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Markdorf Ostwärts - dem Schwarzen Meer entgegen

29.10.2004
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Am 2. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Radetour aufgebrochen. Ziel ist China. Für den SÜDKURIER berichtet das Ehepaar im Rahmen einer Serie:

*

Momentan befinden wir uns in Rumänien, in den Bergen Transilvaniens, der Heimat des Grafen Dracula. Am 30. September erfuhren wir in Budapest per e-mail vom Sterben meiner Mutter. Ein Telefonat bestätigte diese schreckliche Nachricht. Ohne langes Zögern nahmen wir das nächste Flugzeug nach Frankfurt, weiter ging es mit dem Mietwagen nach Hannover. Dort erwarteten uns in der Wohnung meiner Mutter um 2 Uhr morgens mein Bruder, seine Freundin und einige Verwandte. Wir duschten und fuhren sofort ins Krankenhaus. Meine Mutter lag auf der Intensivstation und wurde künstlich beatmet. Die einzige Bewegung war das Auf und Ab ihres Brustkorbs, das einzige Geräusch das Zischen des Beatmungsapparates. Sie litt unter schwersten Gehirnblutungen, resultierend aus den Folgen eines Fahrradunfalls. Dass sie nicht mehr aufwachen würde schien für uns unfassbar, so wachten wir neun Stunden an ihrem Bett und warteten, dass sie die Augen öffnet und zu uns spricht. Doch die Diagnose der Ärzte war niederschmetternd. Sie gaben ihr nur noch Stunden, maximal ein paar Tage. Am Sonntag verstarb meine Mutter, zur Zeit des Gottesdienstes, den sie immer besucht hatte.

Das war ein harter Schlag für uns und einen Augenblick dachten wir daran die Reise abzubrechen, besonders wenn man die Umstände des Unglücks betrachtet. Wir riskieren als Radfahrer auf unserer Tour im Straßenverkehr ein Hundertfaches dessen, was ein Radfahrer in Deutschland auf gut ausgebauten und beschilderten Radwegen und mit festen Verkehrsregeln riskiert.

Um Budapest war der Verkehr besonders schlimm. Jetzt suchen wir uns möglichst kleine Nebenstrassen aus, auch wenn wir Umwege in Kauf nehmen müssen. Grosse Städte meiden wir.

Wir haben die Donau verlassen und steuern geradewegs ostwärts dem Schwarzen Meer entgegen. Noch einmal müssen wir die Donau kreuzen, dann südwärts durch Bulgarien in die Türkei.

Wir gewöhnen uns langsam an den Rhythmus des Reisens, und es macht uns Freude, langsam durch die kleinen Dörfer Rumäniens zu ziehen. Die wöchentliche Leistung von 250 Kilometer reicht uns. So müssten wir grob gerechnet im Sommer 2005 in China sein.

Unsere Mutter hätte sicherlich nicht gewollt, dass wir in Depression verfallen, und wir fühlen, dass es ihr gut geht. (wird fortgesetzt)

Markdorf
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