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Meersburg Die Schatzkammer steht jetzt offen

Meersburg – Sensationelle Buchschätze aus der Frühzeit der Buchdruckkunst sind seit Samstag in der Bibelgalerie Meersburg der Öffentlichkeit zugänglich, darunter das wohl wertvollste gedruckte Buch der Welt, die „Stuttgarter 36-zeilige Bibel“ (B 36). Bei der Eröffnung der Sonderausstellung gab Eberhard Zwink einen Überblick über die spannende Historie des Buches und die ebenso interessante Forschungsgeschichte dazu.Zwink ist der Leiter der Abteilung alte und wertvolle Drucke der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, von der die Leihgaben stammen.

Das wohl wertvollste gedruckte Buch der Welt, die „Stuttgarter 36-zeilige Bibel“, können Besucher seit Samstag in der Meersburger Bibel-galerie bewundern. Ihre Faszination ist auch auf einen ihrer besten Kenner ungebrochen: Eberhard Zwink (im Bild), Leiter der Abteilung alte und wertvolle Drucke der Württembergischen Landesbibliothek, die Leihgeberin, referierte zum Ausstellungsauftakt.
Das wohl wertvollste gedruckte Buch der Welt, die „Stuttgarter 36-zeilige Bibel“, können Besucher seit Samstag in der Meersburger Bibel-galerie bewundern. Ihre Faszination ist auch auf einen ihrer besten Kenner ungebrochen: Eberhard Zwink (im Bild), Leiter der Abteilung alte und wertvolle Drucke der Württembergischen Landesbibliothek, die Leihgeberin, referierte zum Ausstellungsauftakt. | Bild: Bild: Floetemeyer

Denn außer der „B 36“ sind noch etliche weitere Kostbarkeiten aus der Frühzeit des Buchdrucks vor 1500 zu sehen, so genannte Inkunabeln.

Ab 20. August wird auch abermals die Gutenbergbibel ausgestellt, die bereits 1988 zu Gast in Meersburg war. Seither besteht die Kooperation zwischen der Landesbibliothek und der Bibelgalerie, die vor allem der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Zwink und Thea Groß, der Leiterin der Bibelgalerie geschuldet ist. „So gern wie hier bin ich nirgends, weil hier alles so gut geht“, lobte Zwink ausdrücklich den weiblichen Geist, der in der Galerie herrsche. Das gute Verhältnis dürfte auch nach Zwinks Pensionierung in drei Monaten fortgesetzt werden. Das versicherte Zwinks Nachfolger Christian Herrmann, der ebenso zu der Eröffnung gekommen war wie eine ganze Reisegruppe aus Zwinks Heimatort Lorch-Waldhausen im Remstal sowie der Landrat des Bodenseekreises Lothar Wölfle, die evangelische Dekanin Susanne Erlecke und Vinzenz Naeßl-Doms, Herr der Meersburg. Die städtische politische Prominenz machte sich ansonsten, mit Ausnahme eines Stadtrats, ausgesprochen rar.

Auch sie hat aber noch bis 3. Juli Zeit, die „B 36“ zu besichtigen. Das Buch hat eine wechselvolle Vergangenheit. Nach langer Recherche, zu der Zwink maßgeblich beitrug, geht man heute davon aus, dass sie vermutlich 1461 in Bamberg entstand. Das ursprünglich dreibändige Werk war mit 848 Blättern die größte Bibel, die je gefertigt wurde. Weltweit gibt es nur noch 15 Exemplare, während von der Gutenbergbibel noch 49 existieren. Die Württembergische Landesbibliothek verdankt den Besitz von Band I und III – der zweite fehlt – sowie die Tatsache, dass sie heute die drittgrößte Bibel- und zweitgrößte Inkunabelnsammlung der Welt besitzt, Herzog Karl Eugen von Württemberg. Der Potentat, der 1765 die erste öffentliche Bibliothek in einem absolutistischen Land gründete, war ein großer Büchernarr, ansonsten aber eher weltlich gesinnt: Als er starb, hinterließ er „8000 Bibeln und 250 uneheliche Kinder“, wie Zwink trocken anmerkte.

Die „B 36“ fuggerte der Herzog einem Memmiger Pfarrer ab, dessen bibliomaner Vater sie wahrscheinlich auch nicht ganz sauber erworben hatte, vielleicht indem er einen Klosterbibliothekar übers Ohr haute. Große Bücher haben spannende Geschichten, die ständig fortgeschrieben werden. So sprach Thea Groß angesichts der aufwändigen Vorbereitungen für die Schau mit den kostbaren Raritäten von einem „Sonderausstellungskrimi“ und dankte allen Helfern und Mitwirkenden. Darunter war auch das Heinrich-Schütz-Consort, das unter Leitung von Bezirkskantor Thomas Rink die Eröffnung mit Musik aus dem 16. Jahrhundert umrahmte.

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