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Markdorf Torturen auf dem "Dach der Welt"

12.01.2007
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Am 2. September 2004 starteten Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer abenteuerlichen Reise nach China. Hier ihr jüngster Exklusivbericht für den SÜDKURIER:

Das Qinghai-Tibet-Plateau im Südwesten Chinas ist das höchste und jüngste Plateau der Welt und entstand vor erst zwei Millionen Jahren durch die Kollision der indischen mit der eurasischen Platte und der daraus resultierenden Erhebung der Erdkruste. Heute ist hier ein trockenes, wüstenähnliches Gebiet, Heimat der Tibeter und bekannt als "Dach der Welt". Über den öden nördlichen Teil dieses Plateaus führte unser Weg gen Osten, rund 1900 Kilometer von den Städten Qarkilik in der Provinz Xinjiang am Rande der Taklamakan-Wüste bis Xining, der Hauptstadt der Provinz Qinghai, mit einer durchschnittlichen Höhe von mehr als 3000 Metern. Dies war wohl der schwierigste und entbehrungsreichste Streckenabschnitt auf unserer mittlerweile über zwei Jahre währenden Reise. Die 600 Kilometer durch die Taklamakan-Wüste hinter uns waren dagegen der reinste Spaziergang.

Der herannahende Winter machte unseren Trip zur Tortur. Wir waren froh endlich wieder in die Berge zu kommen, nach öden, flachen 1600 Kilometern Sandwüste, aber wir unterschätzten die Kälte. Eines Nachts maßen wir minus 19 Grad Celsius im Zelt. An solchen Tagen verbrauchten wir bis zu einem Liter Benzin für unseren MSR-Benzinkocher, um die Situation einigermaßen erträglich zu machen. Bei extremer Kälte benutzten wir bis zu vier unserer Aluminiumfahrradflaschen als Wärmflaschen. Vom Benzinkocher erhitztes kochend warmes Wasser wurde in die Flaschen abgefüllt und in den Schlafsack gelegt. Außerdem machten wir durch die zeitaufwändige Prozedur das Wasser durch das Abkochen bakterienfrei und damit trinkbar und das Zelt wurde aufgeheizt. Bis zu zwei Stunden brannte das zuverlässige Gerät und die Temperatur verbesserte sich bis zu neun Grad Celsius nach oben. In besonders kalten Nächten heizten wir zwischenzeitlich gegen 2 Uhr in der Nacht noch einmal die Wärmflaschen auf und machten Tee.

Im Straßenbau sind die Chinesen Weltmeister, doch nicht alles haben sie unter Kontrolle. Die neue Asphaltstraße 315 von Qarkilik nach Xining ist noch im Bau und an einem Teilabschnitt trafen wir auf eine Stelle, die unseren Nerven und Kräften alles abverlangte. Die Straße führte durch ein Sumpfgebiet mit einem riesigen See. Bewegende Wassermassen hatten auf drei Kilometern die Straße total aufgeweicht, mit dem Auto war hier kein Durchkommen mehr. Ein Tanklastzug stand versunken im Morast. Mit den Fahrrädern waren wir gegenüber den Autos im Vorteil, doch brachen wir öfter knietief in die aufgeweichte Straße ein und benötigten mehr als eine Stunde, uns mit unseren schweren Vehikeln schiebend durch diesen Morast zu kämpfen. Oft gab es keine Einkaufsmöglichkeiten und kein Wasser. Wegen dem neuen Verlauf der Straße existierten die auf unseren Karten eingezeichneten Orte nicht mehr und wir waren häufig auf die Gnade von Straßenarbeitern angewiesen, die uns mit Wasser und Lebensmitteln versorgten.

Am 29. November überqueren wir den auf diesem Streckenabschnitt höchsten Pass mit 3800 Metern. Von nun an sollte es nur noch bergab gehen, 200 Kilometer bis zur auf 2200 Metern gelegenen Zwei-Millionen-Stadt Xining. Wir waren froh den Bergen ohne Blessuren entkommen zu sein.

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