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Meersburg Diebischer Fuchs mit Leidenschaft für Latschen nicht allein

Er hat, schlau und hinterlistig wie Reineke eben ist, die Menschen mal wieder an der Nase herumgeführt. Denn noch nicht einmal Experten können sich erklären, warum ein Fuchs die vielen Schuhe (50 an der Zahl, der SÜDKURIER berichtete am Samstag) in Meersburg gestohlen haben könnte.

Aber Wellen geschlagen hat der Artikel allemal. So konnte sich eine Leserin aus München (!) diese Sache auch nicht erklären, obwohl sie schon des Öfteren „Opfer“ eines Schuh liebenden Fuchses geworden ist: „Guten Morgen aus München, ein Fuchs klaut auch unsere Schuhe, so man sie draußen stehen lässt. Übrigens auch tagsüber. Hat etwas gedauert, bis wir den Zusammenhang erkannt haben. Da waren schon etliche Schuhe verschwunden. Wir wohnen im Münchener Stadtgebiet, hier gibt es etliche Füchse und natürlich auch Marder. Viele Grüße an den Bodensee, Karin Schulz.“

Und im Internet sind zahlreiche ähnliche Fälle zu finden. Aus Berlin etwa oder dem bayerischen Land. Nirgendwo jedoch ist die Ursache für dieses eher menschliche Verhalten zu erfahren. Es gäbe keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber, so sagt es zumindest der Leiter der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg in Aulendorf, Manfred Pegel, der in seiner heimischen Zeitung über den Fall in Meersburg gestern Morgen gelesen hatte. „Mich hat die ganze Geschichte eher amüsiert, denn ich wäre mir nicht so sicher, dass das tatsächlich ein Fuchs gewesen ist“, so der Wissenschaftler. Allerdings hat er wohl in seiner Zeitung die verkürzte Version der Geschichte vorgefunden, und somit nichts darüber gelesen, wie der Meersburger Horst Schneider, der Finder der verloren gegangenen Schuhe, sich auf die Suche nach den vermissten Tretern gemacht hatte. Gefunden hat er sie aufgetürmt vor dem Fuchsbau.

Ein Fuchs hat in Meersburg hohe Wellen geschlagen, weil er auf Schuhe steht. Gleich 25 Paar hat er in der Nachbarschaft der Von-Laßberg-Straße gemopst – ziemliche viele für ein Tier. Über Monate hinweg hatte er sich das Schuhwerk angeeignet, bis ihm der Meersburger und Anwohner der Straße, Horst Schneider, auf die Schliche kam. Wie sich jetzt herausstellte, ist das Phänomen keinesfalls einzigartig. In Großstädten wie auch auf dem Lande sind Füchse dem menschlichen Schuhwerk verfallen. Immer wieder gab es Zeitungsberichte über tierische Schuhliebhaber. Auch die Überlinger SÜDKURIER-Redaktion erreichten viele Leser-Mails, die von Fuchsgeschichten berichteten. Bilder: DPA
Ein Fuchs hat in Meersburg hohe Wellen geschlagen, weil er auf Schuhe steht. Gleich 25 Paar hat er in der Nachbarschaft der Von-Laßberg-Straße gemopst – ziemliche viele für ein Tier. Über Monate hinweg hatte er sich das Schuhwerk angeeignet, bis ihm der Meersburger und Anwohner der Straße, Horst Schneider, auf die Schliche kam. Wie sich jetzt herausstellte, ist das Phänomen keinesfalls einzigartig. In Großstädten wie auch auf dem Lande sind Füchse dem menschlichen Schuhwerk verfallen. Immer wieder gab es Zeitungsberichte über tierische Schuhliebhaber. Auch die Überlinger SÜDKURIER-Redaktion erreichten viele Leser-Mails, die von Fuchsgeschichten berichteten. Bilder: DPA
Nicht ganz ungefährlich fand dies der Leiter des Veterinäramtes im Landratsamt, Günter Herrmann: „Ich würde die Schuhe nicht weiter verwenden.“ Grund zur Sorge ist der Fuchsbandwurm, ein Parasit, den jeder zweite oder dritte Fuchs in sich trägt. Für Menschen ist das nicht ungefährlich, schlimmstenfalls können sie daran sterben oder müssen lebenslang Tabletten einnehmen. „Für einen Normalbürger besteht keine Gefahr, unter diesen Umständen aber würde ich vorsichtig sein“, schließlich kann der Schuh mit dem Speichel oder dem Kot des Fuchses in Berührung gekommen sein. Für das seltsame Verhalten des Fuchses hat der Veterinär jedoch keine Erklärung, außer: „Füchse haben eine sehr feine Nase…“

Die Vermutung, dass möglicher Schweiß in den Schuhen den Fuchs angelockt haben könnte, haben auch einige User. Interessant dabei die Theorie: „Verschwitzte Wäschestücke und Schuhe haben oft eine Art Ammoniakgeruch, der den Geschlechts- oder Markierungspheromonen der Tiere ähnelt und diese anlockt“, zu finden ist dieser Beitrag in einem Wissens-Netzwerk.

Als „völligen Quatsch“, bezeichnet dies Manfred Pegel: „Das halte ich eher für ein Gerücht. Schweißgeruch ähnelt auch dem der Buttersäure und die wirkt eher abschreckend für Tiere.“ Und wie wäre es mit der Theorie einer SÜDKURIER-Leserin, die die Redaktion per Mail erreichte? Sie sieht in dem Verhalten der Tiere sehr starke Parallelen zum Menschen: „Dasselbe passiert auf dem Bauernhof bei meiner Tochter in der Schweiz jedes Jahr, wenn die Füchse Junge haben! Wir konnten zusehen, wie die Kleinen damit spielten und mit Wonne darauf herumkauten! Vermutlich lieben sie den Geschmack von Leder (oder Fußschweiß!) und Zähne bekommen sie ja auch!“

Der Experte meinte dazu: „Der Nährwert der Schuhe ist gleich null. Die einzige plausible Erklärung wäre für mich, dass die Füchse sich aufgrund der Verstädterung immer mehr mit menschlichen Dingen beschäftigen.“ Normalerweise sei dies aber in Form von Abfällen oder Komposthaufen zu beobachten.

Da der Leiter der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg noch nicht überzeugt davon ist, dass tatsächlich ein Fuchs hinter dem Schuhverlust stecken könnte, machte er folgenden Vorschlag: „Um es herauszufinden, sollte man erneut Schuhe über Nacht draußen stehen lassen und eine Kamera installieren. Vielleicht kann man den Täter dann überführen.“

Misstrauen wird wohl für ewig eher eine menschliche Eigenart sein. So lasse man dem Fuchs doch seine Hobbys, für den Menschen bliebe da nur noch zu überlegen: Wäre dies nun eine Fabel, was wär' die Moral von der Geschicht?

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