Als sie ihre Schwangerschaft bemerkte, dachte die 16-jährige Laura Mehmi aus Meckenbeuren-Brochenzell (Bodenseekreis) an Abtreibung. Doch dann hat sie sich für ein Leben mit ihrem Baby entschieden. Am Sonntag feiert sie ihren ersten Muttertag.
Der Teenager wirkt glücklich mit seiner zwei Monate alten Tochter Iliana Shayenne und nennt sie zärtlich „Prinzessin“. Aus heller Verzweiflung über die ungeplante Schwangerschaft wurden echte Mutterfreuden, aus den Gedanken an eine Abtreibung die Einstellung: „Man kann alles schaffen, wenn man nur will.“
Als Laura Mehmi ihre Schwangerschaft bemerkte, war sie bereits in der elften Schwangerschaftswoche. „Ich habe die Pille genommen, aber bei Durchfall oder Erbrechen ist die ja nicht sicher. Da war ich wohl nicht vorsichtig genug.“ Durch das Ausbleiben der Periode ist sie zwar stutzig geworden, „aber die Frauenärztin hat gesagt, das könne mal passieren, dass die Tage ausbleiben. Sie hat mich nicht mal untersucht.“
Laura Mehmi war auf einem Seminar, als sie die Schwangerschaft bemerkte. Mit der Schule war sie fertig, das Seminar diente dem Einstieg in die Ausbildung zur Friseurin. Sie stand unter der Dusche und stellte fest, dass ihr Bauch sich verändert hatte. Die knapp 16-Jährige ging sofort zum Frauenarzt – der den Verdacht auf Schwangerschaft bestätigte. „Ich habe geheult und alles an meinem Partner ausgelassen“, blickt die junge Frau zurück. Der 18-Jährige sei ebenfalls „total schockiert“ gewesen. „Aber er hat gleich gesagt: Nicht wegmachen lassen.“ Das Gleiche habe ihre Mutter geraten. „Sie hat mich gebeten, nicht abzutreiben, denn das würde mich psychisch kaputt machen.“
Die Mutter versprach ihrer Tochter, sie in allem zu unterstützen: „Sie hat gesagt, zusammen kriegen wir das hin. Und sie hat gesagt, dass sie dafür sorgen will, dass ich meine Jugend ausleben kann. Dass sie auf das Baby aufpasst, wenn ich mal ausgehen will.“
Laura Mehmi hatte nur sieben Tage Zeit, sich zu entscheiden. Für oder gegen das Kind. „Ich habe mich gegen eine Abtreibung entschieden, weil ich so viel Unterstützung hatte und wusste, dass ich meine Ausbildung trotzdem machen kann.“ Die Ausbilderin versprach, ihr den Ausbildungsplatz bis zum Jahr 2013 freizuhalten. „Dann werden sich eine Tagesmutter und meine Mama mit der Betreuung der Kleinen abwechseln“, sagt Mehmi. Bis dahin will sie den ganzen Tag für ihr Baby da sein. „Ich fühle mich in meiner Mutterrolle besser als gedacht. Ich bin total vernarrt in die Kleine“, sagt Mehmi, während sie ihr Mädchen auf den Armen schaukelt und ihm das Fläschchen gibt. „Klar habe ich einige Freiheiten aufgegeben. Aber wenn ich die Prinzessin angucke, denke ich: Es lohnt sich.“
Auch Laura Mehmis Freunde haben sich daran gewöhnt, dass die 16-Jährige nun Mutter ist. Die meisten zumindest. „Meine wahren Freunde schauen drauf, dass ich mitkommen kann wenn wir weggehen, oder sie kommen zu mir. Sie sind alle vernarrt in die Kleine.“
Vernarrt in Iliana Shayenne ist auch deren Vater, der Laura Mehmi, gemeinsam mit ihrer Mutter, bei der Geburt beistand. „Er kommt sie jeden Tag besuchen. Und auch seine Eltern lieben die Kleine. Meine vier jüngeren Schwestern genauso“, sagt die 16-Jährige, die mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter in einer Wohnung lebt. Diese Konstellation birgt Konfliktpotential – und Laura Mehmi weiß um ihr Glück, dass es ihr und ihrem Kind dabei gut geht. Für viele minderjährige Mütter sieht das Schicksal anders aus.
Bis zu ihrer Volljährigkeit bleibt Laura Mehmi bei ihrer Mutter wohnen. Obwohl ihr Freund will, dass sie zu ihm zieht. „Ich möchte einen Führerschein haben und eine Ausbildung. Ich möchte nicht abhängig sein“, erklärt sie.
Noch trägt die kleine Iliana Shayenne den Nachnamen ihrer Mutter. Doch auf Wunsch des Vaters wird sie seinen Nachnamen annehmen, sobald Lauras Eltern die Vaterschaftsanerkennung unterschrieben haben. Dieses Papier muss bei allen unverheirateten Paaren von beiden Elternteilen – bei Minderjährigen vom Vormund – unterzeichnet werden. „Meinem Freund war das mit dem Namen sehr wichtig“, sagt Mehmi.
Ihre Botschaft an andere minderjährige Mütter: „Egal wie alt man ist, wenn man Unterstützung hat, dann kriegt man das hin. Klar, es wird sich was verändern, aber die Veränderung packt man.“ Leicht sei es zwar nicht. „Aber wenn man sein Kind auf dem Arm hat, dann ist alles andere egal.“

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