Am 2. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Radtour aufgebrochen. Ziel ist China. Für den SÜDKURIER berichtet das Ehepaar über Eindrücke und Erfahrungen.
Normalerweise meiden wir große Städte, aber wegen der Visabeschaffung nach Istanbul zu fahren, war unvermeidlich. Die Angaben über de Einwohnerzahl schwanken zwischen zwölf und 17 Millionen. Niemand weiß das so genau. Auch kann man nicht sagen, wo diese Megastadt anfängt. Schon 50 Kilometer vor dem Zentrum nimmt die Landschaft städtischen Charakter an. Die letzten 40 Kilometer legten wir mit unseren Fahrrädern auf einer sechsspurigen autobahnänlichen, hoffnungslos überfüllten Strasse zurück. Im zähfließenden Verkehr trafen wr öfter auf Polizisten, die scheinbar selbst nicht wussten, ob unser Verhalten nun richtig oder falsch war, und schleunigst den Blick abwandten, um sich der Verantwortung zu entziehen. Doch die Zivilisten in den Autos fanden offensichtlich Gefallen an uns, und forderten uns mit Mut machenden Gesten zum Weiterfahren auf.
Besonders in der Vorweihnachtszeit kommen viele Ausländer auf der Jagd nach Weihnachtsgeschenken nach Istanbul. Wir dagegen sind auf der Jagd nach einem Visa. Unser erster Weg führte in das iranische Konsulat. Vor Einlass wurden wir mit einem Metalldetektor auf Waffen untersucht. Im Gebäudeinnern musste ich mich tief zu einer winzigen Öffnung in einer dicken, dunkelbraun getönten Scheibe hinunterbeugen, um mit dem Beamten zu sprechen. Freundlich gab dieser mir zu verstehen, dass ein 30 Tage-Visum kein Problem sei. Unsere Anträge wurden mit je zwei Passfotos und einer Kopie unserer Pässe nach Teheran geschickt. Wartezeit: zehn Tage.
Nach gründlichen Recherchen im Internet haben wir beschlossen, von Iran über Pakistan nach China zu fahren. Die Visabeschaffung für die drei GUS-Länder Turkmenistan, Usbekistan und Kirgistan ist außerordentlich zeitaufwendig, kostenintensiv und nervenaufreibend. Der Zeitpunkt für die Ein- und Ausreise muss genau festgelegt werden. Bei der Anreise mit dem Flugzeug sicherlich kein Problem, aber mit dem Fahrrad setzt man sich unnötigem Stress aus.
Auch das pakistanische Visum zu beschaffen, ist nicht einfach. Nach unseren angelesenen Kenntnissen rechneten wir mit keinerlei Problemen, doch als wir beim pakistanischen Konsulat die Visa beantragen wollten, wurden wir schroff zurückgewiesen. Der Beamte sprach nur gebrochen Englisch, konnte oder wollte uns nicht verstehen und ließ uns nicht einmal die Anträge ausfüllen. Deprimiert und mutlos sahen wir unseren Traum von der großen Reise sich in Luft auflösen. Wieder einmal suchten wir in Internet nach einer Lösung. Dort erfuhren wir, dass vor kurzem die Bestimmungen geändert wurden und man nur noch im jeweiligen Heimatland ein Visum für Pakistan beantragen kann. Wir stießen auf eine Agentur, die für diese Problematik spezialisiert ist, kontaktierten sie per e-mail, und erhielten prompt Antwort. Frühestens acht bis zehn Wochen vor unserer Einreise in Pakistan müssen wir per Kurier die Pässe, Passfotos und Visaanträge nach Berlin schicken, und die Agentur besorgt dort gegen eine Gebühr die Visa. Wir waren trunken vor Freude. Nun wartet Istanbul darauf, von uns entdeckt zu werden. (wird fortgesetzt)
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Wo Europa und Asien sich begegnen: Der Naturhafen am Goldenen Horn ist der wichtigeste Hafen des östlichen Mittelmeers. |

„Zweite Hälfte war katastrophal“
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