Markdorf Ministranten leben eine Woche im Stil der Benediktiner

Es ist eine geistige Gemeinschaft auf Zeit: 13 Markdorfer Ministranten verbringen unter dem Motto „ora et labora“ zusammen eine Woche.

„Ora et labora“ steht auf dem selbst gemalten Schild an der Eingangstür des alten Gebäudes an der Von-Deuring-Straße in Unterteuringen. Die Klingel funktioniert nicht. Es dauert eine Weile, bis jemand das Klopfen hört. Zu laut sind die Geräusche der vorbeifahrenden Autos – Pendler, die um diese Zeit nach Hause streben.

„Bete und arbeite“, übersetzt Sophia Höll die uralte Benediktiner-Regel ins Deutsche. Die 15-Jährige gehört zu den 13 Jugendlichen, die sich unter dem Leitspruch „ora et labora“ in der vergangenen Woche zusammengefunden haben. Acht Tage lang gaben die 15- bis 19-Jährigen, allesamt Ministranten aus der Seelsorgeeinheit Markdorf, ihrem Tagesablauf einen festen Rhythmus. Den prägen vor allem zwei Momente: das morgendliche Gebet um 6 Uhr und ein weiteres am Abend – etwa um 22 Uhr. Soweit die Ora-, die Gebets-Komponente. Die andere, jene der Arbeit, beschränkt sich aufs Kochen, was das Gemeinschaftliche anbelangt. Ansonsten gehen die 13 Jugendlichen auch in ihrer Ora-et-labora-Woche ihrer gewohnten Berufsausbildung nach – oder sie fahren in die Schule.

Noch fehlen an diesem Abend einige. Doch wenigstens die Schüler sitzen am Wohnzimmertisch, um auf Fragen zu antworten. „Es ist die Gemeinschaft“, erklärt Alina Lorenz. Die 17-Jährige erläutert, warum sie sich nun ein weiteres Mal bei der Ora-et-labora-Gruppe beteiligt. „Wir kennen uns natürlich vom Ministrieren“, fährt Alina Lorenz fort, „aber das hier ist doch etwas Besonderes.“ Es herrsche eine besondere Lebendigkeit. Nach dem Morgengebet werde gemeinsam gefrühstückt. Nach dem Abendessen sitzen die Jugendlichen beim Spiel oder in lockerer Gesprächsrunde zusammen. „Es macht einfach Spaß“, sagt Alina Lorenz, „wenn's keinen Spaß machen würde, wäre ich ja auch nicht hier.“

Es war Vikar Sebastian Feuerstein, der das Ora-et-labora-Projekt vor drei Jahren angestoßen hat. Die ersten beiden Male haben die Jugendlichen im alten Pfarrhaus von Ittendorf gewohnt. Heuer ist es Feuersteins Nachfolger, Vikar Johannes Treffert, der die Ministranten betreut – und auch in dem alten Gebäude an der Unterteuringer von-Deuring-Straße mit übernachtet. „Es ist schon eine tolle Sache“, findet der Vikar, „dass sich Jugendliche in dieser Form auf den Glauben einlassen.“ Treffert war durchaus bekannt, dass es ähnliche Projekte für Jugendliche in etlichen Pfarreien gibt, doch für ihn selber sei es das erste Mal, dass er mitmacht. Was ihn auch beeindruckt: „Dass alle mit anfassen, wenn es was zu tun gibt – das mit der Gemeinschaft ist wirklich ernst gemeint.“ Und das nicht allein auf der praktischen Seite, bei den täglich zu verrichtenden Arbeiten im Haushalt, dem Kochen, Spülen und Fegen. Ein Blick in den improvisierten Andachtsraum im Obergeschoss zeigt: Der Ora-et-labora-Gruppe ist es sehr wohl ernst mit der gemeinsamen Spiritualität. Auf dem Boden liegen Sitzkissen. Die Stoffbahn mit den Teelichtern darauf, die sich vor dem Kruzifix an der Stirnwand ausbreitet, vermittelt den Taizé-Eindruck – auch ohne die abgelegten Gesangsbücher. Ministrantenleiter Gabriel Beck erläutert: „Hier singen wir.“ Es sei darüber hinaus auch ein Ort der inneren Einkehr. Ein Ort, an dem sich die 13 Ora-et-labora-Teilnehmer auch Gedanken über ihren Weg machen. Wie der bisher verlaufen sei, was ihnen wichtig ist und wohin der sie führen solle.


Ora et labora

Bete und arbeite (ora et labora), eine der Grundregeln benediktinscher Klostergemeinschaften, soll dem Tagesablauf der Mönche einen festen Rhythmus verleihen. Der heilige Benedikt, Begründer des Benediktinerordens, legte großen Wert auf die gelebte Gemeinschaft der Klosterbrüder. Armut und Gehorsam zählten ebenso zu den festen Werten in dem von Benedikt errichteten Kloster Monte Cassino wie die feste Bindung der Mönche an ihr Heimatkloster.

Heute versammeln sich Benediktinermönche sechs Mal am Tag zum gemeinsamen Gebet. (büj)

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