Am 2. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer Fahrradtour nach China gestartet. Hier ihr fünfter Bericht:
Wir ziehen durch die Dörfer Rumäniens wie die Zigeuner. Doch Lina erzählte mir, dass die Zigeuner in fahrbaren Häusern leben. Wir leben nicht in Häusern, sondern in einem Zelt. Nomaden leben in Zelten und ziehen umher. So zählen wir eher zu den Nomaden. Wir sind Fahrradnomaden.
Wenn wir langsam an den Feldern vorbei fahren, können wir die Menschen bei der Maisernte beobachten. Es gibt fast keine Maschinen, die wertvollen gelben Kolben werden von Hand geschnitten, auf Pferde- und Ochsenkarren verladen, dann als Nahrung für Mensch und Tier ins nächste Dorf gebracht. Die dicken vertrockneten Stängel und die Blätter werden in große Haufen geschichtet, Unbrauchbares verbrannt. Dann sind die Täler Transilvaniens von Rauch geschwängert, der an Morgennebel erinnert.
Das Leben ist sehr einfach hier, doch die Leute leben in relativem Wohlstand. Sie haben eine große Menge an Vieh, wie Gänse, Enten, Hühner, viele glückliche Schweine mit viel Auslauf, und natürlich Kühe und Pferde. Katzen gibt es hier wenige, aber Hunde an jeder Ecke, an jedem Haus, überall auf der Strasse. Die meisten Hunde sehen verwahrlost aus. Sie sind zum Glück recht schüchtern und halten Abstand zu uns. Doch einige sind auch aggressiv und laufen bellend hinter den Fahrräder her. Ich habe sogar einen Hund beobachtet, der neben einen Pferdekarren auf der Hauptstrasse herlief und die überholenden Autos verfolgte und anbellte. Wenn wir Pech haben, stellen wir manchmal unser Zelt in einem Gebiet auf, in dem ein Hund glaubt sein Revier verteidigen zu müssen. Aber traut sich erst heran, wenn wir im Zelt verschwunden sind, um uns dann stundenlang mit seinem Gekläffe auf die Nerven zu gehen.
Das Campen stellt uns in Rumänien vor keinerlei Probleme mehr. Die Leute sehen alles locker, nicht alles scheint Privatbesitz zu sein. Wir schlagen unser Zelt dort auf, wo es uns gefällt, ob da ein Weg ist, oder nicht. Wenn Leute vorbei kommen, werden wir entweder ignoriert oder freundlich gegrüßt und angelacht. Beides ist uns recht.
Neulich konnten wir in einem wunderschönen Platz eine Mondfinsternis beobachten. Nur mit einem Kurzwellenradio ausgestattet, haben wir die Meldung von diesem Ereignis verpasst. Lina, in Vollmondnächten schlaflos, fragte plötzlich um 5 Uhr morgens, warum es denn so dunkel sei. Ich trat vor das Zelt und war verwirrt. Der Mond war wie von Wolken verhüllt, der Rest des Himmels sternenklar. "Sieht fast aus wie eine Mondfinsternis", sagte ich, ohne an das Gesagte zu glauben. Als Hobbyastronom checkte ich sofort die Himmelsrichtungen, der Mond stand in Westen, die Sonne ging gleich im Osten auf. Es war Vollmond und der Mond stand etwa drei Daumen über dem Horizont: beste Vorraussetzungen für eine Mondfinsternis, bei der sich die Erde zwischen Mond und Sonne schiebt und mit ihrem Schatten den Mond verdunkelt. Nun, wissend worum es sich handelt, konnte ich in aller Ruhe warten, bis der Mond wieder aus der Erdschatten hervortrat. Und das alles liegend im Zelt, in ländlicher Stille an der frischen Luft. Das ist der Luxus eines Fahrradnomaden. (wird fortgesetzt)

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer