Der Goldene Tempel in Amritsar im indischen Punjab, 30 Kilometer von der indisch-pakistanischen Grenze, ist ein heiliger Pilgerort der Sikhs, einer Völkergruppe im Nordwesten Indiens, die sich zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert zu einer religiösen und politischen Macht entwickelte. Nach blutigen Auseinandersetzungen mit muslimischen, nicht indischen Machthabern, leben sie nun in relativer Autonomie und religiöser Freiheit. Man erkennt die gläubigen Sikhs an ihren mächtigen Turbanen. Viele von ihnen schneiden sich nie die Haare und drücken damit ihren Respekt vor dem Willen des Schöpfers aus. Das Gelände um den Goldenen Tempel darf nur ohne Schuhe betreten werden, man muss sich vorher die Füße waschen. Es herrscht penible Sauberkeit, jeder Quadratzentimeter wird ständig gewischt und gereinigt, im Tempelinneren sogar mit Milch. Auch die Männer müssen eine Kopfbedeckung tragen.
Der Goldene Tempel liegt inmitten eines künstlich angelegten Teiches, in dem sich die Gläubigen vor dem Betreten des Tempels reinwaschen oder heiliges Wasser trinken. Der Tempel ist vorwiegend aus Marmor und sage und schreibe 750 Kilogramm purem Gold erschaffen worden. Im Inneren wird den ganzen Tag von vier Priestern mit musikalischer Begleitung aus dem Heiligen Buch der Sikhs rezitiert und über Lautsprecher auf das ganze Tempelgelände übertragen, was eine fantastische Atmosphäre schafft.
30000 Pilger werden täglich unentgeltlich mit Essen versorgt. Wir haben noch nie zuvor einen eindrucksvolleren und friedlicheren Pilgerort besucht. Wir waren an diesem Tag die einzigen Bleichgesichter an diesem Ort und wurden herzlich in der religiösen Gemeinschaft willkommen geheißen, viele Pilger lachten uns an und reichten uns die Hand.
Zugleich mit Indien wurde Pakistan 1947 von den britischen Kolonialherren in die Unabhängigkeit entlassen. Die völlig unterschiedlichen religiösen Ansichten und Lebensweisen der Hindus und Moslems ließen sich nicht miteinander vereinbaren, und so entstanden zwei Staaten. Die Beziehungen der beiden Staaten waren noch nie besonders gut, der Grenzverlauf in der Provinz Kashmir ist bis heute nicht klar, ständig gibt es Kämpfe. Und seit 1998 bedrohen sich die beiden Atommächte sogar mit Nuklearwaffen.
Das gespannte Verhältnis wurde uns besonders beim Grenzübertritt nach Pakistan klar. Jeden Abend wird in einem theatralischen militärischen Akt die Grenze geschlossen. Einzig zu diesem Zweck sind auf beiden Seiten Tribünen für Zuschauer eingerichtet worden. Auf der pakistanischen Seite mussten Lina und ich nach islamischer Sitte auf unterschiedlichen Tribünen Platz nehmen. Auf der indischen Seite saßen die Geschlechter durcheinander. Dort führten Frauen in kunterbunten Saris provokativ mit lauter Musik Tänze auf. Auf unserer Seite schwang ein alter Patriot eine große pakistanische Fahne und heizte die Menge dazu an, im Chor "Es lebe Pakistan!" zu rufen. Auf der indischen Seite geschah das Gleiche, die Inder ließen natürlich ihr Land hochleben.
Dann wurden von in prächtigen militärischen Kostümen im Stechschritt schreitenden Soldaten die Fahnen beider Länder eingeholt und die Grenze für die Nacht geschlossen. Diese bizarre Zeremonie soll einmalig sein, für uns war es nur ein lächerliches Kasperle-Theater, ein überflüssiges nationalistisches Säbelrasseln der beiden Staaten, bei dem die Zuschauer auch noch begeistert mitmachen."

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer