Die Stadtverwaltung ist nach dem Rathaussturm entmachtet, Vermesser und Stadtmitarbeiter bieten viel Spaß bei der Aktion. Und auch der Narrenbaum steht.
Es kommt nicht alle Tage vor, dass der Rathausplatz ein Treffpunkt für eine ganze Kuhherde wird, doch beim heiteren Rathaussturm ist alles möglich. Zuvor feierten die Stadtmitarbeiter mit ihrem Großbauer alias Bürgermeister Bernd Gerber auf ihrer „Gehrenberg-Alm“ ein ausgelassenes Fest und tanzten fröhlich um ihre Almhütte herum. Damit die Besucher der klirrenden Kälte standhielten, verteilten Großbauer Gerber und seine Almleute großzügig Glühwein und Hochprozentiges. Von weitem waren plötzlich Kuhglocken zu hören. Kurz danach brach bei den Besuchern lautes Gelächter aus, im Anmarsch war der Vermessungstrupp, als Kühe verkleidet. Das Oberrindvieh (Obervermesser) Clemens Scheidweiler führte die Kuhherde an. Hinter der Kuhherde tauchte ein Traktor auf, der als Anhänger ein großes Viehgehege mit sich zog.
Auf dem Rathausplatz angelangt, fackelten die Rindviecher nicht lange und stürzten über das friedliche Bauernvolk her, nahmen etliche Leute gefangen und sperrten sie in das Viehgatter. „Ich möchte hier mal ganz klarstellen, dass wir die größten Rindviecher der Stadt sind“, verkündete Obervermesser Clemens Scheidweiler. Das die großen Eutertiere ein großes Herz haben, bewies Oberrindvieh Scheidweiler scheinheilig mit einem Wetteinsatz: „Das ist bisher einmalig, dass die Stadtverwaltung die Möglichkeit hat, bei einem ehrlichen Wettkampf die Rathausmacht zurückzuerhalten“, erklärte Scheidweiler. So lud er den Bürgermeister und Großbauer Gerber zu einem Wettemelken mit Zunftmeister Markus Brutsch ein.
Doch der Großbauer konnte Melken wie ein Weltmeister, irgendwie schien es, dass sich durch eine heilige Vermesserhand der Eimer des Zunftmeisters mehr füllte als der des Bürgermeisters. So konnte Gerber am Ende nur eine kleine Pfütze in seinem Eimer vorweisen, während Brutsch mit einem gut gefüllten Eimer punktete und somit die Rathausmacht weiterhin für sich in Anspruch nehmen konnte.
Nach der erfolgreichen Entmachtung zogen weit mehr als 100 Kinder ihren Narrenbaum vom Rathaus- zum Marktplatz. Dort warten bereits die Zimmermänner auf das Narrensymbol, um dieses mit voller Kraft in die Senkrechte zu stellen. Eine stolze Länge von 25 Meter stemmten die Zimmermannsleute in die Höhe und wurden dabei durch die Stadtkapelle unterstützt. Die musikalische Unterhaltung hielt allerdings nur kurz an, da bei den Musikanten während des Spielens die Instrumente einfroren. „Ich habe am Anfang der schrägen Tönen schon einen Schreck bekommen, weil ich dachte, meine Musiker hätten plötzlich die Melodien vergessen“, lachte Dirigent Sträßle. Als der Narrenbaum nach 45 Minuten stand, gab es für die Kinder kein Halten mehr. Sie standen Schlange, um hochklettern zu dürfen und die Geschenke vom Baum zu pflücken.