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Markdorf Mönche zwischen Kloster und Killerspielen

18.01.2007
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Am 2. September 2004 starteten Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer Reise nach China. Hier ihr jüngster Bericht für den SÜDKURIER:

Im Jahr 1997 übergab Großbritannien Hong Kong offiziell an die Volksrepublik China. Seitdem ist Hong Kong Sonderverwaltungszone und verwaltet das Territorium die nächsten 50 Jahre in Wirtschaft und Politik relativ unabhängig von China. Das bedeutet auch, dass man eine Grenze zwischen den beiden Territorien passieren muss und je nach Staatsangehörigkeit in beide Richtungen Visa braucht.

Mit viel Stress haben wir uns nun ein 6 Monate gültiges Business-Visum für China beschafft. Eigens für diesen Zweck nahmen wir die rund 3000 Kilometer lange und 34 Stunden währende Zugfahrt nach Hong Kong in Kauf. Für nur umgerechnet 55 Euro pro Nase beförderte uns der Zug von Xining nach Hong Kong. Hong Kong ist bekannt dafür, problemlos Geschäftsvisa für sechs Monate auszustellen. Wir gingen zur chinesischen Botschaft, doch die verlangten plötzlich ein Einladungsschreiben einer Firma, bei der wir in China arbeiten - was wir natürlich nicht hatten. Missbrauch hat wohl zur Änderung der chinesischen Politik geführt, denn früher bekam man ein Businessvisum ohne Probleme. Ansonsten gewährten sie nur ein Touristenvisum für einen Monat. Wir gingen zu mehreren Travelagenturen und bekamen schließlich für umgerechnet 110 Euro (in der Botschaft hätten wir nur 40 Euro bezahlt) doch noch ein Businessvisum. Mit Geld geht eben alles.

Wir fühlten uns nicht wohl in diesen gigantischen Hochhäuserschluchten. Wer nicht arbeitet, hat hier nichts zu suchen. Die Leute sind hektisch, eingebildet und äußerst unfreundlich. Wir waren froh, wieder ins "richtige China" zurückzukehren.

Das neue Jahr begannen wir in Xiahe. Wer nicht die Gelegenheit hat, nach Lhasa zu gehen, sollte diesen kleinen, heiligen Ort besuchen. Überrascht waren wir, in einigen Souvenirläden Bilder vom "Dalai Lama", des in Indien im Exil lebenden Oberhaupts der Tibeter, vorzufinden. Aus Angst vor einer erneuten Machtergreifung sind Besitz und Verkauf der Bilder von der Regierung strengstens verboten. Auch in der Kuppel der"Gongtang Pagoda" sahen wir ein kleines Bild. Sage und schreibe 1174 Gebetsmühlen umrunden den riesigen Tempelkomplex des Kloster Labrang und die Wohnstätten der rund 1200 Mönche. Die Tibeter umkreisen unermüdlich im Uhrzeigersinn in einer so genannten drei Kilometer langen "Kora" den heiligen Bezirk. Auch die Gebetsmühlen werden von Hand im Uhrzeigersinn gedreht. Jede Umdrehung soll ein Gebet zum Himmel schicken, das den Geist reinigen und von überflüssigen Gedanken befreien soll. Wir besuchten die Tempel mit ihren Buddhastatuen und die Gebetshalle der Mönche.

Vieles hat sich durch den Tourismus geändert. Die Spiritualität hat gelitten. Die Mönche der Gelbmützensekte bekommen bei ihren zwei Mal täglich stattfindenden Ritualen von Gläubigen Bündel von Geld zugeworfen, welches dann noch während des Rituals eifrig gezählt wird. Von dem Geld essen die Mönche dann in Restaurants und schlafen in Hotels. Um dem monotonen Klosteralltag zu entgehen, schauen sie Fernsehen und gehen ins Internet. Regelrecht schockiert waren wir, als wir einen jungen Mönch einen so genannten "Ego-Shooter" spielen sahen, bei dem er reihenweise Menschen erschoss.

Markdorf
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