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Viele Sänger veredeln das Essen

15.07.2008


Spüren, erleben, Genuss" verheißt das Transparent. Und "Lebensart und Mundart" verspricht es außerdem. Schließlich tauchen noch die Stichworte "Region" und "Lokalpatriotismus" auf. Letzterer zumindest wird offenbar schon etwas weniger ernst genommen, denn der Chor, dem da gerade so heftig applaudiert wird, kommt nicht aus Markdorf - wenngleich er sehr zentral dort im Hotelrestaurant des Bischofschlosses auftritt. Seine 24 Sängerinnen und Sänger kommen überwiegend aus Überlingen.

Doch kommen wir aufs Regionale. Von Bier singen sie und vom Wasser ebenfalls. Doch steht Wein auf dem Tisch. Flaschen, die samt und sonders aus Meersburg, und Bermatingen kommen, gute Tropfen, die dem Anspruch auf Regionalität voll und ganz genüge leisten. Weine, die den Restaurantgästen ebenso großen Genuss bereiten wie der Gesang des Madrigalchors aus Überlingen.

Was singt er da gerade am Ende des seines zweiten Intermezzos, nach der Vorspeise aus geräuchertem Forellenfilet auf Linsensalat, aber vor dem Salat, der überaus "sommerlich" bereitet ist - mit Blättern, mit Wildkräutern und einem Himbeerdressing? Die Sänger singen von Wassermassen. Sie singen von der Stummheit der Fische. Und sie singen vom Rheinwein, der schon lösender wirkt auf die Zunge, der gesprächig macht.

Ach ja! "Lebensfreude", die verkündet das Transparent am Eingang des Restaurants "Mundart" ja gleichfalls - neben dem "Schmecken". Wobei das eine dem anderen sehr zuträglich sein kann, sobald das "Schmecken" mehr meint als bloßes Sinnen-Wahrnehmen à la Geschmacksknospen-Reizung. Sobald das Speisen zur Probe wird, zum Wägen zwischen feinsten Nuancen, zum "Spüren", zum "Erleben" von dem, was in der Küche bloß Entwurf war, wird mehr aus dem Essen. Außerdem, Rheinwein hin, Bermatinger her, geht der Mund über zu angeregtem Plaudern während der Gänge. Um so angeregter, als ja außer der Thymian -Senf-krustierten Poulardenbrust und neben dem raffiniert bereiteten Tomaten-Zucchinigemüse noch die Lieder kommen. Deren Kontrast: renaissancehaft geistlich komponierte die Lasso Madrigale und schwarzhumorigem Raabe-Maxschem Rinderwahn. Und von wegen "Slow food", langsames Essen, wie das Transparent noch behauptet. Rasch vergeht die Zeit, sehr rasch. So heißt der "Rausschmeißer" kaum umsonst "Wer hat an der Uhr gedreht?" Vermutlich derselbe, der auch die Waagen-Skala verstellte.

Jörg Büsche

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