Seit Wochen hat Eva Seidel (Name von der Redaktion geändert) nachts kaum noch ein Auge zugetan. Die Besitzerin von zwei Pferden, die auf einem Hof in Markdorf lebt, ist in Sorge. In Sorge um ihre geliebten Tiere, um sie und um ihre Familie. „Wir fühlen uns bedroht“, erzählt die junge Frau.
Es sind seltsame Vorfälle, die sie beunruhigen. Angefangen habe alles im Mai, als sie Veränderungen auf ihrem Hof wahrnimmt. „Es waren Kleinigkeiten, die uns aufgefallen sind und die uns das Gefühl gegeben haben, dass hier jemand herumschleicht“, erzählt Seidel. Zu den Kleinigkeiten zählt eine Bandage, die an der Pferdebox befestigt war und sich plötzlich aufgewickelt im Futtertrog befindet. Mal ist am Eingang zu Weide ein großer spitzer Stein eingegraben, am dem sich die Tiere hätten verletzen können. Eines Morgens steht das Gartentor offen und ein daumendickes abgeschnittenes Schweifhaar liegt im Heu. Als der Wallach eine Futtermischung nicht fressen möchte und die Pferdebesitzerin dieses in die Hand nimmt, ist für sie klar, dass etwas nicht stimmt. Ihre Haut reagiert mit Rötung und Brennen, einige Zeit später ist der Arm mit Brandblasen übersäht. Von einer Bekannten hört Seidel von ähnlichen Vorfällen im Allgäu, die mit der tödlichen Vergiftung eines Fohlens endeten. Sie schaltet die Polizei ein.
„Ja, uns liegt ein Fall vor“, bestätigt Wolfgang Hoffmann, Pressesprecher der Polizeidirektion Friedrichshafen auf Nachfrage des SÜDKURIER. Die Polizei geht der Sache nach, überprüft Hinweise auf verdächtige Personen und fährt Streife. Die Hundestaffel ist eingeschaltet, bislang ohne Erfolg. „Wir können nicht ausschließen, dass dort jemand unterwegs ist. Die Ermittlungen laufen“, so Hoffmann.
Familie Seidel hält nachts auf dem Balkon Wache, um die Person auf frischer Tat zu ertappen. Sie beobachten, wie jemand mit einer Taschenlampe Zeichen macht, wie sich ein Auto nähert. Eines Abends hört Eva Seidel, dass eines der Pferde in der Box in Panik gerät. In der hölzernen Stallrückwand ist ein Brett von außen ausgehebelt worden
Auf dem Boden liegt eine Eisenstange, der Wallach lahmt. Seidel vermutet, dass er mit der Stange attackiert worden ist. „Wir haben immer die Polizei gerufen, doch bis die bei uns war, war er schon wieder weg“, sagt Seidel.
Die Vorfälle ereignen sich aber nicht nur nachts, was der Familie besonders Sorge macht: Dass es eine Person gibt, die am helllichten Tag bei ihnen herumspaziert. Bislang ist den Pferden noch nichts passiert. Aber sie sind laut Seidel unruhig und nervös – ein Zeichen, dass sie Angst haben und Gefahr wittern.
Eine Bekannte von Eva Seidel, die ihre Pferde auf einer Weide in der Nähe untergebracht hat, hat dort ähnliche Beobachtungen gemacht. „Auch bei uns gab es zuerst immer wieder kleine Veränderungen. So stand die Tür der Sattelkammer offen, ein Halfter hing im Baum und der Weidezaun wurde ausgehängt, so dass sich ein Pferd zwischen zwei Zäunen verfing“, erzählt die Frau. Als eines Morgens der Wallach aus dem Weidegelände ausgesperrt war und die Stute völlig verstört allein auf der Weide stand, entschloss sie sich, die Tiere, an einem anderen Ort in Sicherheit zu bringen.
Wichtig ist den beiden Pferdebesitzerinnen vor allem eins: Dass andere auf die Gefahr aufmerksam werden. Bei Familie Seidel wird man die Pferde weiterhin nicht aus den Augen lassen. Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen und nun hoffen alle darauf, dass die Person nicht mehr auftaucht oder erwischt wird. Damit Eva Seidel wieder ruhig schlafen kann.

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