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Markdorf Um Opfer kümmern sich nur wenige

16.06.2009
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Hilf dir selbst“, so beginnt der Volksmund seinen bekannten Ratschlag, der einen des göttlichen Beistands anbefiehlt. „Hilf dir selbst“ lautete auch das Motto, mit dem die Selbsthilfegruppen des Bodenseekreises beim Markdorfer Stadtfest am Wochenende auftraten. Nur dass die Selbsthilfegruppen ihren Rat ganz anders ergänzten als üblich. Ihre Version lautete: „Hilf dir selbst, aber nicht allein.“

Alleine waren sie dann auch wirklich nicht an ihrem Stand beim Bischofschloss: Karl-Heinz Jumpertz vertrat den „Weißen Ring“, die bundesweit agierende Hilfsoraganisation für Kriminalitätsopfer. Hanne Leonardt stand für den „Borreliose Selbsthilfeverein Ravensburg Bodenseekreis“ da, der über die Risiken von Zeckenstichen informiert. Marianne Sommer für den „Kreuzbund“, der sich um Sucht- und Drogenkranke kümmert. Raimund Moser vertrat die „Selbsthilfegruppe Schlaganfall. Und Siegfried Lorenz die „Selbsthilfegruppe Lungenemphysem-COPD Bodensee-Oberschwaben“.

„Ohne Selbsthilfe geht ja nichts mehr heutzutage“, sagte Jumpertz. „Denn wer sich allein auf staatliche Hilfe verlässt, der steht mitunter ziemlich alleine da“, so seine Begründung. Und was er dann weiter ausführt, klingt tatsächlich bedrückend: „Alle blicken immer nur auf die Täter, um die Nöte der Opfer kümmert sich aber niemand.“ Um die materiellen und seelischen Nöte der Einbruchsopfer, der Beraubten oder der Misshandelten. Viele von ihnen sehen sich als nicht ernst genommen und trauen sich oft kaum noch, auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Um solche oder ähnliche Aufmerksamkeitsdefizite oder Verdrängungen offensiv anzugehen haben sich die 180 Selbsthilfegruppen des Bodenseekreises zu einer bürgerschaftlichen Initiative zusammengeschlossen. Sie wählten einen Sprecherrat, dem unter anderen auch Hanne Leonhardt oder Raimund Moser angehören. Ziel des 14-köpfigen Gremiums ist es, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, Erfahrungen auszutauschen und sich bei projektbezogener Arbeit wechselseitig zu unterstützen.

So wie bei dem gemeinsamen Auftritt beim Markdorfer Stadtfest, an dem sich darüber hinaus auch noch das Mehrgenerationenhaus (MGH) der Gehrenbergstadt beteiligt hat. „Uns bietet das eine zusätzliche Gelegenheit“, so MGH-Fördervereins-Vize Tom Voral, „unser inzwischen doch beträchtlich erweitertes Angebotsspektrum der Markdorfer Bevölkerung zu präsentieren.“

Jörg Büsche

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