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Markdorf Wo Kinder Fremde mit Steinen bewerfen

08.07.2005
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Am 2. September 2004 starteten Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Reise. Mit ihren Fahrrädern wollen sie nach China fahren. Über ihre Erlebnisse berichten sie exklusiv für den SÜDKURIER. Derzeit sind sie in Gilgit am Karakorum Highway.

Der Karakorum-Highway ist wohl der Traum eines jeden Tourenbikers. Auf 1200 Kilometern verbindet er als einzige Strasse Pakistan mit China. Der Bau dauerte von 1966 bis 1978 und kostete durch Erdrutsche und Steinschlag viele Menschenleben, fast eines für jeden Kilometer errichteter Strasse. Auch heute bedarf die Strasse ständiger Reparaturen, einige Stellen sind erst gar nicht asphaltiert, da die Fahrbahn ständig von Steinschlag aufgerissen wird. Dann ist der Highway oft tagelang gesperrt und schweres Räumgerät steht bereit, um die Schäden zu beseitigen. Die "Strasse der Freundschaft", wie sie auch genannt wird, führt durch die gewaltigen Gebirgsmassive des Karakorumgebirges und man wird ganz klein, wenn man mit dem Fahrrad hindurchfährt.

Auf diesem Weg kommt man auch durch die Region des wilden Kohistan. Hier herrschen rüde islamische Stammesgesetze, Frauen nehmen hier nicht mehr am öffentlichen Leben teil, und man sieht sie so gut wie gar nicht auf der Strasse. Lina trug ein langes weites Kleid in züchtigem Schwarz und war bis auf das Gesicht und Hände nach islamischem Brauch fast vollständig verhüllt, aber allein unsere Anwesenheit schien zu provozieren, und der Hass in den Augen vieler Männer war deutlich. Von den Kindern wurden wir mit Steinen beworfen. Wir sahen Männer mit Abbildungen von "Osama bin Laden" auf der Brust, und mit eindeutigen Handbewegungen wurde uns klar gemacht, dass uns der Kopf abgeschnitten gehört.

Wir haben die Region Kohistan zwar schon verlassen, aber aus Gründen der Sicherheit wollten wir in Pakistan nicht mehr im Freien übernachten.

Nach rund 8000 Höhenmetern auf fast 500 Kilometern Radelns in zwölf Tagen auf diesem Highway sagte ich zu Lina am frühen Nachmittag eines unerträglich heißen wolkenlosen Tages: "Bei mir geht nichts mehr." Das will etwas heißen, denn normalerweise bin ich der Stärkere im Team. Ich hatte einfach keine Kraft mehr. Ich versuchte mit Salz, Zucker und Vitaminen ein Defizit zu korrigieren, doch die Kraft kam nicht wieder. 25 Kilometer waren es noch bis zum nächsten Rasthaus und wir wollten dieses in der Hoffnung auf kalte Getränke und aus Gründen der Sicherheit unbedingt erreichen. Wir schoben oder fuhren bis tief in die Nacht.

Oft musste ich mich schon nach 500 Metern vor Erschöpfung flach auf den Boden legen, und der Mund wurde selbst nach reichlichem Trinken des teewarmen Wassers nach wenigen Minuten wieder staubtrocken. Nur drei Kilometer vor unserem Ziel brachen meine Kräfte und mein Willen völlig zusammen. 14 Stunden waren wir nun schon an diesem Tag unterwegs. Zum Zeltaufbau fehlte uns die Kraft, so rollten wir unsere Schlafmatten im Freien aus.

Ich verbrachte eine unruhige Nacht, in der einen Hand meinen hölzernen Verteidigungsstock, in der anderen meine Lenkertasche mit den Wertsachen. Unter normalen Bedingungen hätte ich die Nacht genossen. Es war sternenklar und der Vollmond beleuchtete die vereisten Hänge des 8125 Meter hohen Killermountains "Nanga Parbat".

Markdorf
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