gesellschaft“. Dabei dient der 2004 entstandene Film „L.A.-Crash“ als Mikrokosmos und Modell. Mit diesem Sujet befasst sich eines der neuen Schwerpunktthemen im Fach Englisch, in dem die Schüler im März ihr Abitur schreiben.

In den USA hätten die Schüler bei Prieto-Valles Frage vielleicht gezögert, denn dort verlangt die „politische Korrektheit“ offiziell „Farbenblindheit“. Prieto-Valle findet, das funktioniere nicht. Ethnische Unterschiede wahrzunehmen, liege in der Natur des Menschen. Aber wie entsteht Rassismus? Prieto-Valle lässt die Schüler diskutieren, worin der Unterschied zwischen Vorurteilen und Rassismus bestehe. Fazit: Rassismus heißt nicht nur, von der Überlegenheit einer Rasse überzeugt zu sein, sondern auch die Macht zu haben, andere zu diskriminieren. Prieto-Valle wirft einen kritischen Blick in die Vergangenheit der USA und spricht von einer Geschichte von gewaltsamer Landnahme und Völkermord. „Rasse“ sei ein erfundener Begriff, konstruiert von jenen, die davon profitierten: den Weißen. Prieto-Valle erinnert an Rassenunruhen, ausgelöst durch brutale Polizisten und deren Straffreiheit, so 1992 in L.

A. oder jüngst in Ferguson. Dann spricht er mit den Schülern über „Crash“, ein Film mit mehreren Handlungssträngen zum Thema Rassismus, der auch Konflikte zwischen Minderheiten beinhaltet. Die Grenzen zwischen Helden und Schurken sind fließend, der Hauptdarsteller ist die Angst, findet Prieto-Valle. Die 17-jährige Pia Fleig fasst das prägnant so zusammen: „Es gibt keinen wirklich Bösen in diesem Film. Jeder Böse tut irgendwann auch etwas Gutes und am Schluss versteht man gar nichts mehr.“ Ob die Lage im Land so schlimm sei wie im Film, fragt Walle. Sie sei so schlimm, meint Prieto-Walle, gleichzeitig übertreibe der Film sie aber auch. Dessen Vertiefung durch den Vortrag finden Pia und ihre Mitschülerin Nina Strauch gut. Sie waren noch nie in den USA, würden aber beide gerne mal hin. Der Film, der Schattenseiten des Landes zeigt, „beschäftigt mich“, sagt Pia. „Aber ich finde es besser, wenn man die Wahrheit erfährt.“

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