Mein
12.12.2011  |  von  |  0 Kommentare

Markdorf Trau keinem Video auf dem Speicher!

Markdorf -  Kabarettist Claus von Wagner thematisiert im Markdorfer Theaterstadel familiäre, revolutionäre und andere Prozesse



Trau keinem Video auf dem Speicher!

Die einen wanken noch, die anderen schwanden schon, stürzten polternd von ihren Positionen. Die Rede ist von den Potentaten in Tunesien, in Ägypten, aber auch von den Herrschern über Libyer, Syrer und vielleicht sogar Russen. „Ja“, so bilanzierte Claus von Wagner bei seinem jüngsten Auftritt im Markdorfer Theaterstadel, „es hat sich mächtig was getan in letzter Zeit.“

Ein Blinder, wer dem nicht zustimmen mag. Und ein Pessimist, wer nicht auf die Nachhaltigkeit dieser Veränderungen hofft. Trotzdem scheint Claus von Wagners gesamtes Programm dazu geeignet, die Hoffnung auf alle tiefer greifenden Wandlungsprozesse gründlich zu unterlaufen. Beschränkt sich der zeitliche Spielraum für sinnvolles Handeln doch auf wenige Augenblicke, auf „drei Sekunden Gegenwart“ nämlich, die von Wagners Programm den Namen gaben und jenes Zeitquantum bemessen, mit dem der Durchschnittsmensch seine Gegenwart erfasst. Davor liegt die Vergangenheit, danach kommt die Zukunft.

Psychologen-Statistik? Keineswegs, wie von Wagners überaus eindrucksvoll demonstriert. Er, das arme Opfer seiner von erbarmungslosem Egoismus getriebenen Ex-Partnerin, die ihm den Umgang mit dem gemeinsamen Töchterchen gerichtlich verbieten möchte. Er stöbert verzweifelt auf dem Speicher nach einem Video, das ihn als fürsorglichen Vater zeigt. Das nebenbei auch das verflogene Glück der kleinen Familie beleuchtet.

Wir glauben ihm. So anschaulich weiß er den fiesen neuen Partner seiner Ex-Partnerin zu beschreiben. So präzis schildert er die prozessualen Mechanismen, die ihn zum wehrlosen Opfer einer väterhassenen Familien-Gerichtsbarkeit macht. Und dann, wenn das lange von vielen Erinnerungsspuren und alltagsweltlichen Seitenblicken begleitete Suchen nach der Video-Kassette endlich von Erfolg gekrönt wird und die trauliche Familienszene erscheint, hat sie der gemütsvolle Vater mit einer Tor-Szene überspielt. Plötzlich, nach weniger als drei Sekunden, steht er in neuem Licht da. Die Zukunft hat begonnen. Was das für die Bilder aus der Krisen- und Umbruchs-Politik bedeutet? Schau'n mer 'mal!

Korrektur-Hinweis Korrektur-Hinweis melden Korrektur-Hinweis
Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
 Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2014