Bauern erwirtschaften 1 bis 1,5 Prozent des Bruttosozialproduktes, also des Volkseinkommens. Hinzu kommt die Verflechtung mit Gastronomie und Fremdenverkehr, die Arbeitsplätze schafft.
Wie sind die Prognosen für diesen Berufsstand?
Trotz verbesserter Preis- und Einkommenslage, trotz wachsenden Bedarfs an alternativen landwirtschaftlichen Rohstoffen wird der Strukturwandel weitergehen. Etliche Hofnachfolger haben sich bereits zum Aufhören entschieden, lassen den Betrieb aber noch bis zur Rente „auslaufen“. Das wirkt statistisch erst später.
Wagen Sie einen Blick in die Zukunft?
Der Strukturwandel bedingt eine Verringerung der regionalen Vielfalt. Wo früher die ganze Familie auf Feld fuhr, ist es heute ein einzelner Bauer mit Maschinen. Aber der Schwund am See ist geringer als im Bundesdurchschnitt.
Woran liegt das?
Unter anderem am Obstbau. Darauf haben sich die Bauern in seenahen Regionen spezialisiert. Das Wasser speichert Wärme, sorgt so für mildere Winter und ordentliche Säure in den Früchten: die Grundlage für den guten und feinen Geschmack, wie ihn beispielsweise Südtirol nicht erzielen kann.
Sind die Ursachen für den Strukturwandel bekannt?
Ziemlich genau. Es sind unbefriedigende Einkommen in Verbindung mit hohem Arbeitsaufwand. Viehhalter beispielsweise leben mit einer 70-Stunden-Woche ohne freie Wochenenden oder Urlaub. Der Beruf bringt hohe Investitionen mit sich und damit gewisse Risiken. Viehhalter sind aber Idealisten. Häufig ist die Bindung an den Hof größer als zum möglichen Arbeitsplatz in der Industrie. Das bestätigen die vielen Nebenerwerbslandwirte. Sie fahren Busse oder Lastwagen, arbeiten bei der Straßenmeisterei oder bei kommunalen Bauhöfen.
Fragen: Winfried Thum
