Das darauf mitgebrachte Faltrad ist im Nu für den Besucher betriebsbereit und gemeinsam radeln beide – fernab vom Verkehrslärm der B 31 – zu ihr nach Hause.
Das eigene Auto hat Buggle Ende April zum Händler gebracht, um fortan ohne zu leben. Was anderen vermutlich schwer fiele: Für sie war es nur konsequent, sich von ihrem Auto zu trennen. Ihren Führerschein machte sie mit 31. Anfangs genoss auch sie das Autofahren, doch „im Laufe der Jahre wurde es mir lästig“. Bis 2004 besaßen sie und ihr Freund Stefan Huber selbst zwei Autos. „Da ich aber feststellte, dass uns ein Auto genügte, verkaufte ich meinen Polo.“ 2005 tauschten sie den verbliebenen Renault Twingo gegen einen geräumigen Ford Focus Kombi ein. „Der war schon praktisch“, gesteht Buggle.
Die 43-Jährige arbeitet als Selbstständige im Bereich Softwareentwicklung für die technische Dokumentation in Friedrichshafen und Biberach. Ihre Kundenbesuche erledigt sie mit Zug und Fahrrad.

Der „Fuhrpark“ daheim ist beachtlich, ein Rad für jede Gelegenheit sozusagen. Neben zwei Tourenrädern und zwei Mountainbikes verfügt das Paar zudem über zwei Lastenräder und zwei Falträder. Flink „faltet“ Buggle ihr Faltrad auf Koffergröße zusammen und kann dieses praktische und stabile Gefährt so überall bequem mit hinnehmen. „Im Schlafwagenabteil passt es wunderbar unters Waschbecken.“ Allerdings ist es mehr als nur persönliche Leidenschaft fürs Radfahren, die bei Buggle mitschwingt. „Das Automobil ist im innerstädtischen Verkehr ein überholtes Verkehrskonzept“, sagt Buggle und steht dazu.
Feuerwehr und Rettungswagen seien selbstverständlich unverzichtbar, aber die meisten Menschen bräuchten in der Stadt kein Auto. Wer weniger als 9000 Kilometer im Jahr fahre, für den rentiere sich das Auto ohnehin nicht. „Das Geld, das man für ein nicht vorhandenes Auto spart, kann man gut für ein Taxi einsetzen.“ Ein Umdenken sei hier erforderlich. Der ökologische Aspekt ist für die Datenfachfrau dabei nur ein Faktor, zumal sie realistisch feststellt: „Als Mitglied unserer Gesellschaft kann man gar nicht konsequent auf alles Umweltschädliche verzichten.“ Wichtig ist ihr der soziale Aspekt, denn sie ist überzeugt: „Unsere Gesellschaft würde sich freundlicher darstellen, wenn das Auto nicht solch einen Stellenwert hätte.“ Nicht zuletzt hat das Radfahren gesundheitliche Vorteile: „Ich tue nicht nur etwas für Umwelt und Gesellschaft, sondern auch für mich persönlich.“
Neben einer Taktverdichtung des öffentlichen Nahverkehr wünscht sich Buggle flexible Lösungen in Gegenden, „wo es dünn ist“. Lieferdienste sollten gefördert werden. Außerdem setzt sie sich für die Förderung des Car-Sharing ein und brachte Ende 2011 in Meckenbeuren dafür den Stein ins Rollen. Mittlerweile habe der Verein Bodenseemobil in Meckenbeuren fünf Mitglieder das Meckenbeurer Rathaus inbegriffen, denn dort gab man dafür einen Geschäftswagen ab.
„Noch läuft das Fahrrad in Deutschland nebenher“, sagt Buggle. Die Radwege seien aber bereits sehr gut ausgebaut. 2011 besuchte sie Kopenhagen, wo die Bewegung „Copenhagen Cycle Chic“ ihren Ursprung hat. Die Radfahrer seien dort optimal in den Verkehr integriert und dadurch weniger gefährdet. „Eine Autospurbreite ist den Radlern vorbehalten“.
