Am 2. September 2004 sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Tour aufgebrochen. Mit dem Fahrrad wollen sie bis nach China und jetzt sogar noch weiter. Hier ihr Bericht Nummer 24:
Wenn man durch das Hochland von Tibet radelt, ist ein GPS-Gerät (Global Positioning System) sehr empfehlenswert. Wir haben ein solches Gerät nicht und aus diesem Grund gerieten wir in der unüberschaubaren menschenleeren Weite Tibets in große Schwierigkeiten. Nachdem wir unsere Visa für China in der tibetischen Hauptstadt Lhasa um 15 Tage verlängert hatten, mussten wir nach Nepal ausreisen, und das auf dem schnellsten Weg. Wir nahmen eine Abkürzung, einen so genannten "Shortcut". Die 250 Kilometer waren in den uns mittlerweile nur noch verbliebenen zehn Tagen durchaus machbar, obwohl es über einige über 5000 Meter hohe Pässe ging. So strampelten wir munter los und folgten der breitesten Straße. Wie wir es schon 3000 Kilometer gewöhnt waren, war diese ebenfalls nicht asphaltiert. Aber dem Instinkt zu folgen kann manchmal ein Fehler sein, und so verfuhren wir uns gnadenlos. Mit 5225 Metern überquerten wir den auf unserer Reise höchsten Pass und machten selbstverliebt mit Selbstauslöser ein Foto. Noch wussten wir nicht, dass wir uns auf der falschen Route befanden. Wir genossen eine zwei Tage dauernde Abfahrt, bei er es auf über 100 Kilometern wirklich nur bergab ging: 2000 Meter. Nun befanden wir uns in einer Sackgasse. Die Grenze zu Nepal war nicht mehr weit, aber Ausländer dürfen sie an dieser Stelle nicht überqueren. Trotz unseres illegalen Aufenthalts in dieser Gegend half uns wieder einmal das Militär. Es besorgte uns einen Platz in einem kleinen Laster, der uns wieder zurück und 1000 Meter höher brachte.
Jetzt begann der Wettlauf mit der Zeit. 100 Dollar soll es pro Tag und Person kosten, wenn man sein Visum überzieht, und das konnten wir uns nicht leisten. Nach ungeahnten Schwierigkeiten, in dem Ort Dzonga uns ein Auto zu besorgen, ergatterten wir schließlich einen Platz im Lastwagen eines Tibeters, der uns am nächsten Morgen zum "Friendshiphighway" brachte, der zur Grenze zu Nepal führt. Jetzt begann das Abenteuer ungemütlich zu werden.
Kurz vor einem über 5000 Meter hohen Pass legte sich zwar der starke Gegenwind, aber langsam fing es an zu schneien. Wir überquerten den Pass und auf uns wartete eine Abfahrt von 3000 Metern zur nepalesischen Grenze. Wir trugen bereits unsere dicken Handschuhe von Vaude und Lina trug alles am Leib was sie besaß. Sie spürte ihre Füße nicht mehr, denn die billige Kopie der in Lhasa erworbenen Bergschuhe fielen ihr förmlich von den Füßen. Heilfroh erreichten wir ein kleines Dorf und es hörte auf zu schneien. Ausgehungert und durchgefroren wärmten wir uns in einem Lokal auf. Am nächsten Morgen war die Straße dicht und wir mussten uns durch hohe Schneewehen kämpfen.
Im Laufe des Tages bildeten wir uns ein, die Schneegrenze erreicht zu haben, und schlugen auf 4000 Metern unser Zelt auf. Wieder ein Fehler. Am Morgen lagen über zehn Zentimeter Schnee. Am nächsten Tag liefen unsere Visa aus und wir waren heilfroh, als ein paar Lastwagen eine Spur für uns legten. Das war unsere Rettung. Nach zehn Kilometern wurde die Straße besser und fiel 2000 Meter ab. Es wurde immer wärmer und nach zwei Stunden rasanter Abfahrt erreichten wir die nepalesische Grenze.

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer