Ein ungewöhnliches Schiff liegt derzeit am BSB-Hafen: die historische Fähre „Meersburg ex Konstanz“. Unzählige Male ist sie zwischen 1928 und 1963 zwischen Konstanz und Meersburg hin und her gependelt.
Doch der letzte Besuch der ehrwürdigen alten Dame, die jetzt wieder in neuem Glanz strahlt, liegt weit zurück. Und auch ihren derzeitigen Aufenthalt verdanken die Meersburger nur der Tatsache, dass sie an ihrem vorigen Standort, dem restaurierten alten Fähreanleger in Konstanz-Staad, kaum noch Wasser unterm Kiel hatte. Das Schiff drohte aufzusetzen und beschädigt zu werden. Deshalb schleppte man es am 8. Februar nach Meersburg, wo es wohl bis Ende März, bis zum Beginn der Schifffahrtsaison, Asyl finden kann, bevor es wieder nach „Übersee“ zurückkehren wird.
Auch in Meersburg läuft die letzte Phase der aufwändigen Restaurierung auf Hochtouren weiter. Jeden Tag geben Profis wie der Metallbaumeister Johannis Gerlitzki und viele unermüdliche ehrenamtliche Helfer des Vereins „Rettet die Meersburg ex Konstanz!“ dem Schiff den letzten Schliff. Vor wenigen Tagen fand der Krängungstest statt. Dabei prüft man, wie das Schiff auf Belastungen reagiert, ob und wie sich dadurch seine Lage verändert. Der Betrieb Herter aus Grasbeuren, einer von vielen treuen Unterstützern des Vereins, verteilte dazu per Kran auf dem Deck vier Betonklötze, die jeweils rund 1,1 Tonnen wogen.
Fast täglich an Bord ist Pionier Gernot Widmer, der sich seit Mitte der 80er Jahr um das Schiff kümmert, das damals noch als „Rosteimer“ vor Überlingen lag. Damals hatte es nicht nur seine besten Tage als Fähre sondern auch seine Zeit als Arbeitsschiff „Lukas“ längst hinter sich und rottete nur noch vor sich hin. Widmer, der daneben sein Segelschiff liegen hatte und ein begeisterter Oldtimer- und Technik-Fan ist, wollte es nicht zulassen, dass sein damaliger Besitzer, ein Bauunternehmer, die ehemalige Fähre schließlich verschrotten lassen wollte. Der Eigentümer „schenkte“ Widmer letztlich den völlig herunter gekommenen Pott, und Widmer überließ ihn dann, für eine symbolische Mark, dem 1993 gegründeten Verein. Auch nach all den Jahren mühsamer Arbeit brennt Widmer für das Technikdenkmal ebenso wie die anderen „Männer der ersten Stunde“, zu denen, neben vielen anderen, Rudolf Christiani, Horst Stocker und Josef Herzog gehören. Stundenlang können sie Interessantes über „ihr“ Schiff erzählen. So berichtet Christiani, dass Konrad Adenauer, der in Meersburg einen alten Freund hatte, oft auf der „Meersburg“ zu Gast war und auf der gleichen Bank saß, auf der nun die Vereinsmitglieder hocken.
Das schmucke Schiff lockt auch Meersburger Passanten an. So kommt Hotelier Michael Off mit seinem kleinen Sohn vorbei. Off kannte es noch als Rammschiff „Lukas“, sein Vater habe ihm aber erzählt, dass es zuvor eine Fähre gewesen sei.
Auch Karla Reißmüller lugt in die historische Passagierkabine hinein und meint zu der Fähre: „Die isch so alt wie ich.“ Sie sei nämlich im Dezember 1927 geboren. Christiani fragt launig. „Sind Sie auch schon runderneuert worden?“ Reißmüller lacht: „Nicht ganz.“ Widmer führt sie in den Schiffsbauch und erklärt die Technik. Spannend macht er das, der gelernte Maschinenbauer und langjährige Erzieher, so dass die Zuhörer ehrfürchtig die geniale Symbiose von alter und neuer Ingenieurskunst bestaunen. Neben den beiden instand gesetzten alten MWM-Dieselmotoren ist die Fähre heute mit neuen Wasserturbinen ausgestattet und kann sowohl mit der historischen als auch der modernen Technik gefahren werden.
Rund 60 Prozent der gesamten Schiffsausstattung seien restaurierte Originalteile der alten Fähre, sagt Widmer. Diese wird auch wieder ihren ursprünglichen Namen „Konstanz“ bekommen, obwohl sie den nur zwei Jahre lang trug, bis die Stadt Konstanz 1930 ihre zweite Fähre in Betrieb nahm und die erste in „Meersburg“ umtaufte. Zwei private Sponsorinnen für den Schriftzug hat der Verein inzwischen ebenfalls gefunden, nachdem die Stadt Konstanz abgelehnt hatte, einen entsprechenden Zuschuss zu gewähren. Die edlen Spenderinnen, Mutter und Tochter, sind aus Stuttgart.