Meckenbeuren Shakespeare hätte seine Freude gehabt
Bild: Bild: Kerstin Schwier
Meuchelmord, Dämonenbeschwörung und Bardenmusik – den Besuchern des Kulturschuppens am Gleis 1 wurde am Samstagabend einiges geboten. Die Laienspielgruppe Meckenbeuren hatte sich mit Terry Pratchetts „Mac Best“ ein äußerst anspruchsvolles Projekt ausgesucht und dieses mit Bravour gemeistert. In Anlehnung an Shakespeares „Macbeth“ werden in dem Stück Machtgier, Obrigkeitshörigkeit und Schicksalsgläubigkeit auf höchst unterhaltsame Weise parodiert. Nicht um die Krone Schottlands, sondern um die Herrschaft in Lancre dreht sich hier alles. Auch befindet sich Lancre nicht etwa auf der nördlichen Erdhalbkugel, sondern in der von Terry Pratchett erschaffenen Scheibenwelt.
Dennoch haben die Charaktere in Pratchetts Fantasywelt durchaus menschliche Züge, beziehungsweise ähneln den Shakespearschen Helden. Allen voran Herzog Felmet (Torsten Fahr): Getrieben von seiner machtbesessenen Gattin (Steffi Burkhard) ermordet er hinterrücks seinen Cousin König Verence und übernimmt die Herrschaft in Lancre. Wie Torsten Fahr die Grenzen zwischen Herrschaft und Wahnsinn, zwischen tyrannischem Diktator und devotem Ehemann auslotet, ist beeindruckend. „Ich war nicht dabei. Er fiel unglücklich“ – mit diesen Worten versucht er, sich aus der Affäre zu ziehen. Doch er kann den fortschreitenden Wahnsinn nicht aufhalten. So sehr er sich auch mit Hilfe von Schmirgelpapier und Feile bemüht, er kann die blutbefleckten Hände, Ausdruck seiner Schuld, nicht reinwaschen. Zudem muss er bald erkennen, dass die Herrschaft über Lancre langweilig ist.
Das Abbrennen von Häusern und Wäldern bringt nur kurzweilige Unterhaltung. Für die ihn peinigenden Schuldzuweisungen macht er die drei Hexen Esma Wetterwachs (Sabine Beck), Nanny Ogg (Susanne Barthel) und Magrat Knoblauch (Vanessa Köhler) verantwortlich. Um sich ihrer zu entledigen, verbreitet er böse Gerüchte über sie und schreckt auch vor Gefangennahme nicht zurück.
Was er allerdings nicht ahnt, ist, dass die drei Schicksalsweiber, wie sie sich nennen, den eigentlichen Thronfolger, den Sohn König Verences, im Säuglingsalter einer fahrenden Theatergruppe übergeben haben. Mithilfe eines mystischen Zeitsprunges von 20 Jahren, nüchtern berichtet von Erzählerin Barbara Kimpfler, treffen alle Beteiligten im großen Finale aufeinander. Herzog Felmet hat seinen Hofnarr (Alex Savarino) damit beauftragt, eben jene Theatergruppe dazu zu überreden, ein historisch geschöntes Stück über seine Herrschaft zu schreiben und aufzuführen. „Der Herzog will ein Theaterstück, das das Volk und vor allem ihn selbst davon überzeugt, dass er der rechtmäßige Herrscher ist“, berichtet der Hofnarr seiner angebeteten Hexe Margrat. Ob und wie sich alles zum Guten wendet, sei an dieser Stelle nicht verraten. Schließlich folgen an diesem Samstag und Sonntag noch zwei weitere Aufführungen, jeweils um 20 Uhr.
