Martin Herrmann, der Sänger, der Barde der Poet, Wortjongleur und Musikkabarettist, kurz: der "Frauenflüsterer", war am Samstag im Theaterstadel und hat im voll besetzten Saal Frauen wie Männer etwas geflüstert. "Lustgewinn" heißt sein neues Programm. Und Lust, Luststeigerndes, aber auch mancherlei Unlust Bereitendes kamen reichlich darin vor. Mithin bot Herrmann genau das an, was in Markdorf bestens aufs eben angebrochene Kleinkunst-Jahr einstimmen kann. Mit einem Wort: der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.
Dass er mitunter neben der falschen Frau aufwacht, tut dem keinen Abbruch. Derlei passiert dem, der seine Libido nicht im Griff hat. Vor allem wenn erschwerend hinzukommt, dass Alkohol die Urteilsfähigkeit trübt. Jene Fähigkeit, feine und feinste Details zu unterscheiden, Details wie: echtes Haar oder Perücke, Gebiss oder Dritt-Zähne, so dass auf die hitzige Liebesnacht ein böses Erwachen folgt. Wenn der Blick auf die Beißerchen im Kukident-Glas und den Blondschopf im offenen Schrank fällt.
Doch keine Bange - all solchen Malheuren rein privater Natur zum Trotz - Schluss mit Lustig ist noch lange nicht. Dafür sorgen schon unsere Politiker in ihrer gewollten Gewitzheit und unfreiwillig Komik. Da schätzt etwa ausgerechnet unser höchster Hüter der Umwelt, Sigmar Gabriel, die Folgen einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf bundesdeutschen Autobahnen fürs Klima so gering, dass die Tempobremse für ihn erst gar in Betracht kommt.
Kabarettisten wie Martin Herrmann liefert Gabriel damit Steilvorlagen, die sich trefflich weiterentwickeln lassen. Zum Beispiel als Joghurt-Deckelchen, die Herrmann - wie Millionen umweltbewusste Mitbürger auch - immer brav abspült, bevor er sie zum Recycling-Hof bringt. Um unterwegs von besternten Nobelkarossen überholt zu werden, die tonnenschwer, obgleich aus Aluminium, sprich wiederverwerteten Joghurt-Deckelchen, gefertigt sind. Hightech-Fahrzeuge, die Herrmann gleichwohl zum Grübeln bringen. Denn kleben ihre Wracks am Brückenpfeiler, dann fürchtet er: "Vielleicht lag's an einem schlecht gespülten Joghurt-Deckelchen." An solchen Stellen vermengt sich der ganz alltägliche mit dem politischen Wahnsinn. Und mögen Herrmanns Lied-Melodien auch noch so liedermacherhaft harmlos klingen, seine Texte haben bitterböse Pointen. Etwa der von Daniel, dem "Düsendieb", der Unfallopfer schon ausweidet, während DRK und Malteser noch streiten, wer zuerst an die Unfallstelle kam.
Jörg Büsche