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Markdorf Schützen suchen nach Alternativen

12.07.2012
Markdorf -  Jetzt steht der Gesprächstermin fest: Der Vorstand der Schützengesellschaft Markdorf 1525 ist von Bürgermeister Bernd Gerber „sehr herzlich zur Erörterung der Angelegenheiten um das Schützenhaus mit Vertretern des Gemeinderates“ eingeladen. Termin ist Montag, 23. Juli, 18.30 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rathauses.Hintergrund der Geschichte ist der Umstand, dass der Unternehmer Albert Weber vor fünf Jahren das gegenüber dem Wirtshaus am Gehrenberg gelegene Gelände mit dem Schützenhaus gekauft hat, das Schützenhaus aber den Schützen gehört.

Das Vereinsheim der Schützengesellschaft 1525 Markdorf (Markierung) liegt gegenüber dem „Wirtshaus“ im Tal. Der Unternehmer Albert Weber hat das Grundstück zusammen mit dem Areal von Wirtshaus und Theaterstadel erworben.  Bild: FlugundBild.de/Plessing

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Jetzt forderte er den Verein auf, das Gelände bis Ende Juni zu räumen. Dies, obwohl die Schützen über einen Vertrag mit Vorbesitzer und Stadt verfügen, in dem ihnen zeitlich uneingeschränkte und unentgeltliche Nutzung solange der Verein besteht, zugesichert wird. Nach einem Gespräch mit Schützen und Bürgermeister am 8. Juni verlängerte Weber die Räumungsfrist auf Ende des Jahres.

Zur Vorbereitung des neuerlichen Gesprächs bittet Gerber um eine aktuelle Liste der aktiven und passiven Mitglieder, um die Jahres- und Rechnungsabschlüsse der vergangenen fünf Jahre zur Beurteilung der finanziellen Situation des Vereins sowie um einen „Nachweis über die Investition auf der Schießanlage“. Wörtlich: „Über die zweckgebundene Verwendung des Zuschusses müsste der Schützengesellschaft eine entsprechende Bestätigung der Oberfinanzdirektion vorliegen.“

Dem bürgermeisterlichen Wunsch nach Informationen ist der Vorstand der Schützen mittlerweile bedingt nachgekommen. Vorsitzender Thomas Delfs teilt in einem Schreiben an die Verwaltung mit, ein Verein dürfe aufgrund des Bundesdatenschutzgesetzes Daten nur veröffentlichen, wenn dies für die Erreichung des Vereinszweckes unbedingt erforderlich sei. Daher nennt er nur anonymisierte Zahlen.

Bei den nachgefragten Investitionsmaßnahmen verweist er auf 67 728 Euro, deren zweckgebundene Verwendung durch Oberfinanzdirektion und den Badischen Sportbund bestätigt worden sei. Außerdem legt der Vorsitzende die finanzielle Situation des Vereins anhand von Kontoauszügen der vergangenen fünf Jahre offen.

Beigefügt ist ein Protokoll der außerordentlichen Vorstandssitzung anlässlich der Besprechung mit dem Bürgermeister und Albert Weber. Ergebnis der Vorstandssitzung war, dass man zusammen mit der Stadt Markdorf nach möglichen Alternativen suchen wolle. „Dies vor allem, weil Bürgermeister Gerber eine ähnliche Lösung wie bei der Stadtkapelle in Aussicht gestellt hat“, heißt es im Schützenprotokoll. Außerdem sei eine Kontaktaufnahme des Oberschützenmeisters Thomas Delfs mit dem Schießstandsachverständigen und einem Architekten des Vertrauens beschlossen worden.

Gestern hat Albert Weber gegenüber dem SÜDKURIER eine Auskunft zu seinen Plänen abgelehnt. Er betonte, von eingetragenen Rechten der Schützen nichts zu wissen. Im Grundbuch sei nichts vermerkt; sowohl Verkäufer als auch Vermittler hätten ihm beim Kauf bestätigt, das Grundstück sei „völlig frei von Lasten oder Verpflichtungen“. Weber sagte, er habe bereits vor fünf Jahren die Kündigung mit dem Vereinsvorsitzenden kommuniziert und außerdem einen neuen Zaun bauen lassen.

Thomas Delfs berichtete gegenüber dieser Zeitung von zahlreichen Reaktionen aus der Bevölkerung anlässlich des Stadtfestes, bei dem die Schützen einen Schießstand aufgebaut hatten. „Ich habe eine noch nie dagewesene Wut erlebt, auch Leute, die mit Sportschießen nichts zu tun haben, sind sehr aufgebracht“, sagte Thomas Delfs und zitierte einen Bürger mit „Macht weiter so, die Bevölkerung steht hinter euch“. Auch sei er immer wieder gefragt worden, was Herr Weber dort wolle und was der Bürgermeister davon habe? Denn laut Baurechtsamts-Chef Torsten Schneider kann das Gelände im Außenbereich mit höchster Wahrscheinlichkeit die nächsten 20 Jahre ohnehin nicht bebaut werden.

In ihrer Not haben sich die Schützen bereits am 30. Mai hilfesuchend an die Rechtsaufsicht beim Landratsamt gewendet und um Beistand gebeten. Diese Behörde überprüft, ob eine Kommune im Rahmen ihrer Verwaltungstätigkeit Recht und Gesetz einhält.

Die Schützen waren ursprünglich der Ansicht, der Bürgermeister vertrete nicht die Interessen des ältesten Vereins der Stadt, sondern die des Unternehmers Albert Weber, der nach und nach am Gehrenberg zahlreiche Grundstücke aufgekauft hat. Mittlerweile hoffen sie auf eine gütliche Einigung.

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